Wüstenbrand. Jagden und Abenteuer aus Südwest-Afrika und Kamerun, von Georg Gellert.

Wüstenbrand. Jagden und Abenteuer aus Südwest-Afrika und Kamerun, von Georg Gellert.

Wüstenbrand. Jagden und Abenteuer aus Südwest-Afrika und Kamerun, von Georg Gellert.

Jagden und Abenteuer aus Südwest-Afrika und Kamerun bestimmen weitgehend den Inhalt des von Georg Gellert herausgegebenen Reiseberichts Wüstenbrand.

Georg Gellert  

[...] Die grauolivbraune Farbe der Puffotter macht es schwer, sie auf dem fast dieselben Farben tragenden Erdreich sofort zu erkennen. Entgegen den Bekanntgaben in Schulbüchern habe ich Puffottern gesehen, die verschieden gefärbt waren, wobei mitunter eine Farbe, meistens war es die braune, dominierte. Aber der plumpe, erschreckend häßliche Kopf flößte einem immer von neuem ein Grauen ein. Ich habe mutvolle, kräftige Männer gesprochen, die dem Tod in mannigfacher Gestalt ins Gesicht gesehen hatten, aber behaupteten, daß sie beim Anblick einer Giftschlange stets ein Zittern überfalle. Ein anderer, ebenfalls furchtloser Mann, sagte, daß ihm bei einer Begegnung mit einer Puffotter oder der furchtbaren Uräusschlange kalter Schweiß ausbreche und er sich zusammennehmen müsse, um nicht davonzulaufen. Zwischen Karibib und den Erongobergen traf ich in erschöpftem Zustande einen Beamten des Bezirksamts, der einen kleinen Urlaub zu einem Pirschgang benützen wollte. Ich labte ihn aus meinem Wassersack, er fand sich aber noch immer nicht zum Weiterschreiten kräftig genug. Es war fünf Uhr nachmittags, die Sonne stand schon im Niedergang, ich mochte den Mann aber nicht in dieser Nervenerregung allein in der wüsten Steppe zurücklassen. Hatte er Fieber? Seine Zähne schlugen, als wenn er frieren würde, aneinander. Dabei hatten wir noch mindestens 40-45° C. Endlich gab ich chm aus meiner Taschenapotheke ein paar beruhigende Tropfen, die er gläubig einnahm. Eigentlich sollten sie, ihrer Bestimmung gemäß, nur dem Darm zur Beruhigung infiltriert werden. Da die Einbildung oder Autosuggestion aber sehr viel bewirkt und mein Schützling überzeugt war, daß seine Nerven davon die ersehnte Bemhigung erhalten hätten, konnte ich dem guten Einfall nur dankbar sein. Wir machten uns also auf den Weg, um Karibib, wenn möglich, noch vor Nacht zu erreichen. Und dann erzählte er. „Vom vielen Umherlaufen in der tropischen Glut bin ich kein Freund. Und dann, wie ich weiß, kann man sich in der endlosen Steppe zu leicht verirren. Und ein Bett, das, statt der weichen Decken oder Federn, nur Sand zur Unterlage und den Himinel als Deckbett hat, ist nicht nach meinem Sinn. Unter Jagd verstehe ich eine gemütliche, deutsche Hasen- oder Rebhuhnjagd, so etwas gefällt mir. Auch eine Antilope, meinetwegen gern. Aber den gefährlichen Beestern gehe ich gern aus dem Wege. Ein jeder Mensch braucht doch nicht ein hundertfacher Held zu sein. Der Lorbeer, wissen Sie, würde ja dann eklig im Preise steigen. Ich bin völlig zufrieden, wenn ich mir das Gehörn von Antilopen selber schieße, soweit die lieben Tiere stillhalten. Auf Löwenfelle und dergleichen bin ich wirklich nicht erpicht. Wenn mir aber so was Widerliches begegnet, wie vor zwei Stunden! Nämlich, mein guter Herr, damit Sie's der Reihe nach wissen, ich wollt' mir die Sache ein bißchen leicht machen, wollte mal 'n Extra-Schlauer sein. Und Zeit gewinnen und mehrere Fliegen, wie man sagt, mit einer Klappe schlagen. Ich suche und finde ein Wässerloch, noch keine fünfzehn Kllometer von Karibib. Hier, dachte ich, verstecke ich mich, und was zur Tränke kommt, knalle ich bequem nieder. Ich verstecke mich also hinter einem Busch und warte. Die Hitze macht müde, ich nicke ein bißchen. Dann wache ich wieder auf und - ich dachte, der Schlag trifft mich - liegt da, kaum fünf Meter von mir weg, so eine Uräusschlange. Wir hatten erst kürzlich eine auf der Station gehabt, die hatte ein Unteroffizier geschossen. Und die vor mir war genau so bronzefarbig und hatte gut ihre zwei Meter. Die schien geschlafen zu haben, wie ich. Als ich sie zu Gesicht kriege, bin ich ganz starr vor Schreck. Ich will mich sacht empfehlen und richte mich etwas auf. Sie lag zusammengeringelt da, wie ein Teller, hebt aber nun - auf das Geräusch, das ich mache - den Kopf und bewegt ihn auf mich zu. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Reisebericht: Wüstenbrand. Jagden und Abenteuer aus Südwest-Afrika und Kamerun, von Georg Gellert.

Titel: Wüstenbrand. Jagden und Abenteuer aus Südwest-Afrika und Kamerun
Herausgeber: Georg Gellert
Verlag Deutsche Buchwerkstätten
2. Auflage. Leipzig, 1928
Originalleinen, 15x20 cm, 175 Seiten, 5 Fototafeln, 1 Karte

Gellert, Georg im Namibiana-Buchangebot

Wüstenbrand. Jagden und Abenteuer aus Südwest-Afrika und Kamerun

Wüstenbrand. Jagden und Abenteuer aus Südwest-Afrika und Kamerun

Wüstenbrand, Jagden und Abenteuer aus Südwest-Afrika und Kamerun ist ein romanhafter Reisebericht eines namentlich nicht bekannten Autoren.

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