Mit den Schuhen der Gottesanbeterin, von Manfred Schlorf

Mit den Schuhen der Gottesanbeterin, von Manfred Schlorf. 9783941602694 / ISBN 978-3-941602-69-4

Mit den Schuhen der Gottesanbeterin, von Manfred Schlorf. 9783941602694 / ISBN 978-3-941602-69-4

Der Swakopmunder Manfred Schlorf vermittelt dem Leser in diesem spannenden Roman viel Wissenswertes über Geschichte, Flora und Fauna der Namib und der unbekannten und doch höchst faszinierenden Inselwelt vor der Südküste Namibias.

Manfred Schlorf  

Südwestafrika, Oktober 1828

Von einem kräftigen Südwester getrieben, kämpfte sich die Antarctic stampfend die einsame Westküste des südlichen Afrika hinauf nach Norden. Der Wind riss und zerrte in den Wanten, und durch den ungeheuren Druck in den von Feuchtigkeit und Kälte steifen Segeln wurde das Schiff steuerbords so tief ins Wasser gedrückt, dass das Deck immer wieder von eisigen Wogen überspült wurde. Im grellen Licht der noch hoch am Himmel stehenden Nachmittagssonne und im Sprühdunst der aufgewühlten See war die ohnehin fast konturlose Küste im Osten nur schemenhaft zu erkennen. Außer dem Mann am Ruder befanden sich zwei weitere Personen auf dem Achterdeck des kleinen Schoners. Zwei Männer, die unterschiedlicher kaum sein konnten: Captain Benjamin Morrell und sein erster Maat Jonathan Mc Iver, mit seinen zweiunddreißig Jahren ein äußerst erfahrener Seemann; breit, stämmig und mit einem mächtigen kahlen Schädel, der auf einem viel zu kurzen Hals aufgepfropft schien. Morrell selbst, obwohl auch er durchaus kräftig gebaut, wirkte neben Mc Iver fast zierlich. Er hatte feine sensible Züge, kluge helle Augen, eine hohe Stirn und schwarzes, leicht gelocktes Haar. Für einen Seemann, der die meiste Zeit im Freien verbrachte, wirkte er seltsam blass. Morrell gehörte zu jenen amerikanischen Walfängern, die bereits irgendwann im 18. Jahrhundert vor dieser namenlosen Küste auftauchten. Eine genaue Jahreszahl über ihr Erscheinen gab es nicht, da bisher noch keine Unterlagen gefunden wurden, die hierüber Aufschluss hätten geben können.

Diese amerikanischen Seeleute auf ihren kleinen Schiffen setzten sich auf ihren abenteuerlichen Reisen den gleichen Risiken aus wie ihre Vorgänger, die portugiesischen Entdecker dieser Gewässer, als diese sich 200 Jahre früher, auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien, tief in den Südatlantik hinunterwagten - und doch: Von allen Seefahrern, welche die Welt je kennen gelernt hatte, waren sie die schweigsamsten. Für sie war es Ehrensache, über die Wal- und Robbenfanggründe, die sie hier und anderswo entdeckten, Außenstehenden gegenüber kein Sterbenswort zu verlieren. Verschlossen und wortkarg kehrten sie mit ihren wertvollen Ladungen, bestehend aus Walöl und Robbenhäuten, in ihre Heimathäfen zurück, um schon bald und ebenso still und unspektakulär, wie sie gekommen waren, erneut in den Weiten des Ozeans zu verschwinden. Es waren mutige, unternehmungslustige Männer, die durch ihr beharrliches Schweigen die Geschichtsbücher der Welt ganz sicher um so manch faszinierende Seite betrogen haben.

Zumindest weiß man, dass amerikanische Walfänger bereits im Jahre 1763 der afrikanischen Küste aufgetaucht waren, von wo aus sie weiter nach Süden vordrangen. In einigen Berichten aus dem späten 18. Jahrhundert wird der Name ffloolwitch Bay, das heutige Walvis Bay, als Hafen, den sie bei ihren Fahrten anlieft11' erwähnt. Diese Männer verbrachten viele Monate an den entlegensten Stränden und Inseln dieser Welt und es gab keinen Ort, der ihnen als zu einsam oder zu weit entfernt schien, wenn es dort nur genügend Wale oder Robben zu jagen gab. Sie waren die Entdecker einer ganzen Anzahl von Inseln im südlichen Atlantik. Ihre Toten verscharrten sie einfach an einsamen Stränden im Schnee oder unter ein paar Steinen. Einzig ihre großen gusseisernen Kessel, in denen sie den Walspeck auskochten, ließen sie manchmal als stumme Zeugen ihres Wirkens in irgendwelchen gottverlassenen Buchten zurück, wo sie noch heute vor sich hin rosten.

Sie beanspruchten keine Inseln oder Küsten, weder für sich noch für ihr Land, und hinterließen keinerlei Unterlagen über ihre abenteuerlichen Reisen, die sie sogar bis hinunter an die antarktische Packeisgrenze führten. Niemand berichtete über ihre Ausdauer oder die großartigen navigatorischen Leistungen, die sie auf ihren Fahrten zwischen Eisbergen und Stürmen, die mit Geschwindigkeiten von mehr als einhundert Meilen in der Stunde auf dem Südatlantik über sie hinweg fegten, bewältigten. Und doch verdienen sie dafür höchste Anerkennung. Glücklicherweise gab es unter ihnen wenigstens einen oder zwei Kapitäne, die schließlich bereit waren, ihr fast schon mönchisches Gelübde zu brechen und über ihre Reisen zu berichten. Der erste, der die Aufmerksamkeit der Welt auf die Küste und Inseln von Südwestafrika lenkte, war eben jener Captain Benjamin Morrell aus New York, der Mann auf dem Achterdeck der Antarctic. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Mit den Schuhen der Gottesanbeterin, von Manfred Schlorf.

Buchtitel: Mit den Schuhen der Gottesanbeterin
Autor: Manfred Schlorf
Verlag: Kusieb-Verlag
Windhoek, Namibia 2012
ISBN 9789994576104 / ISBN 978-99945-76-10-4 Namibia
ISBN 9783941602694 / ISBN 978-3-941602-69-4 Deutschland
Broschur, 17x24 cm, 416 Seiten, einige sw-Fotos

Schlorf, Manfred im Namibiana-Buchangebot

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