05.10.2017

Namibias Polizei: Kriminelle immer brutaler

Namibias Polizei: Kriminelle brutaler. Foto: Abraham Kanime, Leiter der Windhoek City Police, bei der Auswertung der städtischen Videoüberwachung. Foto: AZ-Archiv

Namibias Polizei: Kriminelle brutaler. Foto: Abraham Kanime, Leiter der Windhoek City Police, bei der Auswertung der städtischen Videoüberwachung. Foto: AZ-Archiv

Die jüngsten Verbrechensfälle in Windhoek zeigen, daß Kriminelle stets brutaler bei ihren Verbrechen vorgehen. Die Polizei bestätigt zwar nicht die Zunahme der Kriminalität, rät aber zu erhöhter Vorsicht und zu weiteren Schutzmaßnahmen. Überdies wird über einen Mangel an Personal und Finanzen bei den namibischen Sicherheitsbehörden geklagt.

Ein namibischer Taxifahrer bringt zwei Männer am Mittwoch gegen 04:00 Uhr heim und hält in der Monte-Christo-Straße nahe Havana (Windhoek-Katutura). Als die Fahrgäste sich entfernen wollen, fragt der Taxifahrer nach seinem Lohn. Da zieht einer der Männer eine Pistole, schießt dem Fahrer in den Nacken und verwundet ihn schwer. Die Männer fliehen. „Das ist ganz schlimm. Was ist mit unserer Gesellschaft los?“, fragt Polizeisprecherin Kauna Shikwambi gleichermaßen entsetzt und ratlos angesichts dieses brutalen Vorgehen. Erst am Tag zuvor berichtete die Polizei von einem nächtlichen Einbruch im Erosweg im Stadtteil Eros, bei dem zwei Männer den Bewohner, den 59-jährigen Michael Thompson, in den Kopf geschossen haben und dann mit zwei Mobiltelefonen sowie einem Laptop geflohen sind (AZ berichtete). Thompson wurde ins Krankenhaus gebracht, bis gestern Nachmittag sei noch keine Verhaftung erfolgt, so Chefinspektorin Shikwambi auf AZ-Nachfrage. Im Gegensatz zu Tourismusminister Pohamba Shifeta, der im August nach mehreren Überfällen auf Besucher von einem „zunehmenden Trend“ der Angriffe auf Touristen gesprochen hat, kann Polizeisprecherin Shikwambi einen Anstieg der Verbrechen „nicht bestätigen“. Statistiken, die die Situation und etwaige Veränderungen darlegen könnten, habe sie jedoch nicht. Allerdings ruft sie die Öffentlichkeit auf, noch vorsichtiger zu sein und mit „zusätzlichen Maßnahmen sich und ihr Eigentum zu schützen“. Shikwambi nannte bespielsweise Schlösser, Gitter und Zäune an Grundstücken bzw. Häusern. „Jeglicher Aufwand kann das Leben retten“, sagte sie. Überdies sei man auf die Mitarbeit der Bürger angewiesen, denn: „Die Polizei kann nicht überall sein.“ Jegliche Hinweise auf Verbrechen müssten umgehend an die Polizei weitergeleitet werden. Allerdings benötige die Polizei auch mehr Personal, so die NamPol-Sprecherin. Aus Gründen knapper Kassen würden keine Rekruten mehr aufgenommen, weshalb die Stärke der Einheit durch Abgänge aus Alters- und anderen Gründen abnehme. Das Ministerium für Sicherheit ist indes eines der wenigen Amtsbereiche, dessen Budget im aktuellen Haushalt gegenüber dem Vorjahr nicht gesunken, sondern (leicht) gestiegen ist. Auch Abraham Kanime, Chef der Stadtpolizei von Windhoek (City Police), konnte auf AZ-Nachfrage weder steigende Verbrechen bestätigen, noch eine Statistik vorweisen. Allerdings sprach er davon, dass das „Nivau der Verbrechen besorgniserregend“ sei und es eine immer brutaler zugehe. Sehr oft würden Verbrechen mit Schusswaffen und Messer ausgeführt, so Kanime. Der Stadtpolizeichef setzt vor allem auf Prävention und habe bereits eine Strategie dazu. Allerdings könne diese wegen mangelnder Ressourcen nicht umgesetzt werden. Kanime wünscht sich mehr Personal und Ausrüstung und hält dies für eine „Sache der Prioritäten“. Aus Sicht von Matthias Mühr, Vorstandsmitglied der Nachbarschaftswache Olympia (ONHW), haben die Verbrechen in den vergangenen Monaten „definitiv“ zugenommen. Er erwähnte mehr Einbrüche, versuchte Einbrüche und Diebstähle aus Fahrzeugen. „Es ist Realität, dass die Sicherheitslage in Namibia schlechter geworden ist“, sagte er auf AZ-Nachfrage. Er wünscht sich mehr Konsequenz bei der Justiz, beispielsweise dass weniger Verdächtige (bei Wiederholungsfällen) auf Kaution freikommen. „Das würde ein Signal setzen und für eine Verbesserung der Situation sorgen“, so Mühr.

Stefan Fischer

Mit freundlicher Genehmigung der Allgemeinen Zeitung in Windhoek (Namibia), veröffentlicht das Namibiana Buchdepot die Pressemeldung:  Namibias Polizei: Kriminelle immer brutaler.

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