Die Spuren der alten Brandbergbewohner, von Albert Viereck

Die Spuren der alten Brandbergbewohner, von Albert Viereck. S.W.A. Wissenschaftliche Gesellschaft, 1968.

Die Spuren der alten Brandbergbewohner, von Albert Viereck. S.W.A. Wissenschaftliche Gesellschaft, 1968.

Albert Viereck, ein Farmer aus Südwestafrika, war ein sehr engagierter Erforscher der Frühzeit seiner Heimat und gab 1968 dieses sehr interessante Buch über die Anfänge der Suche nach den Spuren der alten Brandbergbewohner heraus.

Albert Viereck  

[...] Einer Lesart zufolge soll ein gewisser Pieter Brand, Jäger und Händler, um 1791 den Brandberg entdeckt haben und ihm den Namen gegeben. Leider aber gibt es keine Aufzeichnungen, die diese Behauptung bestätigen. Pieter Brand nahm an einer Expedition teil, die W. van Reenen durchführte und dabei bis in die Gegend von Windhoek kam, das damals noch nicht bestand. Wahrscheinlich handelt es sich bei den Namen Brand und Brandberg nur um ein Wortspiel. Auf einer 1894 erschienenen, sehr interessanten und guten Karte von Deutschsüdwestafrika im Langhans Kolonialatlas von 1894, erscheint der Brandberg mit drei Namen: Brandberg, Daureb und Omukuruwaro. Daureb ist, wie erwähnt, der Bergdamaname, und Omukuruwaro heißt auf Herero, frei übersetzt, der Berg der Götter. Bis 1909 hat sich anscheinend niemand mehr um den Brandberg gekümmert. In diesem Jahr führte der Oberleutnant Jochmann den Vermessungstrupp Nr. 1 zwecks Vermessungsarbeiten zum Brandberg, der bei dieser Gelegenheit jedoch nicht bestiegen wurde. Aus dem Jahr 1914 liegt dann die erste verbürgte Besteigung des Berges durch weiße Männer vor, nämlich durch Burfeindt und Carstensen. Sie sind damals in der Numas-Schlucht hochgestiegen und erreichten den nach ihrer Ansicht höchsten Gipfel. Es stellte sich aber erst sehr viel später heraus (1955), daß dieser Gipfel das „Horn" war, der vierthöchste Gipfel des Brandberges, denn man fand auf dem Horn eine von Burfeindt einzementierte Eisenstange. Inzwischen wurden auch Teile der Vermessungsinstrumente gefunden, die Burfeindt s. Z. auf dem Horn zurückgelassen hatte, als der Erste Weltkrieg ausbrach. Burfeindt erwähnt in seinem Bericht über diese Erstbesteigung des Brandberges jedoch keinerlei Felsmalereien, obgleich er an Felsen mit Malereien vorübergekommen sein muß. Die erste Nachricht von Felsbildern liegt aus dem Jahre 1909 vor, als Oberleutnant Jochmann die nach ihm benannte „Jochmann-Wand" mit zahlreichen Malereien entdeckte. Auf einem kleinen Stein neben der Felswand wurden Datum und Jahr der Entdeckung eingemeißelt. Acht Jahre später (1917) entdeckte der Landmesser und heutige Professor Reinhard Maack die Grotte der „Weißen Dame", die „Maack-Grotte". R. Maack bestieg als erster in Begleitung von G. Schultze und A. Griess den „Königstein", den höchsten Gipfel des Brandberges, drei Jahre nach Burfeindts Erstbesteigung des Berges. Nach 1917 wurde der Brandberg lange nicht bestiegen. Erst 1928 hat eine Besteigung durch W. Triebner sen. stattgefunden. Triebner ist nach seinen Angaben in der Numas-Schlucht hochgestiegen und hat den Königstein in 16 Stunden (!) erreicht. Eine unmögliche Leistung! Anscheinend aber hat Triebner den Königstein nicht bestiegen, sondern einen anderen Gipfel, denn in dem von R. Maack 1917 auf dem Königstein niedergelegten Gipfelbuch steht Triebners Name nicht verzeichnet. Wahrscheinlich ist es ihm wie einem Vortrupp der Brandberg-Expedition 1955 ergangen, daß er einen anderen sehr ähnlichen Gipfel für den Königstein gehalten hat, den „Falschen Königstein", einen sehr hohen Gipfel zwischen dem „Numasfelsen" und dem „Aigup", dem zweithöchsten Gipfel des Brandberges. Der Falsche Königstein ist in 16 Stunden durch die Numas-Schlucht zu erreichen. Dieses Beispiel zeigt, wie schwierig eine Orientierung auf dem Brandberg ohne eine gute Karte ist. 26 Jahre nach der Erstbesteigung wurde der Königstein wieder von einem Europäer bestiegen, und zwar von D. Woods aus Kapstadt. Von nun ab folgten weitere Besteigungen des Königsteins in rascher Folge, und bis heute sind wohl mehr als dreißig Namen in seinem Gipfelbuch eingetragen; darunter befinden sich die Teilnehmer der ,,Brandberg-Expedition 1955", die als erste den Gipfel von der Westseite her erstiegen. Auch der Name der ersten Bergbesteigerin steht im Gipfelbuch: die lebende „Weiße Dame" des Brandberges. Der alte Damenschuh, den wir auf dem Berge fanden, gehörte ihr jedoch nicht! Wer mag diesen Schuh auf dem Brandberg verloren haben? Hatten die Erstbesteigungen des Brandberges Vermessungsarbeiten oder nur sportliche Leistungen zum Ziel, so wurden ab 1954 Aufstiege zwecks wissenschaftlicher Forschungen unternommen, nachdem in den untersten Abschnitten der großen Schluchten des Berges zahlreiche Fundstellen mit Felsmalereien und anderen Kulturrelikten bekannt geworden waren. 1954 wurden anläßlich einer Besteigung des Numasfelsens in einem Hochtal mit periodischen Wasserstellen zum Teil ungewöhnlich schöne Felsmalereien auf 1800 m und 2000 m Höhe entdeckt. (Lempp/Roth: Weyersbrunn und Felsenzirkus). Diese ersten Funde von Felsmalereien auf dem Brandberg gaben den Anlaß zu der großangelegten „Brandberg-Expedition 1955", die ausgedehnte Teile des Oberbrandberges erforschte, und danach zu einer Reihe von Einzelunternehmungen mit dem gleichen Ziel. Die erste vollständige Karte des Brandberges wurde 1918 von Landmesser Hofmann gezeichnet: die bekannte Hofmann-Maack-Karte, die auf den Arbeiten dieser beiden Landmesser beruht. Leider stellte es sich aber bei den Forschungsarbeiten der Brandberg-Expedition 1955 heraus, daß diese sonst ausgezeichnete Karte in den oberen Teilen des Brandberges erhebliche Ungenauigkeiten aufwies. Diese Fehler wurden inzwischen weitgehend ausgeglichen, und nach den Aufzeichnungen der Expedition und späteren Luftaufnahmen eine neue Karte von Herrn Hofmann gezeichnet. Zu bemerken ist noch, daß die Kompaßnadel auf dem Brandberg versagt; sie zeigt eine Mißweisung von fast 20 Grad nach Osten. Diese Mißweisung wird höchstwahrscheinlich durch ein Eisenerz-Vorkommen hervorgerufen, das sich nordöstlich vom Brandberg und nördlich der Uis-Mine befindet. (...)

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Die Spuren der alten Brandbergbewohner, von Albert Viereck.

Buchtitel: Die Spuren der alten Brandbergbewohner
Autor: Albert Viereck
Reihe: Wissenschaftliche Forschung in Südwestafrika
Verlag: S.W.A. Wissenschaftliche Gesellschaft
Windhoek, Südwestafrika 1968
Originalbroschur, Original-Schutzumschlag, 17x24 cm , 80 Seiten, 1 Karte, 9 Tafeln mit über 100 Zeichnungen im Text, 14 Abbildungen

Viereck, Albert im Namibiana-Buchangebot

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