Nataler Deutsch, von Hildegard Irma Stielau

Nataler Deutsch, von Hildegard Irma Stielau.

Nataler Deutsch, von Hildegard Irma Stielau.

Das Buch von Hildegard Irma Stielau, Nataler Deutsch, ist eine Dokumentation unter Berücksichtigung des englischen und afrikaansen Einflusses auf die deutsche Sprache in Natal.

Während Deutsch in Nordamerika als Muttersprache fast überall in teils sehr raschem, teils langsamerem Rückgang begriffen ist, haben wir es in Südafrika mit einer Volksgruppe zu tun, bei der für überseedeutsche Verhältnisse relativ stabile sprachliche Zustände herrschen. Das hat seine Ursache vor allem darin, daß hier bis heute die meisten staatlichen Volksschulen mehr oder weniger zweisprachig sind, d.h. daß Deutsch als eine - wenn auch nicht einzige - Unterrichtssprache gebraucht oder doch wenigstens als Unterrichtsfach gepflegt wird. Das gilt nicht für ganz Südafrika, aber im besonderen für die Provinz Natal, in der die von Hildegard Stielau untersuchte Gruppe lebt. Natal ist heute neben Südwestafrika/Namibia das einzige Überseeland, wo es öffentliche Volksschulen mit deutscher Unterrichtssprache gibt, allerdings ist Deutsch nicht, wie in Südwestafrika daneben auch an staatlichen höheren Schulen, als Unterrichtssprache zugelassen. Wie sehr der Einfluß der englischen Sprache auf die Umgangssprache der Jugend davon abhängt, ob diese noch einen Teil ihres Unterrichts in deutscher Sprache erhält, weiß die Verfasserin deutlich nachzuweisen an Beispielen aus Orten, in denen es keine zweisprachigen Schulen mehr gibt.

Einen besonderen Akzent erhält die Darstellung Hildegard Stielau's dadurch, daß sich die deutsche Sprache mit mehreren anderen Sprachen auseinanderzusetzen hat. An erster Stelle steht Englisch, die Amtssprache von Natal und die Muttersprache des größten Teiles seiner weißen Bevölkerung. Daneben ist in jüngerer Zeit der Einfluß von Afrikaans, einer nahverwandten Sprache, fühlbar geworden, vor allem bei den im Norden von Natal gelegenen Siedlungen. Die nahe Verwandtschaft beider Sprachen bewirkt, daß nicht in allen Fällen eindeutig festzustellen ist, von welcher der beiden Sprachen die Beeinflussung der deutschen Sprache ausgegangen ist. Daneben sind jedoch noch zwei weitere Einflußquellen zu nennen.

Wie aus der Einleitung von Frau Stielau hervorgeht, wurde in einem großen Teil der Siedlungen vor wenigen Jahrzehnten noch allgemein niedersächsische Mundart gesprochen. Diese lebt heute nirgendwo mehr als allgemeine Umgangssprache fort, sondern nur noch in einigen Fällen als Haussprache einzelner Familien. Auf der anderen Seite sind die Sprachdeutschen auch mit der Sprache der schwarzen Bevölkerung Natals, d.h. mit Zulu in Berührung gekommen; doch hat es nur einen sehr geringen Einfluß ausüben können.

Für die Beurteilung und Darstellung dieser komplizierten Sprachverhältnisse war es ein großer Vorteil, daß die Verfasserin der Sprachgruppe, die sie schildert, selber angehört. Das ermöglichte ihr, Fehlurteile zu vermeiden, die der außenstehende Beobachter nur zu leicht fällt; ein Beispiel bietet der Hinweis H. Stielaus auf den Afrikanischen Heimatkalender von 1953, wo es hieß, der Übergang vom Niederdeutschen zum Standarddeutschen sei durch den Zuzug von oberdeutschen Einwanderern bedingt, während es sich in Wirklichkeit ganz überwiegend um eine endogene, vor allem von den Geistlichen und wohl auch den Lehrern geförderte Entwicklung handelte. Auch daß sie ihre Beispiele fast durchweg der gesprochenen Sprache entnahm und sich nur ausnahmsweise auf Dokumente stützte, kann als Vorzug dieser Untersuchung gewertet werden.

Hildegard Stielaus Studie erhärtet den von den Herausgebern in der Einleitung zum Kanadaband dieser Schriftenreihe ausgesprochenen Satz, daß im Sprachausland viele Erscheinungen untersucht werden können, für die man im Sprachinland nur ausnahmsweise Beispiele findet, wobei auf Stichwörter der Sprachkontaktforschung wie Diglossie, Interferenz, Mehrsprachigkeit, Transferenz usw. hingewiesen wurde. Die Erforschung der deutschen Sprache im europäischen und vor allem auch im überseeischen Auslande bedeutet eine erhebliche Bereicherung der germanistischen sprachsoziologischen und kontaktlinguistischen Forschung in der Bundesrepublik Deutschland. Die Untersuchung von Dr. Stielau entstand als Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophischen Fakultät der Universität Köln und wurde als solche 1965 vorgelegt. Berichterstatter waren Professor Dr. F. Tschirch und Professor Dr. H.-J. Seiler.

Die vorliegende Fassung beruht auf einer Überarbeitung dieser Dissertation durch Frau Stielau und auf der Redaktion von Herrn Auburger. Frau Dr. Stielau ist jetzt als Hochschullehrerin an der Randse Afrikaanse Universiteit in Johannesburg tätig. Die Publikation dieses Buches wäre nicht möglich gewesen ohne die großzügige Gewährung eines Druckkostenzuschusses durch die Randse Afrikaanse Universiteit in Johannesburg und ohne eine finanzielle Beihilfe der Deutsch-Südafrikanischen Gesellschaft in Bonn-Bad Godesberg. Beiden Institutionen sprechen wir hierfür unseren Dank aus.

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Nataler Deutsch, von Hildegard Irma Stielau.

Buchtitel: Nataler Deutsch
Untertitel: Eine Dokumentation unter Berücksichtigung des englischen und afrikaansen Einflusses auf die deutsche Sprache in Natal
Autor: Hildegard Irma Stielau
Deutsche Sprache in Europa und Übersee
Berichte und Forschungen, Band 7
Franz Steiner Verlag
Wiesbaden, 1980
Broschur, 266 Seiten, 17x24 cm

Stielau, Hildegard Irma im Namibiana-Buchangebot

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Interessante Studie über die Veränderung des Nataler Deutsch in Südafrika.

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