Sprachmischung in Südwestafrika, von Herbert Carl Nöckler

Sprachmischung in Südwestafrika, von Herbert Carl Nöckler. Max Hueber Verlag, 1963

Sprachmischung in Südwestafrika, von Herbert Carl Nöckler. Max Hueber Verlag, 1963

Herbert Carl Nöckler untersuchte in den 1950er und 1960er Jahren den gegenseitigen Einfluß der europäischen und afrikanischen Sprachen und gab mit seinem Werk Sprachmischung in Südwestafrika die erste zusammengefaßte Arbeit auf diesem Gebiet heraus.

Herbert Carl Nöckler  

[...] Daß sich leicht Wörter aus dem Afrikaans in den deutschen Sprachschatz einreihen lassen, wenn auch mit kleinen Formabänderungen, ist schon dadurch möglich, daß die beiden Sprachen eng verwandt sind. Es muß nochmals darauf hingewiesen werden, daß die vielen ersten afrikaansen Entlehnungen, die den Deutschsüdwester Jargon kennzeichnen, zuerst vorwiegend aus dem Verkehr mit den Eingeborenen stammten. Das Afrikaans des letzten halben Jahrhunderts war dem heutigen schon viel näher als dem richtigen Niederländisch und stellte also eine vereinfachte Form dar; Deutsch als hochentwickelte und schwer erlernbare Sprache mußte als Umgangssprache mit den Eingeborenen vereinfacht werden. Der Artikel war das erste, das sich einer Veränderung unterziehen mußte. Im Englischen und im Afrikaans gab es nur einen Artikel, und durchweg wurde jetzt nur noch „die" nach dem afrikaansen Vorbild gebraucht; dies ist so geblieben, obwohl an Klarheit des Ausdrucks und der Bedeutung den Eingeborenen heute nichts mehr entgehen würde, wenn man mit ihnen genau wie mit eigenen Landsleuten spräche. Somit findet sich im Gebrauch des Artikels schon eine Abschleifung und Anpassung, und man ist hier nach dem Prinzip des Ausgleichs verfahren. Die Sprachmischung durch den Einfluß der Schulverhältnisse muß nochmals erwähnt werden, besonders im Hinblick auf die späteren Entwicklungen. Daß das gesprochene Deutsch der heranwachsenden Jugend im Umgang mit Afrikaans und Englisch sprechenden Kindern Wörter aus diesen Sprachen entlehnte und eindeutschte, liegt auf der Hand. Als dazu noch an allen Schulen mit Ausnahme der drei schon erwähnten Privatschulen der Unterricht in der Muttersprache Ende 1945 aufhörte, mußten sich diese Entlehnungen in verstärktem Maße fühlbar machen. Im geschriebenen Deutsch machte sich der fremdsprachliche Unterricht besonders bemerkbar. Die deutsche Rechtschreibung und Grammatik, deren Erlernung ohnehin schwierig ist, wurde nur noch sehr mangelhaft beherrscht. Schon nach kurzer Zeit sahen sich die Eltern nach geeigneter privater Nachhilfe um, da die Briefe nach Hause Fehler über Fehler aufwiesen. Die Rechtschreibung geriet in Verwirrung, indem das afrikaanse v und g für das deutsche f und ch gesetzt wurden. Daß das gesprochene Wort im Unterricht wegfiel, hatte zur Folge, daß die dauernde Anwendung fremdsprachlicher Ausdrücke und Redewendungen den deutschen Kindern so in Fleisch und Blut überging, daß sie im Umgang mit Schulkameraden entweder die fremden Wörter und Wendungen oder doch undeutsche Abwandlungen davon gebrauchten. So hörte man z. B.: ich muß erst den „Lowest Common Factor" finden, oder: die „Rente" (A. rente = Zinsfuß) beträgt 5 %. Dieser geistige Vorgang erstreckte sich sodann auch auf alltägliche, nichttechnische Ausdrücke wie z. B. er gibt nicht um (Afrik.: hy gee nie om nie = es macht ihm nichts aus). Von einer späteren durchgreifenden Sprachsäuberung kann nicht mehr die Rede sein. Der deutsche Volksteil in Südwest wird stets geringer gegenüber dem immer mehr erstarkenden südafrikanischen, und das von Fremdwörtern durchsetzte Deutsch der heranwachsenden Jugend wird die maßgebende Alltagsumgangssprache sein. Eine Besserung der Sprachverhältnisse wurde zwar von der Wiedereinführung deutscher Unterrichtsabteilungen an den Regierungsschulen im Jahre 1951 erwartet, wodurch deutschstämmigen Kindern während der ersten sechs Jahre ihrer Schulzeit der Gesamtunterricht auf Deutsch erteilt werden durfte, doch sind inzwischen gewisse Afrikanismen wie „ich wunder warum" statt „ich möchte wissen warum" (A. ek wonder hoekom, E. I wonder why) schon so tief in den Sprachschatz verankert. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Sprachmischung in Südwestafrika, von Herbert Carl Nöckler.

Buchtitel: Sprachmischung in Südwestafrika
Autor: Herbert Carl Nöckler
Schriftenreihen des Instituts für Auslandsbeziehungen in Stuttgart Wissenschaftlich-publizistische Reihe, Band 5
Max Hueber Verlag
München, 1963
Originalleinen, 15x22 cm, 139 Seiten

Nöckler, Herbert Carl im Namibiana-Buchangebot

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