Ein Karat zu zwanzig Mark. Wahre Geschichten aus der Zeit des Diamantenrauschs in Deutsch-Südwestafrika 1908-1914, von Max Ewald Baericke

Ein Karat zu zwanzig Mark. Wahre Geschichten aus der Zeit des Diamantenrauschs in Deutsch-Südwestafrika 1908-1914, von Max Ewald Baericke. Nelao Verlag GbR 2025, ISBN 9789994599899 / ISBN 978-99945-99-89-9 (Namibia)

Ein Karat zu zwanzig Mark. Wahre Geschichten aus der Zeit des Diamantenrauschs in Deutsch-Südwestafrika 1908-1914, von Max Ewald Baericke. Nelao Verlag GbR 2025, ISBN 9789994599899 / ISBN 978-99945-99-89-9 (Namibia)

Ein Karat zu zwanzig Mark. Wahre Geschichten aus der Zeit des Diamantenrauschs in Deutsch-Südwestafrika 1908-1914, von Max Ewald Baericke. Aus dem Kapitel 'Entdeckung mit Folgen':

Max Ewald Baericke  

Das Jahr 1908 begann ohne die geringsten Anzeichen einer Besserung der Wirtschaftslage. Drückend lag auf allen Gesichtern die Sorge um die Zukunft. Niemand wusste einen Ausweg aus diesem Dilemma, das unfehlbar eintreten musste, wenn nicht etwas Außergewöhnliches geschah, um die Katastrophe aufzuhalten. Nur noch wenige Geschäfte waren geöffnet. Auch die Hotels und Bars standen leer - ein sicheres Zeichen für die allgemein herrschende Geldknappheit. Es schien, als ob Lüderitzbucht in seinen Dornröschenschlaf zurückfallen sollte. Da ging Ende April 1908 ein Gerücht durch die Stadt, erst vereinzelt und unsicher, dann lief es mit Windeseile durch die Straßen, drang in jedes Haus ein, flog von Mund zu Mund und erregte die Gemüter der Menschen in einem Maße, dass es niemanden im Hause hielt. Ging man auf die Straße, so wurde man sofort angesprochen: „Haben Sie schon gehört?" „Nee, was denn?" „Bei Kolmannskuppe sollen Diamanten gefunden worden sein." Mein Freund Max Blödorn, seines Zeichens Sekretär bei der Lüderitzbucht-Eisenbahn, kam aufgeregt zu mir ins Büro und schrie mich an: „Hallo Baericke, haben Sie schon gehört, bei Kolmannskuppe sind Diamanten gefunden worden!" „Wer hat denn diesen Schwindel aufgebracht, wohl wieder irgend so ein schlauer Geschäftemacher, he?" „Nein, es ist kein Schwindel, Sie können mir glauben, es ist Tatsache!" „Mensch, Blödorn, wie sollen denn da bei dem Flugsand Diamanten hinkommen, ist doch ganz ausgeschlossen!" „Ist aber doch wahr. Hören Sie zu. Gestern und vorgestern habe ich für meinen Chef, den Eisenbahndirektor Kreplin, in den Geschäften sämtliche Besenstiele und leeren Bierkästen aufkaufen müssen. In der Eisenbahnwerkstätte wurden daraus fieberhaft Schürftafeln angefertigt. Heute Morgen ging ein Eisenbahnwaggon mit Schürftafeln nach Kolmannskuppe, auf denen geschrieben stand: „Edelmineralschürffeld. Besitzer: August Stauch" „Na, wenn das so ist, dann muss schon etwas Wahres dran sein", erwiderte ich. „Haben Sie schon Diamanten gesehen?" „Nein, noch nicht", sagte Blödorn, „aber Mister Kendrick, der einen Store in Kolmannskuppe hat, soll schon welche haben. Kommen Sie, wir wollen mal zu ihm hingehen." Wir gingen auf die Straße. Überall standen Menschen in Gruppen zusammen und diskutierten. Die Neugierde hatte sie aus den Häusern getrieben. Wir gingen in die Bar von Kapps Hotel, wo einige Männer an der Theke standen und auch den Fall besprachen, aber nichts Neues wussten. Dann schlenderten wir die Geschäftsstraße hinunter, bogen bei der Spedition von Laupenmühlen um die Ecke und gingen in die Bar des Hotels Kendrick. Vor dem Hotel Kendrick war eine große Menschenansammlung, die meisten hatten die Diamanten des alten Kendrick schon gesehen und unterhielten sich nun lebhaft darüber. Blödorn und ich gingen in Mister Kendricks Büro und fragten ihn, ob wir die Diamanten sehen könnten. Bereitwillig zeigte er uns eine kleine Glasröhre, in der vier winzig kleine, schmutzige, metallisch glänzende Steinchen lagen. Ungläubig fragten wir ihn: „These are diamonds?" und prompt kam die Antwort: Yes, you can be sure, they are really diamonds!" Wir waren ziemlich enttäuscht und ernüchtert, denn von diesen kleinen Steinchen gingen etwa 12 bis 15 auf einen Karat und jeder hatte nur einen Wert von etwa 2 Mark. Es lohnte sich nach unserer Ansicht daher kaum der Mühe, sich tagelang in dem heißen Wüstensand auf den Bauch zu legen, um vielleicht ein Dutzend von diesen Steinchen zu finden. Die ursprünglich freudige Erregung kühlte sich bei genauerer Überlegung sehr schnell wieder ab. Einige Tage später erfuhr man dann auch nähere Einzelheiten über die Entdeckung der ersten Diamanten, die sich wie folgt zugetragen haben soll: Bei Kilometer 16 der Lüderitzbucht-Eisenbahn liegt inmitten des gefährlichen Flugsandgürtels die kleine Station Kolmannskuppe. [...]

Dies ist ein Auszug aus: Ein Karat zu zwanzig Mark. Wahre Geschichten aus der Zeit des Diamantenrauschs in Deutsch-Südwestafrika 1908-1914, von Max Ewald Baericke.

Titel: Ein Karat zu zwanzig Mark
Untertitel: Wahre Geschichten aus der Zeit des Diamantenrauschs in Deutsch-Südwestafrika 1908-1914
Autor: Max Ewald Baericke
Herausgeberin: Delia Magg-Thesenvitz
Verlag: Nelao Verlag GbR
Friedrich-Engels-Str. 17 / 14806 Bad Belzig
www.nelao-books.com
ISBN 9789994599899 / ISBN 978-99945-99-89-9 (Namibia)
Broschur, 15 x 21 cm, 320 Seiten, zahlreiche Abbildungen

Baericke, Max Ewald im Namibiana-Buchangebot

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Historische Erinnerungen eines Diamantensuchers an die Zeit von 1908-1914 in Lüderitzbucht, Südwestafrika, stammen aus der Feder von Max Ewald Baericke.