Das Archiv der Solidaritätsgruppe Medic' Angola / kämpfendes afrika, von Dag Henrichsen

Das Archiv der Solidaritätsgruppe Medic' Angola / kämpfendes afrika, von Dag Henrichsen. Basler Afrika Bibliographien; Namibia Resource Centre & Southern Africa Library. Basel (Schweiz), 2002. ISBN 3905141787 / ISBN 3-905141-78-7

Das Archiv der Solidaritätsgruppe Medic' Angola / kämpfendes afrika, von Dag Henrichsen. Basler Afrika Bibliographien; Namibia Resource Centre & Southern Africa Library. Basel (Schweiz), 2002. ISBN 3905141787 / ISBN 3-905141-78-7

Das Archiv der Solidaritätsgruppe Medic' Angola / kämpfendes afrika. Autor: Dag Henrichsen (AA Series: Documentations, Registratur AA. 5)

Das Archiv der Solidaritätsgruppe Medic' Angola / kämpfendes afrika. Autor: Dag Henrichsen (AA Series: Documentations, Registratur AA. 5)

Dag Henrichsen, der die Archivalien der Solidaritätsgruppe erfaßt hat, zur Geschichte von Medic' Angola / kämpfendes afrika: Die Arbeitsgruppe Medic' Angola entwickelte sich aus Kontakten eines jungen, der Neuen Linken nahestehenden Freundeskreises in Zürich mit Vertretern der angolanischen Befreiungsorganisation Movimento Popular de Libertacao de Angola (MPLA) in Algier.

Dag Henrichsen  

Seit Mitte 1971 stellten die Freunde, darunter die Schwestern Corinne und Therese Marti, Daniel Kohn, sowie Branka Goldstein, die bereits in der Regionalgruppe Terre des Hommes Zürich tätig war, Medikamenten- und Kleidertransporte für den Servico de Assistencia Medica (SAM) der MPLA zusammen. Ihre Spendenaufrufe verknüpfte die Gruppe von vornherein mit einer als antiimperialistisch und sozialistisch verstandenen Aufklärungsarbeit in der Schweizer Öffentlichkeit. Seit November 1971 gab die Gruppe die Zeitschrift kämpfendes afrika. Information über den afrikanischen befreiungskrieg heraus, damit "das Schweizer Volk ... vom beispielhaften Kampf der Völker Angolas, Mozambiques und Guinea-Bissaos Kenntnis [erhält] ..., um sich mit ihnen solidarisieren zu können." Fortan bildeten eine gezielte politische Informationspolitik in der Schweiz einerseits, sowie die materielle und finanzielle Hilfe für ausgesuchte afrikanische Befreiungsbewegungen anderseits, die Eckpfeiler der Tätigkeit der Gruppe und dies bis zu ihrer Auflösung 1988. 1972 verliessen mehrere Gründungsmitglieder die inzwischen gewachsene Gruppe und bildeten 1973 das Komitee Südliches Afrika (KSA). Politisch-ideologische Differenzen dürften für die Spaltung verantwortlich gewesen sein. Medic' Angola verpflichtete sich verstärkt, und im Unterschied zum KSA10, einem "proletarischen Internationalismus" maoistischer Lesart, wie er parteipolitisch von der Kommunistische Partei der Schweiz / Marxisten-Leninisten (KPS/ML) vertreten wurde. Einige Mitglieder von Medic' Angola / kämpfendes afrika unterhielten zu dieser Partei teils enge, teils kritisch-distanzierte Beziehungen. Analytisch erarbeitete die Solidaritätsgruppe sich die chinesische Drei-Welten Theorie und rückte das Recht "unterdrückter Völker auf nationale Befreiung und Unabhängigkeit" in den Vordergrund seiner Programmatik. Explizit forderte die Gruppe eine aktive politische und materielle Unterstützung antikolonialer afrikanischer Befreiungsorganisationen, wie dies im übrigen weiterhin auch das KSA tat. Damit wollte Medic' Angola "einen klaren Trennstrich zwischen sich und den 'humanitären Hilfsorganisationen'", z.B. privaten oder kirchlichen Hilfswerken, ziehen. Dem gängigen Opferbild hinsichtlich des afrikanischen Kontinents setzte die Gruppe das Emblem vom bewaffneten afrikanischen Soldaten entgegen und nannte sich schliesslich seit 1976 gleichfalls kämpfendes afrika. Sie trat darüberhinaus "für korrekte Beziehungen und Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Afrika auf politischem, wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet ein" und lehnte bestehende politische und wirtschaftliche Beziehungen der Schweiz mit Regimen in Portugal, Südafrika, Südwestafrika (Namibia) und Rhodesien (Zimbabwe) ab. Diese politische Ausrichtung der Organisation prägte sowohl ihre Positionierung innerhalb der Schweizer Solidaritätsbewegung als auch die Beziehungen zu den afrikanischen Befreiungsbewegungen. Zu tendenziell sowjetisch orientierten Solidaritätsorganisationen und Parteien in der Schweiz wie dem Solidaritätskomitee für Afrika, Asien und Lateinamerika (SKAAL-Schweiz), der Partei der Arbeit (PdA) sowie den Progressiven Organisationen der Schweiz (POCH) ging das kämpfende afrika in der Regel auf Distanz. Mit anderen Organisationen wie der Anti-Apartheid-Bewegung (AAB) in der deutschsprachigen Schweiz oder dem Afrika Komitee Basel ergab sich dann und wann eine Zusammenarbeit. So beschloss die Gruppe z.B. 1980 bezüglich einer Boykottaktion gegen den Import von südafrikanischen Früchten, dass es "die Kampagne als Ausdruck einer breiten Verurteilung der Apartheid akzeptiert, sich aber nicht daran beteiligt, weil die Kampagne auf die Hauptfragen nicht oder falsch eingeht und Illusionen bezüglich der Lösung verbreitet." Dagegen unterstützte sie die Kampagne "Schulen für Zimbabwe! / Scuole per il Zimbabwe! / Des ecoles pour le Zimbabwe!", die 1979 landesweit mit grossem Spendenerfolg durchgeführt wurde und konnte hierbei ihre guten Beziehungen zur Zimbabwe African National Union (ZANU) sowohl einbringen wie auch weiter ausbauen. Die intensivsten Kontakte zu afrikanischen Befreigungsorganisationen knüpfte die Solidaritätsgruppe seit Mitte der 1970er Jahre zur ZANU, dem African National Council of Zimbabwe (ANC-Z) sowie dem südafrikanischen Pan Africanist Congress ofAzania (PAC). Die anfänglich guten Kontakte zur MPLA wurden Mitte der 1970er Jahre unter dem Eindruck verstärkter sowjetisch-kubanischer Einflussnahme zugunsten der Uniao Nacional para a Independencia total de Angola (UNITA) eingeschränkt. Kontakte zu anderen Befreiungsorganisationen, die als stärker sowjetisch ausgerichtet galten, wie dem südafrikanischen African National Congress (ANC), der South West Africa Peoples Organisation of Namibia (SWAPO) und der Zimbabwe African Peoples Union (ZAPU), blieben oberflächlich. ANC und SWAPO Vertreter äusserten sich zur politischen Richtung des kämpfenden afrika dann und wann dezidiert kritisch. Das kämpfende afrika entfaltete im Laufe seiner Geschichte eine intensive Solidaritäts-, Informations- und Veranstaltungsarbeit, vornehmlich in der deutschsprachigen Schweiz. Vertreter der ZANU und des PAC reisten zeitweilig regelmässig zu Vorträgen, Pressekonferenzen, Spendenaktionen sowie internen Gesprächen mit der Solidaritätsgruppe in die Schweiz. Dazu zählten neben den Repräsentanten dieser Organisationen in den europäischen Exilbüros auch führende Vertreter der Organisationen in den afrikanischen Exilländem. Internationale Konferenzen, wie z.B. die Rhodesienkonferenz in Genf 1976, boten ebenfalls Möglichkeiten, Kontakte pflegen zu können. Auf diese Weise entwickelte das kämpfende afrika langjährige und z.T. persönliche Beziehungen zu einem Kreis von Personen, der im Falle der ZANU nach 1980 im unabhängigen Zimbabwe hohe Regierungspositionen einnahm, so zu Politikern wie Rex Chiwara, Simba Makoni, Robert und Sally Mugabe, Didymus Mutasa. [...]

Dies ist ein Auszug aus "Das Archiv der Solidaritätsgruppe Medic' Angola / kämpfendes afrika", von Dag Henrichsen.

Titel: Das Archiv der Solidaritätsgruppe Medic' Angola / kämpfendes afrika
Bearbeitung: Dag Henrichsen
AA Series: Documentations, Registratur AA. 5
Herausgeber: Basler Afrika Bibliographien; Namibia Resource Centre & Southern Africa Library
Basel (Schweiz), 2002
ISBN 3905141787 / ISBN 3-905141-78-7
Orignalbroschur, 15 x 21 cm, 51 Seiten, 2 sw-Abbildungen

Henrichsen, Dag im Namibiana-Buchangebot

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