Geschichte von Südafrika, von Oskar Hintrager

Geschichte von Südafrika, von Oskar Hintrager. Kommissionsverlag R. Oldenbourg, 1952. Ausgabe mit dem selten erhaltenenen Schutzumschlag.

Geschichte von Südafrika, von Oskar Hintrager. Kommissionsverlag R. Oldenbourg, 1952. Ausgabe mit dem selten erhaltenenen Schutzumschlag.

Geschichte von Südafrika, von Oskar Hintrager. Kommissionsverlag R. Oldenbourg, 1952.

Geschichte von Südafrika, von Oskar Hintrager. Kommissionsverlag R. Oldenbourg, 1952.

Oskar Hintrager, von 1905-1914 Erster Referent und Vertreter des Gouverneurs in Deutsch-Südwestafrika, schrieb dieses in den 1950er Jahren sehr beliebte und beachtete Werk über die Geschichte von Südafrikas.

Oskar Hintrager  

Trotz der jahrelangen Bearbeitung der öffentlichen Meinung gegen Deutschland ist es Botha und Smuts im August 1914 nicht leicht geworden, ihr England gegebenes Versprechen der Kriegshilfe zu erfüllen. Die Mehrzahl der Burenbevölkerung war gegen jede aktive Kriegsbeteiligung auf Seiten Englands. Nur zwölf Jahre waren seit der Eroberung der beiden Burenrepubliken und dem Hinsterben von 26.370 Burenfrauen und -kindern in den Konzentrationslagern vergangen. Eine weitgehende Unzufriedenheit und wachsendes Mißtrauen gegen Bothas England gefügige Politik herrschten unter den Südafrikanern. Der Kongreß der Nationalen Partei in Kapstadt und die Leitung der niederdeutschen reformierten Kirche warnten öffentlich vor einem Angriff auf Deutsch-Südwestafrika. Viele alte Republikaner, darunter die Generale Beyers, Delarey, Christian de Wet und die Unversöhnlichen, erblickten in Englands Schwierigkeiten die willkommene Gelegenheit, die verlorene Unabhängigkeit wiederzugewinnen. In Westtransvaal, wo Delarey wohnte, war eine durch die Weissagungen des Sehers Nikolaas van Rensburg geförderte Freiheitsbewegung unter den Buren entstanden. Am 15. August 1914 versammelten sich etwa 800 bewaffnete Buren in Treurfontein in der Absicht, die alte Transvaalflagge wieder aufzuziehen. Viele glaubten, Botha werde sich an die Spitze der Unabhängigkeitsbewegung stellen. Aber Botha warnte Delarey vor übereiltem Vorgehen und überredete ihn, von allzu hastigen Schritten Abstand zu nehmen. Delarey mahnte in Treurfontein zur Ruhe, und die Versammelten gingen enttäuscht und still auseinander. Den Anstoß zum Angriff auf Deutsch-Südwestafrika gab die Londoner Regierung durch ein bedingt abgefaßtes Telegramm vom 7. August 1914. Bei der Abstimmung im Volksrat am 10. September 1914 stimmten 91 Abgeordnete für die Regierung, die 12 Nationalisten gegen diese. Von den 40 Mitgliedern des Senats stimmten am 12. September 24 für und 6 gegen die Regierung. Ferner bewilligte das Parlament zwei Millionen für den Unterhalt einer 15.000 Mann starken Truppe für sechs Monate. Die noch nicht von Botha überredeten Parlamentsmitglieder wurden hauptsächlich durch die Behauptung gewonnen, daß die Deutschen die Feindseligkeiten bereits eröffnet hätten und daß, wenn die Südafrikanische Union Deutsch-Südwestafrika nicht besetze, England dies durch indische, australische oder andere Truppen bewerkstelligen und dann aus dem eroberten Gebiet eine Kronkolonie machen werde. In Wahrheit hatten keinerlei Angriffshandlungen deutscherseits stattgefunden; vielmehr hatte der Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika, Dr. Theodor Seitz, am 6. August 1914 die Schutztruppe angewiesen, ein Überschreiten der Unionsgrenze und Offensivmaßnahmen zu unterlassen, und in einer öffentlichen Bekanntmachung erklärt, daß die Deutschen keinen Angriffskrieg gegen die südafrikanische Bevölkerung führen werden. In der Nacht vom 12. auf 13. September eröffneten Unionsstreitkräfte die Feindseligkeiten durch den Überfall der mit drei Polizisten besetzten deutschen Polizeistation Ramansdrift am Oranjefluß. Am 14. September beschoß der Hilfskreuzer Armadale Castle die offene Stadt Swakopmund. Am 19. September landeten etwa 2000 britische Truppen in Lüderitzbucht, das wie Swakopmund keine Verteidigungsanlagen hatte. Mit den in Lüderitzbucht gelandeten Truppen erschien auch der 1910 bis 1914 in Lüderitzbucht stationiert gewesene britische Konsul als Oberstleutnant. Botha und Smuts mißachteten die starken Gefühle eines großen Teiles der Burenbevölkerung gegen ihre Angriffspolitik. Es kam, wie Steyn und Hertzog vorausgesagt hatten. Botha mußte erst eine starke Protestbewegung in einem blutigen Bruderkrieg gegen seine einstigen Kriegskameraden mit Waffengewalt niederschlagen, ehe er die Operationen gegen Südwestafrika fortsetzen konnte. Entrüstet hatte General Delarey die Parlamentstagung in Kapstadt verlassen und sich nach Pretoria zu dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht, General Beyers, begeben, um mit diesem über die Lage zu sprechen. Mit Schreiben vom 15. September 1914 an Smuts erhob Beyers ernste Einwendungen gegen den Südwestfeldzug und erbat seinen Abschied. In seinem Entlassungsgesuch an Smuts schrieb Beyers unter anderem: „In Ermangelung eines berechtigten Grundes für die Eroberungspolitik der Regierung, versuchen Sie die Bevölkerung mit der Behauptung bange zu machen, daß Deutschland beschlossen habe, die Südafrikanische Union zu erobern." Dies sei ebenso unwahr wie die Behauptung, daß die Deutschen bereits die Grenze überschritten hätten. Am 15. September begaben sich nun die Generale Beyers und Delarey im Kraftwagen zu General Kemp, der in dem Lager bei Potchefstroom mit etwa 1600 Mann die gewöhnlichen Übungen der Wehrmacht abhielt und die Angriffspolitik der Regierung ebenfalls mißbilligte. Auf dem Wege nach Potchefstroom wurde Delarey im Kraftwagen von einem englischen Polizisten erschossen, angeblich auf Grund einer Verwechslung mit einem steckbrieflich verfolgten Verbrecher. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Geschichte von Südafrika, von Oskar Hintrager.

Titel: Geschichte von Südafrika
Autor: Oskar Hintrager
Verlag: Kommissionsverlag R. Oldenbourg
Erstauflage, München 1952
Original-Leinenband, Original-Schutzumschlag, 16x24 cm, 507 Seiten, 29 sw-Fotos, 2 Karten

Hintrager, Oskar im Namibiana-Buchangebot

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