Robert und der Hottentott, von Adolf Kaempffer

Robert und der Hottentott, von Adolf Kaempffer.

Robert und der Hottentott, von Adolf Kaempffer.

Der ausgezeichnet geschriebene, zeitlose Roman 'Robert und der Hottentott' gehört zu den Alterswerken von Adolf Kaempffer.

Adolf Kaempffer  

Die Sonne webte ihren glühenden Schleier über das Südwester Land. Ihr Gluthauch streifte die Farm mit dem weißen Haus, die roten Sandsteinklippen der Viehkrale und den Garten mit dem großen stahlblitzenden Windmotor. Er verschonte auch den rundgemauerten Wasserspeicher nicht, noch den langen Tränktrog und die sechs mit sauber geflochtenen Binsenmatten gedeckten Hütten der eingeborenen Hirten und Arbeiter. Das Land lag in der Höhe des Mittags. Hoch in der flimmernden Luft schwebte in weiten Kreisen ein Lämmeradler. Sein Blick glitt suchend über die heiße Erde, aber nirgends fand sein hungriges Auge eine greifbare Beute. Reglos lag das Anwesen in der Weite des Landes und die vielen Laufpfade, die Tausende von Schafen und Hunderte von Rindern im jahrelangen Gang zum Brunnen in das Veld getreten hatten, glichen einem großen Spinnengewebe. Von der Farm aus strebten diese Laufwege als kräftige helle Striche fort. Später begannen sie sich zu verästeln und breiteten sich wie ein riesiges Gespinst über das Veld hin aus. Weit draußen, wo die Schaf- und Ziegenherden und die Kühe und Pferde endgültig auseinanderlaufen, um sich auf der spärlich dünnen Weide zu verteilen, verblaßten diese Viehwechsel allmählich und vergingen endlich spurlos im Gestein und zwischen dem Gestrüpp. Nur zwei oder drei solcher Pfade durchquerten die einhundertzwanzigtausend Morgen große Farm nach verschiedenen Richtungen ganz. Das waren die uralten Wanderpfade der Wildnis. Sie kamen von weither und liefen nach der anderen Seite hin fort, bis sie in der Unendlichkeit des afrikanischen Veldes verschwanden. Wie das große Haltetau, das jede Spinne erst von einem Ast zum anderen hängt, ehe sie ihr eigentliches Netz spinnt, so zog sich ein roher Fahrweg quer über das weite Netz der Pfadspuren dahin und verschwand auf der entgegengesetzten Seite wieder in der Ferne. Stellenweise erschien er wie ein bald blasser, bald heller breiter Streifen, der manchmal dicht am Rivier unter den hohen Giraffenakazien untertauchte. und dann wieder auf der offenen Steppe dahinlief. Wenn er aber eine der vielen geröllbedeckten Flächen überquerte, dann teilte er sich in zwei schmale, nebeneinanderherlaufende Fußpfade, wie sie die hinterein-anderhenschlendernden Reihen der Ochsengespanne ausgetreten hatten. Denn der Fahrweg war keine von Menschenhand geschaffene Straße, sondern eine rohe ungefügige Spur, die sich die schweren Ochsenwagenräder in langen Jahren, mühsam durch die Wildnis vordringend, ausgemahlen hatten. In der Nähe der Farm zweigte ein Verbindungsweg ab, lief, das Rivier überschreitend, das Gehöft an und kehrte in weitem Bogen eine halbe Stunde später wieder zur Hauptspur zurück. Wie ausgestorben lagen Haus und Veld in der Mittagsglut. Nur der Windmotor blitzte auf, wenn ein plötzlicher heißer Windstoß das Rad erfaßte und herumstieß, daß das Gestänge mit leisem Kreischen in dem tiefen Bohrloch auf- und niederfuhr und ein dünner Wasserstrahl aus dem Steigrohr in das Fangbecken fiel. Blieb der Wind einmal längere Zeit hindurch beständig, dann erklang das leise Kreischen des auf- und niedergehenden Gestänges in immer festerem Takt, der die brütend heiße Stille des afrikanischen Mittags stundenlang wie das Pendel einer Uhr durchmaß. Wenn aber die Kurbelwelle oben im Motorkopf den höchsten Punkt erreicht hatte und sich abwärts zu neigen begann, dann endete das leise Kreischen des Gestänges mit einem klopfenden Ton und gleich darauf schoß der Wasserstrahl aus dem Steigrohr und fiel in das Fangbecken und erzeugte damit den dritten Ton. Und wenn der Wind anhielt, dann folgten diese drei Töne, einer dem anderen, in festem Rhythmus durch alle Stunden des Tages. (...)

Dies ist ein Auszug aus dem Roman: Robert und der Hottentott, von Adolf Kaempffer.

Titel: Robert und der Hottentott
Autor: Adolf Kaempffer
Verlag: Voggenreiter Verlag
Bad Godesberg, 1951
Original-Halbleinen, 13x19 cm, 303 Seiten

Kaempffer, Adolf im Namibiana-Buchangebot

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