Gaub. Eine Farm und Missionsstation im Spiegel der Geschichte Namibias, von Hans Hilpisch und Armin Jagdhuber

Gaub. Eine Farm und Missionsstation im Spiegel der Geschichte Namibias, von Hans Hilpisch und Armin Jagdhuber. Namibia Wissenschaftliche Gesellschaft / Kuiseb Verlag. Windhoek, Namibia 2024. ISBN 9789994576982 / ISBN 978-99945-76-98-2
Gaub. Eine Farm und Missionsstation im Spiegel der Geschichte Namibias, von Hans Hilpisch und Armin Jagdhuber. Aus dem Kapitel 'Friedrich Wilhelm Detering und seine Familie'.
Friedrich Wilhelm Detering und seine Familie
Um die beschriebenen umfangreichen Aufgaben bewältigen zu können, stellte die Rheinische Missionsgesellschaft (RMG), auf Anraten des Missionsingenieurs Borchardt-Ott im Jahr 1901, Missionar Kremer endlich einen Ökonomen zur Seite. Das sollte Wilhelm Detering werden, der in den Unterlagen wiederholt als tüchtiger Ravensberger Landwirt bezeichnet wird. Er sollte für die nächsten vier Jahrzehnte die prägende Gestalt Gaubs werden. In relativ kurzer Zeit schaffte er durch die Trockenlegung des sumpfigen Bodens und die Nutzbarmachung des reichlich vorhandenen Wassers, durch Anlegung ausgedehnter Weizen- und Maisfelder, Anpflanzung von Bananen, Datteln, Apfelsinen, Wein und anderen Früchten, eine blühende Musterfarm, die aus Deutsch-Südwestafrika nicht mehr wegzudenken war. Weitere Hilfskräfte aus Deutschland kamen im Laufe der Zeit hinzu (s. Anlage b). Friedrich Wilhelm Detering wurde am 27. August 1873 in Sieker, heute ein Stadtteil von Bielefeld, als eines von fünf Kindern einer Leinenweberfamilie geboren. Er wurde Tischler. Am 14. Mai 1897 heiratete er seine Jugendliebe Anna Niestrath. Die Ehe stand jedoch unter keinem guten Stern. Der erste Sohn wurde im Februar 1898 geboren, verstarb aber bereits Ende des Jahres. Der zweite Sohn wurde im Sommer 1899 geboren, überlebte aber nur einen Tag. Auch Anna Detering starb am 27. Juli des selben Jahres. Detering wollte, wie einige spätere Missionsfarmer auch, ursprünglich Missionar werden und hatte zeitweilig das Seminar der RMG besucht. Er brach die Ausbildung jedoch ab und wurde von der Missionsleitung gebeten, der Sache als Farmbruder zu dienen. Der Anstellung ging eine umfassende medizinische Untersuchung des allgemeinen Gesundheitszustandes und der Tropentauglichkeit voraus. Die Vertragsbedingungen für Missionslandwirte waren gut, denn sie erhielten das gleiche Gehalt wie Missionare. Verheiratete verdienten 3.500 Mark jährlich, Unverheiratete 2.400 Mark, wovon allerdings Kost und Logis abgezogen wurden. Ein lediger Farmbruder verdiente somit Anfang des 20. Jahrhunderts annähernd so viel wie ein Techniker im Kaiserreich. Sein Gehalt wurde, wie das der Missionare, bei der Generalkasse in Windhuk hinterlegt. War die fünf Jahre dauernde Probezeit bestanden, erfolgte die Übernahme in das Missionsfarmwesen. Ein Missionsfarmer hatte, wie die Missionare, Anspruch auf Erholungsurlaube in der Heimat, Schulausbildung der Kinder, finanzielle Versorgung im Alter, auch der Witwen und der Waisen. Wilhelm Deterings zweite Frau wurde Anna Emilie Auguste Stocksiek, geboren am 5. September 1876 in Sieker, gestorben am 3. Januar 1963 in Gütersloh. Die Verlobung war im April 1901. Kurz darauf reiste Detering alleine am 6. April von Hamburg mit dem Dampfer Marie Woermann nach Deutsch-Südwestafrika. Die Landung erfolgte am 7. Mai in Swakopmund. Am 9. Mai begann die Fahrt mit der noch nicht ganz fertiggestellten Eisenbahn ins Landesinnere, zunächst bis Karibib. Dort musste Detering für die Weiterfahrt nach Okahandja mit einem offenen Wagen vorliebnehmen, auf dem Türen und Fensterläden geladen waren. Detering saß oben drauf. Nachdem er sich in Okahandja bei Präses Diehl und in Windhuk bei Gouverneur Theodor Leutwein vorgestellt hatte, fand anschließend noch ein Besuch bei Missionar Wandres und Kaufmann Schmerenbeck statt, bevor er sich zurück nach Karibib begab. Von dort aus besuchte er noch die Stationen Otjiseva und Oshikango, wo er Missionar Hammann kennenlernte, bevor er am 26. August 1901 endlich in Gaub eintraf. Deterings Verlobte landete am 1. Juni 1903 in Swakopmund, wo auch die standesamtliche Trauung stattfand. Kirchlich getraut wurde das Paar am 3. Juni 1903 von Missionar Riechmann in Karibib. Seine Hochzeitsreise verbrachte das junge Glück, wie es in der damaligen Kolonie anders kaum sein konnte, mühselig auf der Pad. Detering nahm 84 Stück Gemeindevieh mit und treckte die mehr als 300 km über Korab nach Gaub. [...]
Dies ist ein Auszug aus: Gaub. Eine Farm und Missionsstation im Spiegel der Geschichte Namibias, von Hans Hilpisch und Armin Jagdhuber.
Titel: Gaub
Untertitel: Eine Farm und Missionsstation im Spiegel der Geschichte Namibias
Autoren: Hans Hilpisch; Armin Jagdhuber
Verlag: Namibia Wissenschaftliche Gesellschaft/Kuiseb Verlag
Windhoek, Namibia 2024
ISBN 9789994576982 / ISBN 978-99945-76-98-2
Broschur, 15 x 21 cm, 304 Seiten, zahlreiche sw- und Farbfotos, Karten im Text, 1 Faltkarte
Hilpisch, Hans und Jagdhuber, Armin im Namibiana-Buchangebot
Gaub. Eine Farm und Missionsstation im Spiegel der Geschichte Namibias
130 Jahre Ortsgeschichte der Farm und Missionsstation Gaub oder Ghaub, südlich von Tsumeb, Namibia.
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