Kolonialmetropole Berlin. Eine Spurensuche, von Ulrich van der Heyden und Joachim Zeller

Kolonialmetropole Berlin. Eine Spurensuche, von Ulrich van der Heyden und Joachim Zeller. ISBN 3814800923 / ISBN 3-8148-0092-3 / ISBN 978-3814800929 / ISBN 978-3-8148-0092-9

Kolonialmetropole Berlin. Eine Spurensuche, von Ulrich van der Heyden und Joachim Zeller. ISBN 3814800923 / ISBN 3-8148-0092-3 / ISBN 978-3814800929 / ISBN 978-3-8148-0092-9

Kolonialmetropole Berlin. Eine Spurensuche, von Ulrich van der Heyden und Joachim Zeller, möchte eine kritische Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit Berlins anstoßen.

Ulrich van der Heyden  Joachim Zeller  

„Berlin als Kolonialmetropole?" Wer heute diese Frage aufwirft, kann selbst von Fachleuten keine ausreichende Antwort erwarten, und auch in der einschlägigen Literatur wird dieses historische Kapitel fast gänzlich übergangen, ein Umstand, der nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass die Epoche der deutschen Kolonialherrschaft im Allgemeinen noch immer unter dem Verdikt der „Marginalität" abgetan wird. Das vorliegende Buch möchte diese in der Wissenschaft und Publizistik offenkundige Lücke schließen und eingehend die Rolle der Stadt Berlin beleuchten, die, nachdem sie 1871 mit der Gründung des Deutschen Reichs Kaiserstadt geworden war, im Jahre 1884 mit der „zweiten Reichsgründung in Übersee" zum Zentrum des deutschen Kolonialimperialismus wurde. Anhand der Beschäftigung mit hierzulande kaum bekannten Aspekten der Berliner Stadtgeschichte soll ein Kapitel deutscher Geschichte beleuchtet werden, das vor allem auch in den betroffenen Weltregionen bis heute Auswirkungen hat. Wie wichtig ein solches Unterfangen ist, sieht man daran, dass zwar zu den europäischen (Kolonial-)Metropolen wie London, Paris und Madrid - ja selbst für deutsche Städte wie Hamburg, Bremen, Nürnberg oder Osnabrück - Publikationen vorliegen, die sich mit den dortigen Zeugnissen der kolonialen Vergangenheit auseinandersetzen, nicht jedoch für Berlin. Den Blick auf die koloniale Metropole zu richten, heißt auch einen Gedanken der „post-colonial studies" zu vertiefen, der zufolge die Auswirkungen von Imperialismus und Kolonialismus sowohl auf die kolonisierten als auch auf die kolonisierenden Völker untersucht werden müssen. Das vorliegende Buch möchte eine kritische Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit Berlins anstoßen, mithin auf jene Zeit verweisen, als das Deutsche Reich von 1871 durch seine expansive, weltumspannende Politik, vor allem aber durch seinen Kolonialbesitz nicht mehr nur eine kontinentale Großmacht, sondern gar eine „Weltmacht" zu sein beanspruchte. Es sind in diesem Buch Beiträge versammelt, die zeitlich einen Bogen spannen von der vorkolonialen Phase, über die deutsche Überseeherrschaft des Deutschen Kaiserreichs, bis in die Jahre zwischen den Weltkriegen. Mit den schwerpunktmäßig behandelten drei Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg wird in Erinnerung gerufen, dass in Berlin als der ehemaligen Reichs(kolonial)hauptstadt alle Institutionen der Kolonialverwaltung und die wichtigsten Kolonialverbände ihren Sitz hatten. Hier saßen nicht nur die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes (später Reichskolonialamt), sondern auch das Oberkommando der „Schutztruppen". Beide Behörden bestimmten federführend die koloniale Politik des Kaiserreichs. Abgesehen von den „kolonialen Erwerbsgesellschaften" hatten in Berlin aber auch die zahlreichen Verbände der Koloniallobby, an vorderster Stelle die „Deutsche Kolonialgesellschaft", sowie die mit der Erforschung der überseeischen Welt befassten wissenschaftlichen Institutionen ihre Niederlassungen und Hauptgeschäftsstellen. Außerdem haben in Berlin wichtige Ereignisse der deutschen, und darüber hinaus der europäischen, Kolonialgeschichte stattgefunden, wie die im allgemeinen Geschichtsbewusstsein noch am ehesten präsente „Kongo-Konferenz" (1884/85) zur Aufteilung Afrikas unter den europäischen Mächten. Ein weiteres wichtiges Kapitel der kolonialen Vergangenheit Berlins sind die Kolonialausstellungen und das 1899 am Lehrter Bahnhof eingerichtete Deutsche Kolonialmuseum. Sie sollten, ebenso wie die von Berliner Malern und Bildhauern geschaffene Kolonialkunst, der Propaganda für den „Kolonialgedanken" dienen und das „koloniale Wollen" des deutschen Volkes stärken. Nicht vergessen werden dürfen die, unter anderem im Zoologischen Garten organisierten Völkerschauen, auf denen man „Eingeborene" aus den deutschen „Schutzgebieten" als Exoten präsentierte. Durch diese Zurschaustellung sollten der Bevölkerung die Errungenschaften imperialer Politik vor Augen geführt werden. Darüber hinaus widmen sich eine Reihe von Beiträgen der in Berlin schon seit Jahrhunderten existierenden afrikanischen Diaspora, die nicht zuletzt aufgrund des kolonialen Engagements Deutschlands entstanden ist. Die kolonialgeschichtliche Spurensuche führt ebenso in den Berliner Reichstag. Dort debattierten die Abgeordneten nicht nur über den jährlichen Kolonialetat, sondern stritten heftig über das Für und Wider der deutschen Übersee-Expansion. Auch Kolonialskandale wurden hier aufgedeckt. Unsere Spurensuche erstreckt sich ebenfalls auf Friedhöfe und auf koloniale Monumente, die zum Teil noch im heutigen Stadtbild zu sehen sind, sowie auf koloniale Straßennamen und andere geographische Bezeichnungen in der Stadtlandschaft. Und selbst Bestände in einigen Berliner Museen legen Zeugnis ab von der kolonialen Vergangenheit Deutschlands. Ein Themenkomplex dieses Buches widmet sich ausführlich jener Jahre nach 1919, als das besiegte Deutsche Reich seine Kolonien durch die im Artikel 119 des Versailler Vertrages festgelegte Verzichtserklärung auf überseeische Besitzungen hatte abtreten müssen. (...)

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Kolonialmetropole Berlin. Eine Spurensuche.

Titel: Kolonialmetropole Berlin
Untertitel: Eine Spurensuche
Herausgeber: Ulrich van der Heyden; Joachim Zeller
Verlag: Berlin Edition in der Quintessenz Verlags-GmbH
Berlin, 2002
ISBN 3814800923 / ISBN 3-8148-0092-3
ISBN 978-3814800929 / ISBN 978-3-8148-0092-9
Originalkartonband, Originalschutzumschlag, 21x25 cm, 320 Seiten, 170 sw-Abbildungen

van der Heyden, Ulrich und Zeller, Joachim im Namibiana-Buchangebot

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