Mythos Deutsch-Südwest. Namibia und die Deutschen, von Helga Helbig und Ludwig Helbig

Mythos Deutsch-Südwest. Namibia und die Deutschen, von Helga Helbig und Ludwig Helbig.

Mythos Deutsch-Südwest. Namibia und die Deutschen, von Helga Helbig und Ludwig Helbig.

Mythos Deutsch-Südwest ist das Ergebnis einer fast lebenslangen Auseinandersetzung der Autoren mit der Legende von Deutsch-Südwestafrika, Namibia und den Deutschen. Hier das Vorwort von von Helga Helbig und Ludwig Helbig.

Ludwig Helbig  Helga Helbig  

Dieses Buch ist das Ergebnis einer fast lebenslangen Auseinandersetzung mit der Legende von Deutsch-Südwestafrika. In unserer Schulzeit während der nationalsozialistischen Ära hörten wir zum ersten Male von den Herero und „Hottentotten", von der „glorreichen" Schlacht am Waterberg, von Heldentaten deutscher Soldaten und der Aufbauarbeit deutscher Siedler im Lande zwischen Kunene und Oranje, zwischen Atlantik und Kalahari. Im Deutschunterricht lasen wir Auszüge aus Hans Grimms Roman „Volk ohne Raum", und wir begeisterten uns für den „deutschen Raum Südwest". Mit dem Zusammenbruch von 1945 zerbrach auch diese Legende in unseren Köpfen. Aber doch wohl nicht vollständig; denn im Jahre 1960 gingen wir in den Auslandsschuldienst - nach „Südwest" , an die Deutsche Schule in Lüderitzbucht. Wir waren inzwischen liberal geworden und verurteilten Rassismus in jeder Form. Natürlich waren wir auch sehr kritisch gegenüber dem neuen Herrn in Südwestafrika, gegenüber Südafrika und seinem Apartheidssystem. In Lüderitzbucht erlebten wir den alltäglichen Rassismus der Weißen, ihr ungebrochenes Herrenmenschentum, und das Elend der Schwarzen. Wir erlebten unsere eigene Ohnmacht diesen Verhältnissen gegenüber, in die wir als Weiße, und damit als Privilegierte, eingebunden waren. Als wir 1962 zurückkehrten, hatten wir erkannt, daß unsere liberale, akademische Einstellung gegen Rassismus und Apartheid zwar aller Ehren wert, aber ungenügend war. Der Aufenthalt in „Südwest" hatte uns politisiert. Aber noch fehlten uns die Kategorien, um das Erlebte rational aufzuarbeiten. Es folgten Jahre intensiven Studiums der namibischen Geschichte, der Geschichte des Rassismus, der Geschichte Südafrikas. Drei ausgedehnte Reisen durch Namibia und Südafrika in den Jahren 1978, 1980 und 1983 schlossen sich an. Wir engagierten uns in der Anti-Apartheid-Bewegung und in der evangelischen Frauenaktion Südafrika.

Wir publizierten einiges, auch Materialien für die Schule. Schließlich entschlossen wir uns, dieses Sachbuch zu schreiben. Inzwischen ist aus Südwestafrika Namibia geworden. Die schwarzen Namibier haben unter Führung der SWAPO den bewaffneten Kampf gegen eine unerträgliche Unterdrückung aufgenommen. Der Dekolonisationsprozeß der letzten Kolonie in Afrika schien in Gang gekommen zu sein. Aber mit Entsetzen müssen wir feststellen, daß die Namibia-Politik der Bundesrepublik Deutschland bestimmt ist von kurzfristigen ökonomischen Interessen, daß die Bundesrepublik Deutschland, im Verein mit den USA und Großbritannien, die Befreiung Namibias systematisch verschleppt und Südafrika in die Hände arbeitet. Mit Entsetzen müssen wir mitansehen, wie in den Köpfen führender deutscher Politiker der Mythos von Deutsch-Südwest noch lebendig ist und sich in Politik umsetzt.

Namibia: das sind verdrängte Kapitel deutscher Geschichte. Hier fand der erste Völkermord statt, den Deutsche begingen. Hier gab es die ersten Konzentrationslager der deutschen Geschichte. Hier wurde dreißig Jahre vor Hitler deutsches Herrenmenschentum praktiziert. Hier wurde die schwarze Bevölkerungsmehrheit in ein Unterdrückungssystem gepreßt, das Südafrika nahtlos in seine Apartheidspolitik übernehmen konnte. Namibia ist ein Prüfstein, der zeigt, wie ernst wir es mit dem Kampf gegen den Faschismus meinen. Es ist auch ein Prüfstein dafür, wie ernst es uns mit den Menschenrechten ist, wie ernst es uns mit der Demokratie ist. Die Mehrheit der Namibier und die SWAPO wollen ein demokratisches Namibia. Ihnen gilt unsere Solidarität. Neu-Isenburg im Mai 1983 Helga und Ludwig Helbig.

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Mythos Deutsch-Südwest. Namibia und die Deutschen, von Helga Helbig und Ludwig Helbig.

Buchtitel: Mythos Deutsch-Südwest
Untertitel: Namibia und die Deutschen
Autoren: Helga Helbig; Ludwig Helbig
Verlag: Beltz
Weinheim, Basel 1983
ISBN 3-407-85034-4
Originalbroschur, 14x21 cm, 285 Seiten, sw-Abbildungen

Helbig, Helga und Helbig, Ludwig im Namibiana-Buchangebot

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