Südafrika (Merian-Heft 12/1969), von Stuart Cloete et al.

Südafrika (Merian-Heft 12/1969), von Stuart Cloete et al. Hoffman und Campe Verlag. Hamburg, 1969

Südafrika (Merian-Heft 12/1969), von Stuart Cloete et al. Hoffman und Campe Verlag. Hamburg, 1969

Stuart Cloete und andere versierte Südafrika-Autoren der Zeit trugen mit ihren Beiträgen zu diesem zeitgeschichtlich sehr interessanten Merian-Heft von 1969 bei.

Stuart Cloete  

Die schwarze Karoo

Für den Eingeweihten hat sogar die Wüste verschiedene Aspekte; es gibt sehr feine Abstufungen, die dem Auge des flüchtigen Beobachters entgehen; es gibt Unterschiede, die sich so klar abzeichnen (derartig auffallende Widersprüche), daß wir uns nicht vorstellen können, wie man von der Wüste, oder in diesem Fall von der Karoo-Steppe, als einer einheitlichen, undifferenzierten Gegend sprechen kann. Wenn jemand Farmer ist, sind manche Teile der Karoo ein Paradies, denn mit seiner besonderen Erfahrung kann er in dem Buschwerk, das für den Nichtkenner immer gleich aussieht, unterscheiden, was für die Merinoschafe gut ist oder nicht, und er sagt zu sich: Mein Gott, wenn diese Farm doch mir gehörte! Die ästhetische Einschätzung folgt unmittelbar darauf. In der unfruchtbaren Wüste wurden Vermögen gemacht, und wie liebt man die Wüste, wenn man ein Vermögen machen kann! Manche Teile der Karoo sind keinen Heller wert. An einigen Stellen kann man die feinste Wolle der Welt produzieren, wenn man nur über die ausreichende Fläche verfügt, die größten Schafe zu züchten. Sie entwickeln sich zu besonderer Stärke, wenn sie Raum haben - Raum, um sich zu bewegen und sich jene wenigen fleischigen Dornbüsche zu suchen, die aus ihnen - Alchimie der Wüste! - überdurchschnittliche Tiere machen. Auf der anderen Seite muß der Ranchbesitzer dafür mit seiner Isolierung bezahlen. Darum unterscheiden sich die Leute der Unteren, Mittleren und Oberen Karoo voneinander. Gastlichkeit gehört zur Isolierung. Allgemein gesprochen: Da sie Steppenbewohner verschiedenen Grades sind, ist ihnen allen jenes Element des Mitgefühls für den Mitmenschen gemeinsam. An dieser Stelle sollte man über die Menschen schreiben, die in dieser öden Landschaft leben. Die Erde ist ein totes Stück Materie, und ihre einzige Ähnlichkeit mit dem Leben drückt sich in der Korrosion aus. Die Bewohner der Karoo sind ihrem Wesen nach kantig, werden am Tage von einer gewaltigen Sonne gepeinigt und von den schwülen, leidenschaftlichen Nächten in langsamem Rhythmus angeregt, der nahezu einen Anachronismus in der heutigen Welt bedeutet, wo schnelle szenische und geistige Veränderungen unsere Lebensform beherrschen. In einer Wüste kann man nicht ohne Gott leben, sie sind daher religiöse Menschen, die sich dem kargen Ritual ihres Calvinismus in konservativer, methodischer Weise unterziehen. Im Karoo-„dorp" ist die Kirche - früher halb byzantinisch, neuerdings ultramodern mit einem Turm als phallischem Symbol neben einem asymmetrischen, aus dem Rahmen fallenden Bau - das Zentrum der Andacht und beiläufig auch der Versammlungsort des Klans. Die Frauen in hübschen Farben, die Männer in strengem Schwarz, ihre Kinder (neuerdings meistens in den Schulen und Universitäten der großen Städte) immer noch der Familientraditipn ergeben, obwohl ihr Denken von der Herausforderung A. G. Geisners belastet ist, der „eine Lösung der Grundprobleme" in der heutigen Welt verlangt. Besuchen wir eine Farm in der Schwarzen Karoo. Das Haus des freundlichen Gastgebers spiegelt die Geschichte der Ranch: ein schlichter, einfacher Bau, der an die Vergangenheit und die Wirtschaftskrise erinnert, an Kerzenschein und Millerlampen; er wurde von einem talentierten Vetter in den Tagen des „Goldenen Vlieses" nach freiem, planlosem Entwurf zu einer komplizierten unbeschreibbaren Anlage mit allem modernen Komfort ausgebaut. Die Wollspeicher sind modern; der Garten fast üppig mit Rosen, Sträuchern und Rasenflächen unter uralten Bäumen, die dem Tod geweiht scheinen. Anngenommen, wir kommen dort an einem Sommernachmittag gegen vier Uhr an. Es gibt Kaffee und Schokoladenkuchen. Man diskutiert über Politik und bemerkt diese seltsame Mischung von Naivität und „Common sense", die einen bezaubert, wenn man nicht gerade Aktivist ist. Später besichtigt man die Schafställe, wo man plötzlich bei seinem Gastgeber solide Kenntnisse entdeckt, denn jetzt weiß er wirklich, worüber er redet. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Merian-Heft 12/1969 "Südafrika".

Titel: Südafrika
Reihe: Merian. Monatsheft der Städte und Landschaften, Heft 12
Autoren: siehe Aufstellung
Hoffman und Campe Verlag
Hamburg, 1969
Originalbroschur, 19 x 27 cm, 133 Seiten, durchgängig Farb- und sw-Abbildungen, Karten und Pläne

Cloete, Stuart im Namibiana-Buchangebot

Südafrika (Merian-Heft 12/1969)

Südafrika (Merian-Heft 12/1969)

Dieses Südafrika-Magazin erschien 1969 und gehört zu der Merian-Reihe "Monatsheft der Städte und Landschaften" des Hoffman und Campe Verlag.

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