Der weiße Sündenbock. Erinnerungen an die antienglische Widerstandsbewegung in Südafrika, von Hans van Rensburg.

Der weiße Sündenbock. Erinnerungen an die antienglische Widerstandsbewegung in Südafrika, von Hans van Rensburg.

Der weiße Sündenbock. Erinnerungen an die antienglische Widerstandsbewegung in Südafrika, von Hans van Rensburg.

Das 1937 erschienene Buch Der weisse Sündenbock sind die Erinnerungen von Hans van Rensburg an den Aufbau und die Tätigkeiten der Ossebrandwag, die antienglische Widerstandsbewegung in Südafrika sowie Eindrücke einer Reise nach Deutschland und Südwestafrika.

Hans van Rensburg  

[...] Als 1914 der erste Weltkrieg aufflammte, zählte die weiße Bevölkerung mehr als fünfzehntausend, größtenteils Deutsche. Abgesehen von der Zivilbevölkerung gab es etwa zweitausend Soldaten. Nach Unterdrückung der burischen Rebellion in Südafrika konnte die Regierung Botha 1915 unbehelligt ihren Feldzug gegen Südwest fortsetzen. Von See her unterband die britische Marine allen deutschen Nachschub, und im Lande verfügte Botha über eine Übermacht. Das Land wurde ohne nennenswerten Widerstand genommen. Nach dem Kriege strömten immer mehr Siedler aus der Union ein. Auch Buren, die in den achtziger Jahren aus Transvaal über das damals noch wilde Südwest nach der portugiesischen Kolonie Angola getreckt waren, wurden 1928 nach Südwest zurückgebracht. Immer mehr verlor das Land seinen deutschen Charakter. Jedoch blieb ein starker deutscher Kern, der in der jüngsten Zeit auch merklich durch Einwanderung gestützt worden ist. Den Kern bilden Menschen, die schon in der zweiten Generation gebürtige Südwester sind und die das Land nicht nur als ein Stück Erde, sondern als ihr wirkliches Vaterland lieben. Daß sie die neuen Ankömmlinge aus der Union nicht immer mit offenen Armen empfingen, war verständlich. Ebenso begreiflich ist es, daß der stets wachsende Zustrom aus der Union das typisch Deutsche im Lande weiter in den Hintergrund drängte, was die ältere deutsche Bevölkerung noch mehr verstimmte. Wir Buren, die wir in unseren einstigen Republiken Ähnliches am eigenen Leibe erfuhren, haben Verständnis für die Empfindungen. Nun war es 1935. Nach einem Unionsgesetz sollte die Regierung eine Untersuchungskommission ernennen, die gewisse Eheangelegenheiten der Angolaburen zu überprüfen hatte. Der Justizminister hatte den betreffenden Kommissar zu ernennen. General Smuts, der zuständige Minister, fragte mich, den Staatssekretär, wen man mit dieser Untersuchung beauftragen sollte. Ich schlug mich selbst vor und erläuterte meine Gründe. Wollte ich doch gern Südwest kennenlernen. Außerdem war ich auf Großwildjagd erpicht, im Norden Südwests würde ich bessere Aussichten haben, einen Büffel zu erlegen. In der Union war ich ihnen schon mehrmals auf der Spur gewesen, hatte die Büffel aber nicht aufs Korn nehmen können. Also, wenn der Herr Minister, den ich noch nie um einen Gefallen gebeten hatte, es genehmigen würde, wäre ich sehr dankbar. Für die Jägermotive zeigte er zwar nicht viel Verständnis, da er ein notorischer Tierfreund war, aber er sagte freundlich zu. Ich reiste nach Südwest. Die erste Bahnstation, die ich jenseits unserer Grenze erblickte, zeugte schon für die deutsche Vergangenheit des Landes. Die Architektur wirkte anders auf mich, als ich es gewohnt war. Mit deutschen Menschen kam ich leider nur selten in Berührung. Nicht, daß sie nicht da waren, aber sie lehnten den Verkehr mit Nichtdeutschen offensichtlich ab. Es herrschte eine starke Verstimmung. Das war 1935. Heute ist es anders. Inzwischen hat ein zweiter Weltkrieg Deutsche und Buren belehrt, daß es sinnlos ist, sich gegenseitig zu meiden, nur damit ein lachender Dritter sie beide übertölpelt. In der schönen Hauptstadt Windhuk angekommen, bemühte ich mich außerordentlich, mit repräsentativen Deutschen gesellschaftlich in Verkehr zu kommen. Ich wollte feststellen, wo sie der Schuh drückte, und herausbekommen, wie der Druck zu lindern wäre. In Pretoria hatte ich ja freien Zutritt zu unserem Ministerpräsidenten, General Hertzog, der alles andere als deutschfeindlich war und dem ich meine Erfahrungen unterbreiten konnte. Die ersehnte Tuchfühlung war aber nur schwer zu erreichen. Endlich bot sich die Gelegenheit eines ungewollten, zwanglosen Treffens mit einer kleinen Gruppe sympathischer Männer. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Der weisse Sündenbock. Erinnerungen an die antienglische Widerstandsbewegung in Südafrika, von Hans van Rensburg.

Buchtitel: Der weisse Sündenbock
Untertitel: Erinnerungen an die antienglische Widerstandsbewegung in Südafrika
Autor: Hans van Rensburg
Verlag: K.W. Schütz
Göttingen, 1964
Originalleinen, Originalschutzumschlag, 15x21 cm, 244 Seiten, etliche sw-Fotos.

Rensburg, Hans van im Namibiana-Buchangebot

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