Das Hinterland von Walfischbai und Angra Pequena. Eine Übersicht der Kulturarbeit deutscher Missionare in Südwestafrika (Faksimile), von Carl Gotthilf Büttner

Das Hinterland von Walfischbai und Angra Pequena. Eine Übersicht der Kulturarbeit deutscher Missionare in Südwestafrika (Faksimile), von Carl Gotthilf Büttner. Pretoria State Library. Südafrika. Pretoria, 1976. ISBN 0798900415
Erste Anknüpfung eines Verkehrs von der Kapkolonie aus. Das Hinterland von Walfischbai und Angra Pequena. Eine Übersicht der Kulturarbeit deutscher Missionare in Südwestafrika (Faksimile), von Carl Gotthilf Büttner.
Ich habe vorher erwähnt, daß einzelne Züge der Hottentotten immer weiter nach Norden vordrangen, um neue Jagdgründe aufzusuchen. Die Feuerwaffen gaben diesen Hottentotten aus der Kapkolonie ein besonderes Übergewicht über die Eingeborenen weiter im Innern. Es war nun natürlich, daß die eingeborenen Bewohner von Groß Namaqualand, welche bis dahin den zahlreicheren und physisch kräftigeren Herero immer hatten weichen müssen, in diesen Jägern ihre Vorfechter und Beschützer sahen, und auch die Bergdamara, jenes vorerwähnte armselige, unterdrückte, stets ausgehungerte Volk schloß sich um so eher diesen Jägern an, deren Feuerrohr stets reiche Beute zu sichern schien, als sie ja mit ihnen dieselbe Sprache redeten. Als ein Hauptführer dieser Jäger zeichnete sich ein gewisser Jonker Afrikaner aus, der Sohn eines in der Geschichte der Kapkolonie und durch sein Zusammentreffen mit Moffat berühmten Räuberhauptmanns. In diesem Manne, der in seiner Jugend getauft worden war, war ein wunderliches Gemisch von Hinneigung zur Civilisation und altheidnischer Raubsucht, ganz nach der Weise der Hottentotten, heute so, morgen so. Er war ohne Zweifel in jener Gegend eine höchst bedeutende Person, und er hätte dauerndes Große leisten können, wenn er sich nicht je länger je mehr dem Trunke ergeben hätte. Dieser Jonker wurde bald ein Zielpunkt von allerlei Händlern und Hausierern, wie solche den Hottentottenjägern nachzogen, ihnen die Straußenfedern und das Elfenbein abzukaufen, welches sie auf der Jagd gewonnen. Aber es blieb für Jonker nicht bloß bei der Jagd. Zwischen den nördlichen Namaqua und den Herero bestanden fortwährend kleine Reibereien und Rassenkämpfe, und der große Jäger nahm sich seines Stammesgenossen auch in ihren kleinen Fehden gegen die Herero an. So wurden die großen Herden, welche die Herero bis dahin so sorglich vor allem Schaden behütet, ein beliebtes Beuteobjekt für die Hottentotten. Immer neue Vorwände zu immer nenen Beutezügen waren einem erleichterten Gewissen leicht zu finden, zumal es dem Jonker gelang, die Familienzwistigkeiten und Eifersüchteleien unter den einzelnen Hererostümmen zu benutzen und einen gegen die anderen zu führen. Hierzu kamen die anarchischen Zustände im Lande; nur die wenigen wirklichen Besitzer der Herden hatten ein Interesse für ihr Eigentum und für ihre Freiheit zu fechten, dem großen Haufen der Knechte war es schließlich gleichgültig, von wem sie ihre Prügel erhielten. So gelang es diesem für die dortigen Verhältnisse recht unternehmenden Jonker Afrikaner, obwohl die Hansmacht seines eigenen Stammes vielleicht nie mehr als 150 Waffenfähige gezählt haben mag, sich so hoch zu heben, daß er sich mit vollem Recht in seinen Briefen als das Oberhaupt von Namaqua-, Damara-und Ovamboland unterzeichnen konnte. Und gewiß hat er bis an sein Lebensende in diesem großen Gebiete, größer wie das deutsche Reich, thun und lassen können, was er wollte. Zugleich ist dies ein Zeichen, mit wie geringen Kräften sich dort eine Macht, die vieler Interessen berücksichtigt, halten kann. Nun fing ein luftiges Leben sür einen jeden an, der von dem erbeuteten und geraubten Vieh kaufen wollte. Es kam den leichtlebigen Hottentotten nicht darauf an, hohe Preise für das erbeutete Vieh zu fordern. Oft genug ist mir erzählt, wie Jonker den Hausierern, die mit ihren Wagenfrachten von Handelsgütern nach Windhoek oder Okahandja kamen, ihre Waren für eine Pauschalsumme abgekauft. Und wenn man dann über den Preis, so und so viel Rinder und Hammel, einig geworden war, sandte er seine Leute unter die Herero, um so viel Vieh zusammenzutreiben, als gefordert war; es war gleichgültig, wem das Vieh gehörte. [...]
Dies ist ein Auszug aus: Das Hinterland von Walfischbai und Angra Pequena. Eine Übersicht der Kulturarbeit deutscher Missionare in Südwestafrika (Faksimile), von Carl Gotthilf Büttner.
Titel: Das Hinterland von Walfischbai und Angra Pequena.
Untertitel: Eine Übersicht der Kulturarbeit deutscher Missionare und der seitherigen Entwicklung des deutschen Handels in Südwestafrika
Faksimile des Originals von 1884
Autor: Carl Gotthilf Büttner
Herausgeber: Pretoria State Library
Südafrika. Pretoria, 1976
ISBN 0798900415
Original-Kartoneinband, 13 x 19 cm, 330 Seiten, 1 Faltkarte, Frakturschrift
Büttner, Carl Gotthilf im Namibiana-Buchangebot
Das Hinterland von Walfischbai und Angra Pequena. Eine Übersicht der Kulturarbeit deutscher Missionare in Südwestafrika (Faksimile)
Antiquarisches Faksimile von Das Hinterland von Walfischbai und Angra Pequena. Eine Übersicht der Kulturarbeit deutscher Missionare in Südwestafrika.
Namibiana Nr. 11-1987
Namibiana Vol. 11 (1987). Mitteilungen der ethnologisch-historischen Arbeitsgruppe der SWA Wissenschaftliche Gesellschaft.

