21.11.2018

Wolfgang Reiths neues Buch über die Kaiserlichen Schutztruppen

Die Kaiserlichen Schutztruppen - Deutschlands Kolonialarmee 1889 - 1919 von Wolfgang Reith. Glanz & Gloria-Verlag (ISBN 978-99916-909-6-4). Vertrieb: Namibiana Buchdepot

Die Kaiserlichen Schutztruppen - Deutschlands Kolonialarmee 1889 - 1919 von Wolfgang Reith. Glanz & Gloria-Verlag (ISBN 978-99916-909-6-4). Vertrieb: Namibiana Buchdepot

Eberhard Hofmann bespricht Wolfgang Reiths neues Buch, Die Kaiserlichen Schutztruppen. Deutschlands Kolonialarmee 1889-1919, das im Windhoeker Glanz & Gloria-Verlag erschienen ist.

Im deutschen Kolonialreich, das Gebiete in Afrika, in der Südsee und Tsingtao (China) umfaßte, waren in der kurzen Periode von 1884 bis 1918 lediglich in drei Schutzgebieten reguläre Kolonialtruppen eingesetzt: in Deutsch-Ostfafrika, Deutsch-Südwestafrika und Kamerun. Aus anfänglich kleinen Ordnungskontingenten entstanden aus hauptsächlich freiwilligen Kräften die „Kaiserlichen Schutztruppen“, die in Folge und im Verlauf verschiedener Aufstände in den drei großen Schutzgebieten zum Einsatz kamen, der heute recht differenziert beurteilt wird. Die Beurteilung reicht von der sachlichen Aufarbeitung der Truppen, die ab Anfang der 1890-iger Jahre das Attribut „Kaiserlich“ erhielten, bis zur pauschalen Dämonisierung der Ordnungskräfte wegen angeblichen Völkermords in Deutsch-Südwestafrika. Wolfgang Reith, Historiker und langjähriger freier Korrespondent der Allgemeinen Zeitung, schildert im vorliegenden Band den Aufbau der Schutztruppen und die Abfolge ihrer Kommandeure mit vielen Porträts. Außerdem stellt er die Kommandobehörde in Berlin vor und verfolgt die Stärke der Truppen bei Ausbruch des 1. Weltkriegs bis zu ihrer Auflösung infolge des Vertrags von Versailles. Dieser sah schließlich die Übertragung der deutschen Schutzgebiete in die Verwaltung anderer Kolonialmächte vor. Zum oft missverstandenen Status der Schutztruppen erläutert Reith die enge Verbindung mit der kaiserlichen Marine. Reith betont, dass es zu Zeiten der Gründung der Truppe kein „Kaiserliches Heer“ gab, „vielmehr bildeten die Armeen der vier Königreiche Preußen, Bayern, Sachsen und Württemberg, deren Angehörige auf ihre jeweiligen Herrscher vereidigt waren, seit 1871 zusammen das Landheer …“. Die unterschiedliche Herkunft der Kolonialkräfte aus deutschen Landen - hier die Angehörigen der Eisenbahnkompanie - war noch lange in der Alten Kaserne in Swakopmund in der Wandmalerei hervorgehoben. Als dritte Teilstreitkraft neben Heer und Marine waren die Truppen jedoch dem Kaiser unterstellt. Reith ist den einzelnen Befehlshabern in den drei Schutzgebieten sowie ihren Vorgesetzten in den verschiedenen Berliner Staatsinstanzen, vor allem der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes sowie des Reichskolonialamts nachgegangen. Für namibische Leser und Eingeweihte der Geschichte bietet sich hier somit ein aufschlussreiches Nachschlagewerk und Verzeichnis, teils bekannter Namen mit Kurzbiographien, inklusive historischer Porträts der Militärs sowie Uniformtafeln indigener Hilfstruppen einer verflossenen Zeit, die noch ein paar Jahrzehnte im Safarilied der Jugend, „Wie oft sind wir geschritten… Heia Safari“, einen Nachklang hatte. Durch die Verhandlungen zwischen Windhoek und Berlin unter wechselnden Schlagwörtern wie Entschädigung, Genozid und Versöhnung, die für Medienschlagzeilen sorgen, sind die Truppen wieder in den historischen Brennpunkt gerückt. Reith beschränkt sich auf die reine Schilderung der militärischen Strukturen, wobei der jeweilige militär-strategische Einsatz in diesem Kontext nicht behandelt wird. Der Autor enthält sich der ansonsten in anderen zeitgenössischen Schriften über die Kolonialepoche üblichen aburteilenden Wertung der Kolonialarmee.

Eberhard Hofmann

Mit freundlicher Genehmigung der Allgemeinen Zeitung in Windhoek (Namibia), veröffentlicht das Namibiana Buchdepot die Pressemeldung: Wolfgang Reiths neues Buch über die Kaiserlichen Schutztruppen.

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