Die Rheinische Missionsgesellschaft und der Missionshandel im 19. Jahrhundert , von Thomas Braun

Die Rheinische Missionsgesellschaft und der Missionshandel im 19. Jahrhundert, von Thomas Braun. ISBN 9783872143174 / ISBN 978-3-87214-317-4

Die Rheinische Missionsgesellschaft und der Missionshandel im 19. Jahrhundert, von Thomas Braun. ISBN 9783872143174 / ISBN 978-3-87214-317-4

Ein Überblick über die Handelsaktivitäten, die verschiedenen Entwicklungsstadien, ihre Stellung zum Ganzen des Missionswerkes, eine Darstellung der Diskussionen und Konflikte um den Missionshandel. Soweit dies möglich erscheint, wird in der Disseration 'Die Rheinische Missionsgesellschaft und der Missionshandel im 19. Jahrhundert' von Thomas Braun der Versuch unternommen, den Auswirkungen des Missionshandels nachzugehen.

4. Die Missionskolonie Otjimbingue (1864-1874)

4.1. Die Vorbereitungsphase
Bereits seit dem Jahre 1858 verlieh Missionar Carl Hugo Hahn in seinen Berichten an die Deputation wiederholt seiner Überzeugung Ausdruck, daß die Missionierung der Herero allein durch die Predigt des Evangeliums nicht gelingen könne.103 Nur die Ansiedlung von Missionshandwerkern und -kaufleuten auf den Stationen war seiner Meinung nach geeignet, die Mission in den kriegerischen Wirren des Landes auf eine stabilere Basis zu stellen: „Die Namaqua haben nicht das mindeste Interesse, die Damrasta-tion in Schutz zu nehmen, denn das sind für sie ganz unnütze Institute in ihrem Lande. Wohnten aber Handwerker, im Verband mit der Missionsgesellschaft, auf denselbigen, hätten sie auf jeder Station einen Kaufladen, der sich jedenfalls rentieren würde, und ein rechter Segen für's Land wäre, dann wären die Stationen in sich stärker, und es läge im Interesse der Namaqua, sie zu beschirmen." Bis zur Realisierung dieser Idee sollten noch einige Jahre vergehen, sie blieb aber laufend in der Diskussion. In den „Berichten" der RhM konnte man etwa im Jahre 1861 lesen: „Etliche glauben, daß der bisherige geringe Erfolg der dortigen Arbeit [in der Hereromission] mit davon herrühre, daß zu wenig Arbeitskräfte verwendet wurden, sie meinen daß dort ein Gebiet sei, wo die Mission auch colonisatorische und gewerbliche Arbeiten mit in den Kreis ihrer Thätigkeit ziehen müsse. [...] Spruchreif ist diese Sache jedenfalls noch nicht." Während eines Europaaufenthalts (1860-1863) betrieb Hahn sein Projekt weiter. Zunächst gelang es ihm, bei seiner heimatlichen „Basis", dem Ravensberger Missions verein, Unterstützung zu finden. In dessen Namen überbrachte Pastor Siebold im April 1862 seinen Deputationskollegen den Wunsch, „daß Colonisten nach dem Damraland gesendet, u. eine Colonisation unter Kleinschmidt's Leitung u. H. Hahns Mitwirkung versucht werden möge." Die Deputation konnte sich aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht entschließen, die unterbrochene Missionstätigkeit unter den Herero wiederaufzunehmen, und erwartete zunächst weitere Berichte von den „nördlichen Brüdern". In einem Schreiben aus Gütersloh vom 5.2.1863 reichte Missionar Hahn der Deputation ausführliche Vorschläge zur Gründung einer Missionskolonie ein: „Die leitenden Grundsätze sind im Wesentlichen dieselben, welche die mittelalterliche Mission bereits hatte, nämlich möglichst bald eine christliche Gemeinschaft herzustellen, den Missionen einen festen Ausgangs- und Anhaltspunkt zu geben, Wilden christl. Gesittung beizubringen u. endlich in Mitten einer kleinen christl. Gemeinschaft so bald wie möglich aus den Heiden Bekehrte zum Missionsdienst unter ihren Landsleuten heranzubilden." Für das Hereroland sollte Otjimbingue ein derartiges Zentrum werden. Ein zustimmendes Schreiben Missionar Kleinschmidts, das in der Sitzung vom 9.2.1863 verlesen wurde, gab offenbar den Ausschlag für die Zustimmung der Deputation: „Er wünscht sehr, daß bei Fortsetzung der Damramission einige Colonisten sich im Lande niederlassen, besonders Schmiede, Wagenmacher und Bauhandwerker, u. daß H. Hahn sie mit bringe." Hahn bezeichnete ein solches Unternehmen gar als „unabweisbares Bedürfniß für die Damra Mission". Die Deputationsmitglieder besprachen sich sofort mit dem gerade im Barmer Missionshaus anwesenden Hahn und beschlossen, einen Schmied, einen Wagenmacher und einen Schreiner auszusenden; Hahn seinerseits wurde aufgefordert, einen genauen Plan und eine Kostenrechnung des Unternehmens vorzulegen. Der Entscheid der Deputation setzte einen vorläufigen Schlußpunkt unter Hahns jahrelange Bemühungen; sein Zustandekommen war wesentlich dem Umstand zu verdanken, daß es ihm gelungen war, sowohl in der heimatlichen Missionsgemeinde als auch im südwestafrikanischen Missionsgebiet Unterstützer für seinen Plan zu finden. Vor der Inangriffnahme des Unternehmens bedurfte eine Reihe praktischer Fragen der Klärung. Die Deputation behielt sich zunächst die Genehmigung aller zur Ausrüstung erforderlichen Gegenstände - und damit der Kosten - vor. (...)

Dies ist ein Auszug aus der Dissertation: Die Auswirkungen des Missionshandels in den Arbeitsgebieten der Rheinische Missionsgesellschaft, von Thomas Braun.

Buchtitel: Die Auswirkungen des Missionshandels in den Arbeitsgebieten der Rheinische Missionsgesellschaft
Autor: Thomas Braun
Reihe: Erlanger Monographien aus Mission und Ökumene, Band 17
Typ: Dissertation
Verlag der Ev.-Luth. Mission
Erlangen, 1992
ISBN 9783872143174 / ISBN 978-3-87214-317-4
Broschur, 15x21 cm, 208 Seiten

Braun, Thomas im Namibiana-Buchangebot

Die Rheinische Missionsgesellschaft und der Missionshandel im 19. Jahrhundert

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Im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen die Auswirkungen der Handelsaktivitäten der Rheinischen Missionsgesellschaft im 19. Jahrhundert.

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