Helmut Finkeldey: Lebenserinnerungen, Leben in Outjo, Südwestafrika 1950-1953, von Helmut Finkeldey

Helmut Finkeldey: Lebenserinnerungen, Leben in Outjo, Südwestafrika 1950-1953, von Helmut Finkeldey. Kuiseb-Verlag. Windhoek, Namibia 2011

Helmut Finkeldey: Lebenserinnerungen, Leben in Outjo, Südwestafrika 1950-1953, von Helmut Finkeldey. Kuiseb-Verlag. Windhoek, Namibia 2011

Von dem Leben in Outjo, Südwestafrika, während der Anfangsjahre 1950-1953, bereichtet Helmut Finkeldey in seinen 2011 in Namibia erschienenen Lebenserinnerungen.

Helmut Finkeldey  

Wie bereits berichtet kam ich 1950 zu meinem Onkel nach Outjo, der mir eine Stellung gab. Knapp ein Jahr später kam mein Freund Fritz Kaufmann, der auch von meinem Onkel angestellt wurde. Fritz stellte sein Akkordeon im Zentralhotel bei Ehepaar Ruch ab. Onkel Gustav sang gerne und so ergab es sich, dass die arbeitende Jugend sich regelmäßig zu einem „Sundowner" dort traf und einen Chor bildete. An Farmertagen, Schulfeiern und Schulbeginn kamen auch die Farmer aus der Umgebung und erweiterten den gemischten Chor. So wurde das Repertoire umfangreicher, auch dank der Kreuzbergers von der Farm Okonguarri. Der alte Schutztruppler Fritz Heydecke, der alte Kleingünter, Oubaas Kunz, Wambo-Becker, Carl Schulte, Herr Magura und andere wurden regelmäßig Besucher dieses Treffens. Auch afrikaanse und englische Soldatenlieder wurden gesungen. Eine große Bereicherung war die Bardame vom Zentral Hotel, Frau Klara Bock, die sehr gut Klavier spielte und die meisten Lieder kannte. Wenn der Wirt guter Laune war, holte er seine Geige herbei und das Trio war fertig - Akkordeon, Klavier und Geige. Ab und ztf tauchten Besucher auf, die die Kapelle verstärkten, z. B. Hansi Henke mit seiner Trompete und Tun von Khaynach mit seinem Schlagzeug.

Der Geisterwald in der Etoschapfanne - 1953

Peter Kühn war Verkaufsvertreter bei Harold Pupkewitz in Windhoek und fuhr privat einen Ford V8, Baujahr 1934. Auf das Fahrgestell hatte er in Handarbeit einen Aufbau montiert, so dass ein Bus mit acht Sitzplätzen entstanden war. Mit diesem Bus haben wir Junggesellen mit Peter die abgelegensten Gegenden von Namibia erforscht. So z.B. das Kaokofeld bis Swartbooisdrift, die Ruacanafälle, den Kavango und westlichen Caprivizipfel und auch die Etoschapfanne 1953/54. An einem langen Wochenende 1953 waren wir mit Peters Ford und Walter Backhaus in einem Zweitwagen zur Etoschapfanne gefahren. Dieter Aschenborn war dort der erste Wildwart mit Frau Liesel und den Kindern. Zur gleichen Zeit betrieb Prof. Schoemann aus Südafrika dort Nachforschungen. Auf einer Streiffahrt trafen wir in den Flächen auf einen größeren Bestand von Moringabäumen, so dass man von einem „Wald" sprechen konnte. Moringabäume kannte ich schon als Bäume, die normalerweise nur an felsigen Berghängen wachsen. Und nun vor uns ein „Moringawald". Obwohl die Etoschapfanne schon 1908 zum Naturschutzgebiet erklärt worden war, gab es zu dieser Zeit noch keine befestigten, markierten Wege, nur Spuren. Zu den Moringas führte keine Spur, wir waren rein zufällig auf diesen Baumbestand gestoßen, der die sonst nur mit niedrigem Buschbestand bewachsene Savanne deutlich überragte. Als wir bei Sonnenuntergang in Okaukuejo ankamen, erzählten wir unsere Entdeckung Prof. Schoemann und Dieter Aschenborn, die uns nicht glauben wollten, dass es so etwas gab, und wenn, dann nicht Moringabäume. Die Entdeckung hatten wir an einem Samstag gemacht. So boten wir den beiden Zweiflern an, am folgenden Sonntag den „Moringawald" wieder aufzusuchen. Doch oh Schreck, wir fuhren den ganzen Sonntag in der vermeintlichen Richtung umher, ohne den Wald zu finden. Die Sonne neigte sich schon dem Horizont zu, als wir auf einer Stelle ankamen, wo wir gepicknickt hatten und auf die Spur, die wir danach weitergefahren waren. Wir folgten der alten Spur und kamen kurz vor Sonnenuntergang am „Moringawald" an. Prof. Schoemann und auch Dieter konnten es nicht fassen, was sie nun selbst sahen. Einer in unserer Gruppe bemerkte, die Bäume sehen aus wie Geister. Ja, ein ganzer Wald von Geistern. Schon hatte diese botanische Besonderheit einen Namen: „Der Geisterwald". Und dieser Name ist erhalten geblieben, weil so augenscheinlich. 34 Jahre vor dieser Aufnahme hatte ich mit Freunden 1953 den „Geisterwald" entdeckt. In dieser Zeit waren keine Wildschäden festzustellen. Nachdem im Westen der Etoschapfanne die natürliche Migrationsroute der Elefanten durch einen „elefantensicheren Zaun" blockiert wurde, haben Elefanten auf der Suche nach geeignetem Futter dem „Geisterwald" schwere Schäden zugefügt und ganze Bäume umgebrochen. Eines der Beispiele, was passiert, wenn der Mensch in das Uhrwerk der Natur eingreift. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Helmut Finkeldey: Lebenserinnerungen, Leben in Outjo, Südwestafrika 1950-1953, von Helmut Finkeldey.

Buchtitel: Helmut Finkeldey. Lebenserinnerungen
Autor: Helmut Finkeldey
Bearbeitung: Hans-Dieter Vautrin
Verlag: Kuiseb-Verlag
Windhoek, Namibia 2011
ISBN 9789994576043 / ISBN 978-99945-76-04-3 (Namibia)
ISBN 9783941602649 / ISBN 978-3-941602-64-9 (Deutschland)
Broschur, 17 x 24 cm, 184 Seiten, zahlreiche sw- und Farbfotos

Finkeldey, Helmut im Namibiana-Buchangebot

Helmut Finkeldey: Lebenserinnerungen

Helmut Finkeldey: Lebenserinnerungen

Die Lebenserinnerungen von Helmut Finkeldey führen von Frankenberg/Eder über Friedberg/Hessen nach Namibia und reichen über fast 90 Jahre hinweg.

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Die Festschrift 'Wissenschaftliche Forschung in Südwestafrika' wurde 1962 von der S.W.A. Wissenschaftlichen Gesellschaft herausgegeben.

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