Geschichte Namibias: Von den Anfängen bis 1990, von Marion Wallace

Geschichte Namibias: Von den Anfängen bis 1990, von Marion Wallace. Basler Afrika Bibliographien; Brandes & Basel; Frankfurt 2014. ISBN 9783955580636 / ISBN 978-3-95558-063-6 / ISBN 9783905758412 / ISBN 978-3-905758-41-2

Geschichte Namibias: Von den Anfängen bis 1990, von Marion Wallace. Basler Afrika Bibliographien; Brandes & Basel; Frankfurt 2014. ISBN 9783955580636 / ISBN 978-3-95558-063-6 / ISBN 9783905758412 / ISBN 978-3-905758-41-2

Geschichte Namibias: Von den Anfängen bis 1990 beginnt mit einem Kapitel von John Kinahan, das sich vorwiegend auf archäologische Forschungen stützt und den Zeitraum von den ersten archäologischen Nachweisen menschlicher Aktivität bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts behandelt. In den darauffolgenden Kapiteln hat Marion Wallace versucht, die vorhandene veröffentlichte Forschungsliteratur zu Namibias Geschichte ab der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts zusammenzutragen und sie zu einem möglichst schlüssigen Gesamtbild zu verknüpfen.

Marion Wallace  John Kinahan  

Solch ein Versuch, aus komplexen und vielschichtigen Geschichten eine einheitliche Beschreibung zu konstruieren, ist natürlich zwangsläufig problematisch. Er birgt nicht nur die Gefahr, dass man komplexe Ereignisse in einer oder zwei Zeilen zusammenfasst und dabei die Geschichte verzerrt darstellt, sondern auch, wenigstens bis zu einem gewissen Grad, die Grenzen und Schwerpunkte der vorhandenen Literatur reflektiert und dadurch alternative Geschichtsnarrative ausgeblendet werden. Es hat allerdings auch enorme Vorteile, ein allgemeines Geschichtsbuch zu schreiben. Einer davon ist, dass die Lücken in der bereits vorhandenen Literatur besonders scharf hervortreten. Von einem unvoreingenommenen Prozess, um diese Lücken zu schließen, kann natürlich keine Rede sein: Worin diese Lücken bestehen, wird von Historikern immer wieder neu diskutiert. Dennoch gibt es einige Auffälligkeiten. Umgekehrt fallen die beliebtesten Forschungsfelder von Historikern und Ethnologen auf, was bisweilen dazu führt, dass andere Themen vernachlässigt werden. Weiter unten gehe ich näher auf Beispiele ein. Ein Blick auf die longue duree der namibischen Geschichte macht auch deutlich, dass der Zeitraum, für den es schriftliche Quellen gibt, nur einen Bruchteil der Dauer menschlicher Besiedlung in Namibia ausmacht. John Kinahans Kapitel ist daher für das vorliegende Buch von zentraler Bedeutung, denn es deckt die Zeit vor der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts ab und macht die Ergebnisse neuester archäologischer Forschung einem breiten Publikum zugänglich. Er zeigt auch, wie sich für den Zeitabschnitt, der mit den Methoden der historischen Archäologie erforscht werden kann, materielle Dokumentationen und Archivquellen kritisch gegenüberstellen lassen. Ein separater Abschnitt in Kinahans Kapitel befasst sich mit Geschichte und gegenwärtigem Stand der archäologischen Forschung und Literatur. An dieser Stelle muss kurz auf die Geschichtsschreibung über Namibia eingegangen werden, bevor einige der allgemeinen Themen zur Sprache kommen, die für das vorliegende Buch von Belang sind. Dass es einer neuen historischen Synthese bedarf, ist offensichtlich: Das letzte auf wissenschaftlicher Forschung basierende allgemeine Geschichtswerk, A History of Resistance in Namibia von Peter Katjavivi, erschien 1988; Klaus Dierks' Chronology of Namibian History wiederum ist zwar umfangreich und eignet sich gut als Referenzwerk, doch wie der Titel bereits vermuten lässt, handelt es sich eher um eine Auflistung von Daten und Ereignissen als um ein erzählendes Geschichtswerk. Die meisten Gesellschaften im vorkolonialen Namibia entwickelten eigene Methoden der Geschichtsschreibung; sie schufen kohärente (allerdings häufig parteiische) Geschichtsüberlieferungen, die sie ständig ergänzten. Indigene Historiker gaben solches Fachwissen mündlich von einer Generation zur nächsten weiter. Auch andere Gepflogenheiten und Literaturformen, zum Beispiel das Genre des Lobliedes, ermöglichten es Afrikanern - häufig Frauen -, historisches Wissen und historisch begründete Ansprüche auf Ressourcen performativ auszudrücken und im Gedächtnis zu bewahren. Was allerdings die Geschichtsschreibung über Namibia angeht, so ist Das alte Südwestafrika von Heinrich Vedder (1934) das wohl erste größere Werk. Das Buch hat gravierende Schwächen: Es stellt das vorkoloniale Namibia nicht nur so dar, als sei es unablässig von Kriegen zwischen Wilden zerrissen gewesen, für die die Ankunft der deutschen Kolonialherren eine wahre Erlösung darstellte; der Text ist auch sehr mangelhaft belegt und voller Fehler, wie sich bei eine eingehenden Analyse von Vedders Ausführungen über die Erforschung der namibischen Küste gezeigt hat. Aus diesen Gründen habe ich Das alte Südwestafrika nicht als Quelle für das vorliegende Buch verwendet. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Geschichtsschreibung übei Namibia deutlich zu. 1961 besuchte die couragierte südafrikanische Journalistin Ruth First Namibia, wo sie Interviews durchführte und Archivforschung betrieb. Das Ergebnis war ein radikal neuer Blick auf die Geschichte der Region. Firsts Buch war zu seiner Zeit bahnbrechend und ist aufgrund der Einblicke, die es gewährt, und seiner lebhaften Schilderungen immer noch lesenswert. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Geschichte Namibias: Von den Anfängen bis 1990, von Marion Wallace.

Titel: Geschichte Namibias
Untertitel: Von den Anfängen bis 1990
Autor: Marion Wallace; John Kinahan
Verlage: Basler Afrika Bibliographien; Brandes
Basel; Frankfurt 2014
ISBN 9783955580636 / ISBN 978-3-95558-063-6
ISBN 9783905758412 / ISBN 978-3-905758-41-2
Broschur, 14 x 22 cm, 500 Seiten, einige sw-Fotos

Wallace, Marion und Kinahan, John im Namibiana-Buchangebot

Geschichte Namibias: Von den Anfängen bis 1990

Geschichte Namibias: Von den Anfängen bis 1990

Dieses Buch stellt den Versuch dar, die Literatur zur Geschichte Namibias bis zur Unabhängigkeit im Jahr 1990 als Nachschlagewerk zusammenzufassen.

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