Herero- und Namakrieg 1863-1870, von Peter Heinrich Brincker und Walter Moritz

Herero- und Namakrieg 1863-1870, von Peter Heinrich Brincker und Walter Moritz.

Herero- und Namakrieg 1863-1870, von Peter Heinrich Brincker und Walter Moritz.

Peter Heinrich Brincker beschreibt in seinen Erinnerungen, hier in dem Band Herero- und Namakrieg 1863-1870, die Kriegswirren, die missionarische Friedensarbeit und, im folgenden Kapitel, seine Ankunft in Walvisbaai und Otjimbingwe 1863.

Ende Mai 1863 fuhr ich endlich allein weiter auf einem elenden Fahrzeug, das nicht viel grösser war wie ein Fischerboot. Manche Hundehütte ist größer und besser als der Raum, in welchem ich auf dieser Fahrt, natürlich seekrank, 10 Tage lang auszuhalten hatte. Glücklicherweise war die See nicht allzu unruhig. Jenseits Angra-Pequena [Lüderitzbucht] sahen wir, nahe am Lande hin fahrend, eine interessante Luftspiegelung: Ein Eisenbahnzug, der sich bald in Stücke auseinander löste, und Elefanten zeigten sich auf dem sandigen allmählich ansteigenden Seeufer. Woher mochte doch wohl die Luft diese Bilder zurückstrahlen? In Sandwich Harbour, wo das Schiff anlegte, hörten wir eine große Neuigkeit: Auf Otjimbingwe hatte ein heftiges Gefecht zwischen Herero und Nama stattgefunden, und erstere hatten einen glänzenden Sieg errungen, wodurch sie das Joch ihrer Bedrücker, der Afrikaner Orlam, abgeworfen hatten und frei geworden waren. Das war eine erfreuliche Nachricht. Nun ging ich nicht mehr zu einem geknechteten und zertretenen, sondern zu einem freien Volk. Die Sachlage gestaltete sich mit einem Male anders und hoffnungsvoller. An der Walvisbaai fand ich zwei Hütten oder Schuppen, von denen der kleinere der Missionsgesellschaft, der größere einem nach dem Zusammenbruch der kap’schen Kupferkompanie im Lande gebliebenen und Geschäfte treibenden Schweden gehörte. Ein Hottentot trug mich aus dem Boote ans Land. An der Walvisbaai war nur Sand, Nebel und Wind, keine Spur von Pflanzenwuchs. Im Hintergrunde zeigten sich rote Dünen, zwischen denen auf einer gewissen Strecke die eigentümliche, aus Ranken und Stacheln bestehende Narapflanze wächst. Welch ein trostloses Stück von Gottes Erdboden war das, recht geeignet, um einem Ankömmling einen traurigen Eindruck vom dortigen Afrika zu geben. Kaum konnte das kleine Schiff ausgeladen werden, denn die paar Europäer, die an der Baai waren, hatten lange gedurstet, betranken sich alsbald und fingen Raufereien untereinander an. Dazwischen stand ich, ratlos, ohne Wasser, ohne Nahrung, ohne eine Stelle, wo ich ein Unterkommen für die Nacht zu finden war. Ich kroch zuletzt auf ein altes, zerlumptes Sofa, aber das Gejohle der Betrunkenen und dazu hungrige Walfischbaaiflöhe, deren Stich so stark ist, daß er bei Kindern eine Art Frieselauschlag verursacht, jagten mich bald wieder auf. Zwischen Walvisbaai damals und jetzt ist ein gewaltiger Unterschied. So ging das zwei und einen halben Tag fort, bis ein Mann, der früher mit der Mission verbunden war, damals aber für Andersson Güter fuhr, ankam, dem ich mit der Bitte um einen Trunk Wasser und einem Stück Brot entgegen lief. „Hilf dir selbst!" sagte er, auf die Vorkiste im Wagen weisend, denn er selbst trieb die Ochsen am Wagen. Er nahm mich denn auch mit nach Otjimbinwe, wo wir den 12. Juni 1863 mitten in der Nacht ankamen. Da ich zu Fuß neben dem Wagen herging, packte mich ein Herero beim Kragen, sah mir ins Gesicht und sagte: "Bist du ein roter (Nama) oder ein weißer Mensch?"

Freudiger Empfang bei Familie Kleinschmidt: Bei der Familie Kleinschmidt, die durch unsere Ankunft mitten in der Nacht aufgestört wurde, kehrten wir ein. Missionar Kleinschmidt selbst weinte vor Freuden und konnte es gar nicht fassen, unter den obwaltenden Verhältnissen wieder einen jungen Mitarbeiter bei sich zu sehen und aufnehmen zu können. Er hatte seine Gemeinde, den Stamm der Swartboois auf Rehoboth, dem tüchtigen Nationalgehilfen Johannes anvertraut und war von dort nach Otjimbingwe gezogen, um hier, so gut es ging, für die Herero-Mission zu wirken. Er, die eigentliche Triebfeder zur Inangriffnahme der Herero- Mission, hatte nämlich die allgemeine Hoffnungslosigkeit nie geteilt, sondern immer die Hoffnung seines Schwiegervaters Missionar Schmelens festgehalten, daß das Hererovolk (oder die Damaras, wie sie in der Kapkolonie genannt wurden) noch einmal das Evangelium annehmen würden. An ihn war ich auch von Barmen aus gewiesen worden. Von hier aus hatte Missionar Kleinschmidt noch einmal den Namahäuptling Jonker Afrikaner besucht, den Unterjocher aller Hererostämme. Die meisten dieser Stämme waren durch unbeschreibliche Greuel und Gewalttaten, die Jonkers Volk und dessen Vasallen, der Hererostammes Tjamuaha, des Vaters Mahareros, der sich gegen seine Volksgenossen dem grausamen Jonker zur Verfügung gestellt hatte, verübt hatten, bis auf elende Reste zusammen geschmolzen. Jonker lag im Sterben. Kleinschmidt redete ernstlich und betend als alter Bekannter mit diesem merkwürdigen Manne, der einst bedeutende christliche Erkenntnis gehabt, ja, selbst auf Windhoek in einem eigens dazu errichteten Hause [das bis vor kurzem noch stand] seinen Leuten Gottesdiensst gehalten hatte, aber nachher ein Feind Christi und seiner Nachfolger wurde. Größenwahn, Habsucht und die Einbildung, die Schwarzen, d.h. die Herero vertilgen zu müssen und die Nama an ihre Stelle zu setzen und noch andere Ursachen hatten ihn und sein Volk auf die Bahn des Kriegführens und Raubens getrieben, ähnlich wie hernach Hendrik Witbooi, dessen Geschichte hier nicht näher erzählt werden kann. […]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Herero- und Namakrieg 1863-1870, von Peter Heinrich Brincker und Walter Moritz.

Buchtitel: Herero- und Namakrieg 1863-1870
Untertitel: Erinnerungen an die Kriegswirren und die missionarische Friedensarbeit von Peter Heinrich Brincker
Autor: Peter Heinrich Brincker
Herausgeber: Walter Moritz
Reihe: Aus alten Tagen in Südwest, Heft 14
Selbstverlag, Werther 1997
ISBN 9991630856
Broschur, 15x21 cm, 64 Seiten, 24 sw-Abbildungen

Brincker, Peter Heinrich und Moritz, Walter im Namibiana-Buchangebot

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