Namibia. Eine Reise zu mir, von Walter Kapferer
'Alte Freunde', ein Kapitel aus dem Reisebericht: Namibia. Eine Reise zu mir, von Walter Kapferer.
Am nachmittag dieses erholsamen Sonntags erwartete ich meinen Freund Heno, der mich zusammen mit seiner Frau Waltraut abholen wollte, damit wir die letzten Tage meines Namibiaaufenthaltes zusammen auf ihrer Farm verbringen könnten. Ich war schon ein bißchen in Sorge als erst um 18 Uhr das Telefon läutete und die baldige Ankunft signalisierte. Wie sich später herausstellte, hatten sie unterwegs noch einen Besuch bei Bekannten gemacht, die sie lange nicht gesehen hatten. Als sie endlich in Eningu ankamen, hatten sie noch nichts gegessen, und nach Spiegeleiern mit Speck, Käse und Wurst unterhielt sich Heno noch mit den Wirtsleuten über alle möglichen Leute in dieser Gegend. Derartiger Klatsch und Tratsch interessierte mich zwar auch, aber wir hatten noch eine dreistündige Fahrt durch die Nacht vor uns. Wieder merkte ich, daß für Gespräche und Besuche in diesem Land andere Gesetze gelten. Da man sich nicht so oft sehen kann, ist kein Weg zu weit und kein Gespräch zu lang, wenn man schon einmal unterwegs ist. Gegen 20 Uhr brachen wir auf, die Sonne ging gerade unter. Die Fahrt auf der Pad war sehr anstrengend. Wie ein Luchs achtete Heno auf das Aufleuchten der Augen, wenn Wild über den Schotterweg wechselte. Häufig drosselte er die Geschwindigkeit oder scheuchte das Wild durch Hupen von der Fahrbahn. Als wir unversehrt und ohne eine Karambolage auf Goedemod ankamen, war uns die Erschöpfung doch anzumerken, und ich bezog mein Zimmer im alten Schulhaus, das mir von früheren Besuchen noch vertraut war. Viel Zeit zum Schlafen blieb nicht; denn am nächsten Morgen wollte ich früh mit Heno in Richtung Otjozondu aufbrechen. Dort haben die Mosbacher auch eine Schule gebaut, die ich gern besuchen wollte, und nebenbei sollten auf einer Farm in der Nähe Schweine eingekauft werden. Für die einhundertvierzig Fahrtkilometer hatte uns Waldtraut genaue Instruktionen gegeben. Auch für den Schweinekauf hatten wir genaueste Anweisungen. Heno blieb dabei sehr gelassen und ruhig, vielleicht hatte er seine Hörhilfe ausgeschaltet. Die Fahrt verlief reibungslos und der Plan konnte genau eingehalten werden. Als wir unsere Ladung Schweine, zwei für den Nachbarn Markgraf und zwei für Waldtraut, friedlich auf der Ladefläche sitzen hatten, fuhren wir die zwanzig Kilometer nach Otjozondo und parkten, wegen der Schweine, unter einem Baum im kühlen Schatten. Ich freute mich, wie sich diese Schulanlage doch so sauber präsentierte. Im Sekretariatshaus mit der lila Farbe, wie Gerd meint, die Lionsfarbe, lief mir gleich Schulleiter Laubscher über den Weg. In meinem schlechten, für viele, wegen der exzellenten Aussprache, nicht verständlichen Englisch, begann ich mich vorzustellen. Das Wort „Lions Mosbach" löste große Freude aus. Wir haben die Schulräume besichtigt, die sich alle in einem sehr guten Zustand befanden. Direktor Laubscher führt offensichtlich ein gutes Regiment und Diebstahl von Bau- und sonstigem Schulmaterial, sowie das „Umleiten" von Lebensmitteln aus der Schulküche, wie es an anderen Schulen durchaus üblich ist, wird hier nicht zugelassen. Kein Wunder, daß die Farmer der Umgebung die Schule über alles loben und die Farmarbeiter für den weißen Direktor gestimmt haben. In drei Klassen habe ich auch kurz den Unterricht besucht und war beeindruckt, wie konzentriert hier gearbeitet wurde. Auch die von uns gebauten Toilettenanlagen waren in einem sauberen, einwandfreien Zustand. Für eine überraschende Inspektion eine erfreuliche Sache. Der Küchentrakt wurde auch von uns finanziert, und ich konnte eine blitzsaubere Anlage mit modernsten Maschinen bewundern. [...]
Dies ist ein Auszug aus: Namibia. Eine Reise zu mir, von Walter Kapferer.
Titel: Namibia
Untertitel: Eine Reise zu mir
Autor: Walter Kapferer
Selbstverlag Walter Kapferer
Moosbach, um 1997
Originalbroschur, 13 x 19 cm, 96 Seiten, einige sw-Abbildungen
Kapferer, Walter im Namibiana-Buchangebot
Namibia. Eine Reise zu mir
Eine Reise zu mir selbst und ein Aufbruch zu neuen Erfahrungen in Namibia.

