Die Kämpfe mit Hendrik Witboi 1894 und Witbois Ende, von Theodor Leutwein

Die Kämpfe mit Hendrik Witboi 1894 und Witbois Ende, von Theodor Leutwein. Glanz & Gloria Verlag. Windhoek, Namibia 2025. ISBN 9789994595532 / ISBN 978-99945-955-3-2

Die Kämpfe mit Hendrik Witboi 1894 und Witbois Ende, von Theodor Leutwein. Glanz & Gloria Verlag. Windhoek, Namibia 2025. ISBN 9789994595532 / ISBN 978-99945-955-3-2

Die Kämpfe mit Hendrik Witboi 1894 und Witbois Ende, von Theodor Leutwein. Aus dem ersten Kapitel:

Theodor Leutwein  Bernd Krömer  

Die Kämpfe mit Hendrik Witboi 1894

Als das Deutsche Reich, den Spuren des Bremer Kaufmanns Lüderitz folgend, in Deutsch-Südwestafrika seine Herrschaft auszurichten begann, hatte es unter der vorgefundenen Urbevölkerung mit dem etwaigen Widerstand von drei größeren Völkerschaften zu rechnen, und zwar den Ovambos, den Hereros und den Hottentotten. Die abgelegen im Norden des Landes wohnenden Ovambos kamen indessen zunächst nicht in Betracht. Die beiden anderen aber, und zwar gerade die am meisten kriegerisch veranlagten, bewog wider Erwarten der Name Schutzherrschaft, sich dieser willig zu unterwerfen. Unter der genannten Firma boten nämlich die vertragschliessenden Vertreter des Reiches den Eingeborenen die deutsche Oberherrschaft an. Und letztere griffen zu, weil sie, des ewigen Krieges unter sich endlich müde, einer gegen den anderen geschützt sein wollten. Die Lasten eines trotzdem ausbrechenden Krieges aber würde - so hofften sie - von jetzt ab die Schutzmacht übernehmen, indem diese gegen den Friedensstörer einschreiten würde. Sie trugen sich mit dieser Hoffnung, obwohl der im Lande bleibende Vertreter des Deutschen Reiches, Reichskommisar genannt, an Ort und Stelle keinerlei Macht hinter sich hatte. Dafür aber hatten die vertragschliessenden Unterhändler es umso weniger an Schilderungen über des Reiches Macht und Herrlichkeit fehlen lassen, und damit gaben sich die Eingeborenen vorläufig zufrieden. Nur einer wollte von einer solchen Friedensära nichts wissen, und dies war der Kapitän Hendrik Witboi von Gibeon. Er setzte, in Missachtung der deutschen Schutzherrschaft, seine Kriegs- und Raubzüge gegen seine eigenen Stammesgenossen, die Hottentotten, wie vor allem gegen die viehreichen Hereros einfach fort und bewies so seinen Landsleuten drastisch die damalige Ohnmacht der deutschen Herrschaft. Dem ihn mit sanften Worten der Überredung mahnenden deutschen Reichskommissar erklärte er dagegen trotzig, er brauche keinen Schutz, er sei stark genug, sich selbst zu schützen. Es ist eine häufige Erfahrung in der Geschichte, dass ein dem Untergang geweihtes Volk im letzten Augenblick noch seinen Nationalheros findet, der diesen Untergang entweder ganz abwendet oder wenigstens aufhält. So entstand in neuerer Zeit und als Beispiele uns hier besonders naheliegend den Tscherkessen im Kampfe gegen die Russen ihr Schamyl, den Arabern in Algerien im Kampfe gegen die Franzosen ihr Abdel Kader. Und ob den Franzosen in Marokko, den Italienern in Tripolis nicht auch noch ein solcher Heros entgegentreten wird, bleibt abzuwarten1. Denn bei Niederwerfung unzivilisierter Völkerschaften pflegen nach Auflösung der staatlichen Verbände die Schwierigkeiten erst recht zu beginnen. Uns ist in Südwestafrika als Nationalheld der untergehenden Hottentottenrasse der Kapitän Hendrik Witboi entgegengetreten. Er hat diesen Untergang, erst durch seinen Widerstand, dann durch rechtzeitige Unterwerfung sowie Unterstützung unserer Herrschaft aufgehalten, um ihn dann durch seinen Wiederabfall zu beschleunigen. Begünstigt sind wir in diesem Kampfe durch die staatliche Zerrissenheit der Hottentotten gewesen. Es erging Witboi in dieser Beziehung wie seinerzeit dem deutschen Nationalheros „Hermann dem Cherusker". Auch er hatte fortgesetzt mit der Feindschaft und der Eifersucht nicht des Hottentottenvolkes, wohl aber der stammesverwandten Mitkapitäne zu rechnen, letzteres noch während des großen Aufstandes im Jahre 1904/05. Ein Glück für uns, denn unter Witbois Führung vereinigt, würden die kriegsgewandten Hottentotten in ihrem weiten, öden Lande ftir uns nahezu unüberwindlich gewesen sein. Schon vor unserer Besitzergreifung war die ganze Geschichte Südwestafrikas mit Blut geschrieben. Ewiger Krieg tobte in dem Lande sowohl der Hottentotten unter sich, wie zwischen diesen und den Hereros. In letzterem hatten meist die zahlreicheren und außerdem in einheitlichem Staatsverbande unter einem gemeinsamen Oberhäuptling lebenden Hereros die Oberhand. Aber sie besaßen eine sehr verwundbare Stelle, und zwar ihre stattlichen Viehherden, welche wegzunehmen die besitzlosen und daher stets hungrigen Hottentotten besonders bedacht waren. Der größere Kriegsschaden pflegte daher, trotz mancher Siege auf Seiten der Hereros zu sein. [...]

Dies ist ein Auszug aus. Die Kämpfe mit Hendrik Witboi 1894 und Witbois Ende, von Theodor Leutwein.

Buchtitel: Die Kämpfe mit Hendrik Witboi 1894 und Witbois Ende
Autor: Theodor Leutwein
Genre: Kommentierter und ergänzter Nachdruck des Originals von 1911
Bearbeitung: Bernd Kroemer
Verlag: Glanz & Gloria Verlag
Windhoek, Namibia 2025
ISBN 9789994595532 / ISBN 978-99945-955-3-2
Broschur, 15 x 21 cm, 94 Seiten, zahlreiche sw-Fotos

Leutwein, Theodor und Kroemer, Bernd im Namibiana-Buchangebot

Die Kämpfe mit Hendrik Witboi 1894 und Witbois Ende

Die Kämpfe mit Hendrik Witboi 1894 und Witbois Ende

Die Kämpfe mit Hendrik Witboi 1894 und Witbois Ende, ein kommentierter und mit Abbildungen ergänzter Nachdruck des Originals von 1911.

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