Die IKung-Buschleute: Ein Urvolk im heutigen Namibia, von Daniel Mischke

Die IKung-Buschleute: Ein Urvolk im heutigen Namibia. Begegnungen mit den letzten freien !Kung-Buschleuten in Namibia im 21. Jahrhundert, von Daniel Mischke. Verlag: Pro Business (Book on Demand). Berlin, 2018. ISBN 9783964090225 / ISBN 978-3-96409-022-5

Die IKung-Buschleute: Ein Urvolk im heutigen Namibia. Begegnungen mit den letzten freien !Kung-Buschleuten in Namibia im 21. Jahrhundert, von Daniel Mischke. Verlag: Pro Business (Book on Demand). Berlin, 2018. ISBN 9783964090225 / ISBN 978-3-96409-022-5

Die Dorfgemeinschaft, die Sippe, Familie, Heirat, Geburt und Tod sind die Themen des folgenden Auszuges aus 'Die IKung-Buschleute: Ein Urvolk im heutigen Namibia' von Daniel Mischke.

Daniel Mischke  

Als schriftloses Volk wurde bei den Buschleuten das gesamte Wissen von Generation zu Generation am gemeinschaftlichen Lagerfeuer weitergegeben. Nur durch die Gemeinschaft war es möglich, in der Kalahari mit ihren langen Trockenperioden zu überleben. Buschleute leben ohne staatliche Institution und übergeordnete Autorität. Männer und Frauen haben dasselbe Mitspracherecht. Entscheidungen werden immer von allen diskutiert. Es gibt auch kein Oberhaupt oder Häuptling in den einzelnen Gruppen. Nur manche ältere Buschleute haben aufgrund ihrer Lebenserfahrungen mehr Einfluss auf Entscheidungen, aber kein Recht Befehle zu erteilen. In den unterschiedlichen Sippen leben die Buschleute als Gruppen in einzelnen Familienverbänden von meist 5 bis 6 Familien mit ca. 25 bis 50 Personen. Alle sind durch direkte Verwandtschaft bzw. Heirat miteinander verbunden. Das Dorfleben und die damit verbundenen Aufgabenverteilungen werden von den fünf Jahreszeiten bestimmt. Reichlich pflanzliche Nahrung und große Jagderfolge gibt es im bara, der großen Regenzeit. Nach der Regenzeit folgt *obe und dann !gum, die trockenen Wintermonate Juni, Juli und August. !ga wird die Trockenzeit vor der Regenzeit genannt, diese ist am entbehrungsreichsten für die Buschleute. Im Monat September beginnt der Frühling. Die ersten kräftigen Gewitter gibt es erst ab Mitte Oktober in der Frühlingsregenzeit !huma.15 Die starke Sonneneinstrahlung lässt die Pflanzen verbrennen und vertrocknen, wodurch sich das natürliche Nahrungsangebot deutlich verschlechtert. Ende Oktober erfolgt der Übergang zu den Sommermonaten. Oft erst im Januar beginnt in Namibia die große Regenzeit. Die Monate Oktober bis Dezember gelten als die heißesten Monate in Namibia. Die jahreszeitlichen Klimaschwankungen hatten einen entscheidenden Einfluss auf das Umherziehen der Dorfgemeinschaft, die immer auf der Suche nach Nahrung und Wasser war. Wie lief früher der Lebenszyklus der frei umherziehenden Buschleute ab? In der Dorfgemeinschaft brachten die Buschmann-Frauen irgendwo im Busch ihre Kinder allein zur Welt. Nur bei Erstgebärenden oder schweren Geburten wurde die Schwangere von älteren Frauen begleitet. Eine spezielle Geburtszeremonie existierte nicht. Zwillingsgeburten galten als schlechtes Zeichen, weil die Mütter früher nicht in der Lage waren beide Kinder zu ernähren und aufzuziehen. Sie konzentrierte sich dann nur auf eines der beiden Kinder. Eine Frau bekam bis zu 14 Kinder, ohne medizinische Hilfe überlebten davon meistens nur drei bis vier. Die Kinder wurden von der Mutter am Körper getragen und meist bis zum 2. Lebensjahr gestillt. Dies führte zu längeren Geburtsabständen. Wenn ein neues Kind geboren wurde, konnte das vorherige schon allein laufen und die Wanderungen der Gemeinschaft mitmachen. Bis zum ca. 10. Lebensjahr laufen die Kinder nackt im Dorf und bedecken dann ihre Genitalien. Die Erziehung der Kinder erfolgt antiautoritär, eigentlich aber werden sie gar nicht erzogen. Mitleid, insbesondere mit Tieren ist auch so gut wie gar nicht ausgeprägt. Die Jungen werden mit der ersten erfolgreichen Jagd zu Männern. Sie sind damit in der Lage eine Familie zu ernähren und können heiraten. Bei der sogenannten „Initiation" (Initiation = Einweihung, Aufnahme in die Gemeinschaft) schneidet bzw. ritzt man dem Jungen mit der Pfeilspitze Initiationsnarben in die Haut, in die ein Gemisch aus verbrannten Haaren und Fleisch ihrer ersten Jagdbeute geschmiert wird. Hierdurch sollen sich die Fähigkeiten des Wildes auf den Jäger übertragen. Die dadurch entstehende Wundinfektion führt zu Entzündungen mit sichtbaren Narbenbildungen. Eine größere Zeremonie, die „Mädchenweihe", findet statt, wenn die Mädchen mit ihrer ersten Menstruation zur Frau werden. Sie bleibt einige Tage außerhalb des Dorfes in einer Grashütte zurück und wird nur von den älteren Frauen besucht, die für sie singen und sie aufklären. [...]

Dies ist ein Auszug aus: Die IKung-Buschleute: Ein Urvolk im heutigen Namibia, von Daniel Mischke.

Titel: Die IKung-Buschleute: Ein Urvolk im heutigen Namibia
Untertitel: Begegnungen mit den letzten freien !Kung-Buschleuten in Namibia im 21. Jahrhundert
Autor: Daniel Mischke
Verlag: Pro Business (Book on Demand)
Berlin, 2018
ISBN 9783964090225 / ISBN 978-3-96409-022-5
Kartoneinband, 17 x 23 cm, 190 Seiten, zahlreiche Abbildungen

Mischke, Daniel im Namibiana-Buchangebot

Die IKung-Buschleute: Ein Urvolk im heutigen Namibia

Die IKung-Buschleute: Ein Urvolk im heutigen Namibia

Die IKung-Buschleute, seine Traditionen und Lebensumstände als Urvolk im heutigen Namibia.