Die Kavangojäger im Nordosten Namibias, von Maria Fisch

Die Kavangojäger im Nordosten Namibias, von Maria Fisch. Namibia Wissenschaftliche Gesellschaft. Windhoek, Namibia 1994. ISBN 9991670238 / ISBN 99916-702-3-8

Die Kavangojäger im Nordosten Namibias, von Maria Fisch. Namibia Wissenschaftliche Gesellschaft. Windhoek, Namibia 1994. ISBN 9991670238 / ISBN 99916-702-3-8

Die Kavangojäger im Nordosten Namibias: Abbildung von Pfeilarten aus Holz und Eisen.

Die Kavangojäger im Nordosten Namibias: Abbildung von Pfeilarten aus Holz und Eisen.

Die Kavangojäger im Nordosten Namibias: Stich einer Jagdmethode mit dem Speer. Das Durchtrennen der Fußsehnen macht den Elefanten fluchtunfähig.

Die Kavangojäger im Nordosten Namibias: Stich einer Jagdmethode mit dem Speer. Das Durchtrennen der Fußsehnen macht den Elefanten fluchtunfähig.

Die Kavangojäger im Nordosten Namibias: Ein Wandermusiker spielt mit der Reibetrommel zum Jagdtanz auf.

Die Kavangojäger im Nordosten Namibias: Ein Wandermusiker spielt mit der Reibetrommel zum Jagdtanz auf.

Das von Maria Fisch für ihr ethnographisches Werk "Die Kavangojäger im Nordosten Namibias"zusammengetragene Material, vermittelt einen Eindruck von dem wenig bekannten hohen kulturellen Niveau und der religiösen Dimension der Bevölkerung am Mittellauf des Kavangoflusses, unter der die Forscherin von 1957 bis 1977 weilte.

Maria Fisch  

[...] Der Leser wird mit Erstaunen feststellen, daß der bantusprachige Berufsjäger in seinen Naturkenntnissen, seiner Beobachtungsgabe und in der Vielseitigkeit der Jagd- und Fangmethoden dem Buschmann nicht oder nur wenig nachstand. Wer ist sich schon bewußt, daß das Erlegen großer Wildtiere mit dem Speer, der Hauptwaffe der Bantu, mindestens so schwierig und gefährlich ist wie die Buschmannjagd mit dem Giftpfeil? Obwohl der Buschmann heute als Prototyp des afrikanischen Jägers gilt, darf man nicht vergessen, daß im Laufe der Menschheitsgeschichte auf der ganzen Welt gleichzeitig und unabhängig voneinander verwandte Geräte, Waffen und Jagdmethoden entwickelt wurden. Als die Bantu auf ihrer Südwanderung in das Siedlungsgebiet der Buschmänner eindrangen, waren sie haupt- oder nebenberuflich noch Wildbeuter und besaßen mit Sicherheit schon ihre eigene Jägerkultur, die natürlich verbesserungs- und anpassungsfähig war. Ohne Zweifel fand in den Kontaktzonen mit khoisaniden Wildbeutern ein Kulturaustausch statt, aber dieser war nicht einseitig, und die verbreitete Ansicht, die Bantu hätten die meisten Elemente der Jagdtradition von den Buschmännern übernommen, scheint mir nicht berechtigt. Zumindest bei den untersuchten Stämmen ist auf fast allen Gebieten eine deutliche Eigenständigkeit zu erkennen. Das Wohngebiet der Kavangostämme ist durch eine Trockensavanne gekennzeichnet, die an einen perennierenden Fluß mit zum Teil sumpfigen Rändern und Überflutungsebenen grenzt, so daß recht unterschiedliche Ökosysteme vorherrschen, die einer Vielzahl von Tierarten günstige Lebensbedingungen bieten. Entsprechend vielseitig und erfinderisch mußte der Jäger in seinen Jagdmethoden sein. Auch galt es, mit zunehmendem Ackerbau die Felder vor schädlichen Tieren zu schützen. So werden wir in dieser Arbeit nicht nur eine Aufsummung bekannter Fakten finden, sondern von selten oder noch nie beschriebenen Methoden der Elefanten-, Flußpferd-, Löwen- und Affenjagd hören. Es werden Eigenschaften und Verhaltensweisen bestimmter Wildtiere geschildert, die bisher in gängigen wissenschaftlichen Büchern nicht nachzulesen sind, z.B. die tödliche Eifersucht der Flußpferdbullen gegenüber den Bullkälbern, die Fähigkeit von Honigdachs und Schuppentier, einen Elefanten zu töten, die ungewöhnliche Methode der Manguste, um Perlhühner zu fangen, die Stimulierung der Aggression des Leoparden, sobald das potentielle Opfer ihn anblickt, die kluge Maßnahme des Straußes, um sein Nest und die Küken vor einem Buschbrand zu schützen, ferner die Angewohnheit des Straußes, immer in der Windrichtung zu flüchten, selbst wenn ihn dies nur langsam aus der Gefahrenzone entfernt. Das Stachelschwein geht angeblich eine dauerhafte Einehe ein, während beim Gnu die sexuelle Bindung zwischen Bulle und Kuh als extrem locker und verachtenswert gilt. Obwohl die Geschlechtszugehörigkeit der Hyänen äußerlich schwierig zu erkennen ist, haben die Kavangojäger eine Ahnung von der matriarchalen Sozialordnung innerhalb eines Rudels. Diese und viele andere Verhaltensweisen zeugen von einer erstaunlichen Beobachtungsgabe. Nicht weniger bewundernswert ist die Art und Weise, wie diese Erkenntnisse dichterisch-poetisch verarbeitet wurden. Das geschilderte Verhalten der Wildtiere haben die Informanten in vielen Fällen nicht selbst beobachtet, aber sie waren fähig, Einzelheiten des Vorfalls aus den vorgefundenen Spuren zu rekonstruieren. Vieles haben sie auch von ihren Jagdführern gelernt. Im Laufe von Generationen wurde auf diese Weise ein großer Vorrat an Informationen über animalisches Verhalten erworben und weitergegeben. Das berufliche Spezialwissen der Kavangojäger ist zwar reichhaltig, aber vom wissenschaftlichen Standpunkt keineswegs umfassend. Es wird beispielsweise als unwichtig betrachtet, sich Gedanken über die Lebenserwartung oder die Dauer der Trächtigkeit der einzelnen Tierarten zu machen. Der Lernprozeß konzentrierte sich an erster Stelle auf jene Aspekte, die für den Erfolg bei spezifischen Jagd- und Fangmethoden wichtig sind oder den Jäger vor Gefahren schützen können. Wie wir im letzten Teil der Arbeit an zahlreichen Beispielen zeigen werden, haben die Erkenntnisse über animalisches Verhalten oft einen dauerhaften, künstlerisch hochwertigen Niederschlag in Gedichten, Liedern und Sprichwörtern gefunden. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Die Kavangojäger im Nordosten Namibias, von Maria Fisch.

Titel: Die Kavangojäger im Nordosten Namibias
Untertitel: Jagdmethoden, religiös-magische Praktiken, Lieder und Preisgedichte
Autorin: Maria Fisch
Genre: Ethnographische Studie
Verlag: Namibia Wissenschaftliche Gesellschaft
Windhoek, Namibia 1994
ISBN 9991670238 / ISBN 99916-702-3-8
Originalbroschur, 15 x 21 cm, 308 Seiten, zahlreiche sw-Fotos und Abbildungen. 2 Kartenskizzen

Fisch, Maria im Namibiana-Buchangebot

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