Soldatenleben. Erlebnisse als hessischer Kanonier in Lothringen und Deutsch-Südwestafrika, von Karl Waldeck

Soldatenleben. Erlebnisse als hessischer Kanonier in Lothringen und Deutsch-Südwestafrika, von Karl Waldeck. ISBN 9789991687223

Soldatenleben. Erlebnisse als hessischer Kanonier in Lothringen und Deutsch-Südwestafrika, von Karl Waldeck. ISBN 9789991687223

Karl Waldek, aus dem hessischen Hohenkirchen kommend, beschreibt sein Soldatenleben und seine Erlebnisse während der Ausbildung als Kanonier in Lothringen und seinen Wechsel zur Kaiserlichen Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika.

Bernd Kroemer  Karl Waldeck  

[...] Unser Weitermarsch von Derm über Swartmodder und Schürfpenz bis nach Kalkfontein wurde fortgesetzt. Dort sollte dann das Manöver vor sich gehen, denn Kalkfontein hatte Wasser zum Tränken einer größeren Anzahl von Tieren. Der Weg führte nun allmählich nach Süden. Ehe wir aber von Derm aufbrachen, wurde eine Patrouille scharf östlich vorgeschickt, um einen in 30 km Entfernung stehenden Bohrtrupp zu besuchen, der hier schon monatelang arbeitete und bisher noch keine Erfolge gehabt hatte. Diese Patrouille wurde von einem bei uns eingestellten Reserveleutnant namens Hackländer geführt. Er war Kasselaner und wählte selbstverständlich auch mich zu dieser Sonderveranstaltung aus. Wir waren sechs Reiter, und scharf ging es voran von Düne zu Düne. Und jedes Mal, wenn wir den Kamm einer Düne erreichten und den nächsten Zwischenraum überschauen konnten, so bot sich immer wieder etwas Neues. Einmal war es eine Springbockherde von mehreren tausend Stück, ein anderes mal war ein starkes Rudel Zebras zu bewundern und wieder ein anderes Mal sahen wir viele Wildarten in einer Herde. Außer Zebra und Straussen waren einige hundert Gemsbock-Antilopen mit ihren langen Spießen beisammen. Bei unserem Anblick preschten die Tiere ab, daß der Boden dröhnte. Und dann, kurz vor dem Ziele unserer Reise haben wir etwas so Wunderbares gesehen, was nur wenigen Menschen vergönnt ist, einmal zu schauen, eine ganz hervorragende fata morgana. Auf etwa zwei bis drei km Entfernung lag da eine große Farm mit mehreren weißen Gebäuden, dem Windmotor und mächtigen Baumgruppen. Wir sahen zwischendurch Menschen und Vieh sich bewegen, alles im gleißenden Sonnenschein, ein klein wenig zittrig war, aber so deutlich, daß wir erst an eine Täuschung nicht glauben wollten. Unser Leutnant ließ halten und meinte dann nachsinnend, er sei doch hier landeskundig und schon viele Jahre in Südwest, er kenne fast alle Farmen, aber diese Farm, die uns die Sonne vorspiegelte, sei ihm völlig unbekannt. Es könne nur eine Farm von jenseits der Kalahari, dem englischen Gebiet sein. Als wir dann weiterritten, verschwand sie wieder zu einem Nichts. Wir kamen dann zu der Bohrkolonne, drei Weißen und sechs Eingeborenen. Sie freuten sich, nach Monaten mal wieder Menschen zu sehen. Wir konnten ihnen viele Neuigkeiten mitteilen, aber sie waren ziemlich mutlos, da sie jetzt bis 60 m Tiefe noch kein Wasser gespürt hatten. „Es muß aber hier Wasser sein nach allen den mir bekannten Vorzeichen und dem Anschlagen der Wünschelruten", sagte einer der braun gebrannten Männer, der sich als Ingenieur vorgestellt hatte. Wie ich später mal erfahren habe, hat diese Bohrkolonne bei 70 m Tiefe eine Wasserader angebohrt, die so stark war, daß Bohrer und alles Drum und Dran in die Luft geflogen sind, und dann das Wasser noch im mannstarken Strahl viele Meter hoch in die Luft gesprudelt ist, ein sogenannter artesischer Brunnen. Unsere Patrouille kam dann in der Gegend von Kalkfontein wieder zur Batterie, nachdem wir im ganzen 16 Dünen vor- und rückwärts überquert hatten. Diese Erlebnisse möchte ich niemals missen und werde zeitlebens davon zehren. In Kalkfontein waren fast alle Truppenteile versammelt, und das Tränken der vielen Tiere war äußerst umständlich. Einige unserer Pferde waren nicht mit Gewalt und nicht mit guten Worten an das Wasser zu bringen, weil vorher die Kamelkompanie hier gewesen war und die Kamelausdünstungen viele Pferde nicht vertragen konnten. Auch mein Vagabund hat an diesem Tage nicht getrunken. Schon morgens, als wir ahnungslos die Pad entlang ritten, machte er plötzlich einen Seitensprung, daß ich beinahe aus dem Sattel geflogen wäre. Da lag hinter einem Busch eine Kamelpatrouille und die langbeinigen Dromedare zupften an den Blättern. Die kommende Nacht war Großes Biwak für alle Truppenteile. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Soldatenleben. Erlebnisse als hessischer Kanonier in Lothringen und Deutsch-Südwestafrika, von Karl Waldeck.

Titel: Soldatenleben
Untertitel: Erlebnisse als hessischer Kanonier in Lothringen und Deutsch-Südwestafrika
Autor: Karl Waldeck
Bearbeitung: Bernd Kroemer
Glanz & Gloria Verlag
Windhoek, Namibia 2012
ISBN 9789991687223
Broschur, 15x21 cm, 126 Seiten, zahlreiche sw-Fotos

Waldeck, Karl und Kroemer, Bernd im Namibiana-Buchangebot

Soldatenleben. Erlebnisse als hessischer Kanonier in Lothringen und Deutsch-Südwestafrika

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Dies ist der erste Band über das Soldatenleben Karl Waldecks als hessischer Kanonier in Lothringen und als Schutztruppler in Deutsch-Südwestafrika.

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