Das Buch der deutschen Kolonien (Reimar Hobbing), von Heinrich Schnee, Verlag Reimar Hobbing

Das Buch der deutschen Kolonien, herausgegeben vom Reichskolonialbund. Vorwort Heinrich Schnee. Reimar Hobbing GmbH. Berlin 1937
Das Pachtgebiet Tsingtau, ein Kapitel aus dem Buch der deutschen Kolonien, mit einem Vorwort von Gouverneur i.R. Dr. Heinrich Schnee, herausgegeben vom Verlag Reimar Hobbing, Berlin 1937.
Deutschlands Kolonien bis zum Weltkrieg: VI. Das Pachtgebiet Tsingtau
Im Jahre 1861 schloß das Königreich Preußen mit dem Kaiserreich China einen Vertrag, nach dem den Ländern des Norddeutschen Bundes der Handel im Reich der Mitte in gleicher Weise wie England und anderen Staaten genehmigt wurde. Ein reiches Absatzgebiet für deutsche Erzeugnisse öffnete sich unseren Kaufleuten, die ebenso dem Import der chinesischen Waren dienten; die unermüdliche Tätigkeit und Tüchtigkeit der kaufmännischen Pioniere brachte es im Laufe weniger Jahrzehnte dahin, daß der deutsche Handel die zweite Stelle einnahm: nur der englische war ihm noch überlegen. Es ergab sich also aus inneren und äußeren, aus Prestige- und praktischen Gründen die Notwendigkeit für Deutschland, einen eigenen unter deutscher Verwaltung stehenden Stützpunkt für den Handel zu besitzen, ähnlich wie für England Hongkong die Basis für alle Unternehmungen im fernen Osten und zugleich einen mächtigen Flottenrückhalt bildete. Bis zum Beginn des chinesisch-japanischen Krieges im Jahre 1896 war Deutschland auf die in China trotz allen Reibereien in der Südsee bereitwillig gewährte Gastfreundschaft der englischen Niederlassungen angewiesen; aber in der Folge dieses Krieges wurde es ganz offensichtlich, daß Deutschland ohne eigenes Gebiet in China nicht mehr auskommen würde. Die chinesische Regierung räumte damals Deutschland in den Vertragshäfen Tientsin und Hankau eigene Niederlassungen ein; aber auch dies genügte bald nicht mehr. Untersuchungen und Erwägungen kaufmännischer und politischer Art ergaben, daß die Bucht von Kiautschou den zu stellenden Anforderungen am besten entsprechen würde, da sie einen für die tiefstgehenden Schiffe geschützten Hafen und ein kohlenreiches Hinterland besitzt. Es war also außer den Ausfuhrmöglichkeiten die Gelegenheit gegeben, einen starken Flottenstützpunkt für das zum Schutz des Handels notwendige Geschwader zu schaffen. Den äußeren Anlaß zur Besetzung der Kiautschoubucht gab die Ermordung zweier Missionare in Schantung. Am 27. April 1898 wurde die besetzte Gegend, nachdem am 6. März ein Vertrag zwischen Deutschland und China geschlossen worden war, zum deutschen Schutzgebiet erklärt und ein Halbkreis von so Km Radius um die Bucht als neutrale Einflußzone anerkannt. Das Hinterland, die große Provinz Schantung wurde in erster Linie dem deutschen Handel freigegeben, der Bau einer Bahn von Tsingtau nach Tsinanfu und von beiden Städten aus nach Jschoufu vorgesehen, und die Ausbeutung der Minerallager auf einer Breite von 15 rechts und links der Bahn durch deutsches Kapital garantiert. Ein reiches Programm, das die Stellung und den Reichtum Deutschlands in jenen Tagen hell beleuchtet: daß es durchgeführt wurde, ja, daß das Schutzgebiet sozusagen eine europäische Sehenswürdigkeit in China wurde, erweckte leider nicht nur die Bewunderung der anderen Interessenten. Das deutsche Schutzgebiet umfaßt die beiden Halbinseln, welche die Bucht bilden: die nördliche mit Tsingtau, von 462 qkm, die südliche, Haihsi mit Namen, von 47 qkm Flächeninhalt. Ferner gehören eine Anzahl in der Bucht liegende Inseln dazu, die zusammen 44 qkm Land bedeuten. Im Osten des nördlichen Schutzgebietes erhebt sich als Trennungswand vom Meer das gewaltige und landschaftlich großartige Lauschangebirge; viele Anpflanzungen und alpine Matten bringen angenehmes Grün in die braune Zerklüftung der Felsenberge. Der höchste Gipfel, der 11Z0 m, hohe Lauting kann ohne Schwierigkeit erstiegen werden und bildete einen beliebten Ausflugsplatz für die Tsingtauer: in der Stadt hatte sich ein Alpenverein zur Erschließung des Gebirges gebildet. Auch hier ist hochtouristisch noch viel an guten und nicht langen Klettertouren zu machen. Unterkunftshäuser und Erholungsheime dienten dem Aufenthalt in den Bergen. Nach Südwesten zu senken sich die Gebirge in mehrfachen Abstufungen; der sich nördlich von Tsingtau erhebende Teil, Tungliuschui genannt, zeichnet sich durch besondere Steilheit und Zerklüftungen aus. Das Gestein ist Granit und Porphyr, bietet also jedenfalls, abgesehen von Plattenstellen, gute Besteigungsmöglichkeiten und Wanddurchquerungen. [...]
Dies ist ein Auszug aus: Das Buch der deutschen Kolonien (Reimar Hobbing), von Heinrich Schnee.
Titel: Das Buch der deutschen Kolonien
Herausgeber: Reichskolonialbund
Verlag: Reimar Hobbing GmbH
2. verb. Auflage, Berlin 1937
Originalhalbledereinband, 16 x 23 cm, 327 Seiten, 168 sw-Fotos, Abbildungen, 6 Karten
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