Briefe aus Simbabwe, von Kara Benson

Briefe aus Simbabwe, von Kara Benson. Kara Benson. Verlag kalliope paperbacks, Heidelberg 2006. ISBN 9783981079814 / ISBN 978-3-9810798-1-4
Harare, 8. Oktober 2003. Aus: Briefe aus Simbabwe, von Kara Benson.
Liebe Hannah!
»Ich bin gespannt, wie du zurechtkommen wirst«, waren deine Abschiedsworte. Ich schulde dir schon seit längerem eine Antwort. Wie ich zurecht komme? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Stefan und mir geht es gut, aber ich stehe jeden Morgen mit der Frage auf: »Was mache ich hier eigentlich? Wozu diese ganze Entwicklungshilfe, unsere Mühen vor Ort, wo die kleine Oberschicht im Land offensichtlich wie die Made im Speck lebt? Wie lässt sich die Ignoranz dieser gierigen Geier ihrem eigenen Volk gegenüber erklären?« Bittere Armut und unerhörter Reichtum liegen in Harare, wo wir stationiert sind, nah beieinander: Bettler strecken ihre Hand aus, im Hintergrund stehen die prallvollen Regale der großen Supermarktketten; den Rasen vor einer riesigen Stadtvilla mäht ein alter, gebrechlicher Mann, dem die Schuhe fast von den Füßen fallen; ein dicker Mercedes parkt neben einem Stand, an dem Kinder, die eigentlich zur Schule gehen sollten, Tomaten verkaufen. Ich könnte meine Schilderungen endlos weiterführen. Diese unübersehbaren Gegensätze im Land gehen mir sprichwörtlich auf den Geist. Ich werde Zeit brauchen, um die Situation hier verstehen zu können. Die Herausforderung, sich mit den neuen Eindrücken auseinander zu setzen, wird aber auch stimulierend sein. Dafür werde ich, sollte Stefans Projekt nicht verlängert werden, ein Jahr Zeit haben. Zeit genug? Im Schatten des riesigen Flamboyants finde ich nun endlich Zeit und Muße, dir zu schreiben. Der Flamboyant zählt für mich zu den schönsten Bäumen Afrikas. Seine weit gefächerten Äste bilden einen natürlichen Sonnenschutz und seine feuerroten Blüten sind eine wahre Augenweide. Die Reise nach Simbabwe verlief ohne weitere Zwischenfälle, mit Ausnahme eines kleinen Problems zu Beginn, als ein Essens Container in der Ladeluke des Flugzeuges stecken blieb. Dieses so genannte kleine Problem hielt uns zwei Stunden in Atem. Dann konnten wir uns endlich auf den Weg nach Afrika machen. Der Flug über das arktische Schelfeis war ein fast unheimliches Erlebnis. Der Blick auf die unendliche Weite des Eises unter uns machte uns unsere Verletzlichkeit bewusst. Es gab nichts, an dem sich das menschliche Auge hätte orientieren können, so dass man das Gefühl hatte, recht niedrig zu fliegen. Für einen Non-Stop-Flug von vierzehneinhalb Stunden bekommt man bei Qantas recht wenig zu essen! Wenn sich nach der biologischen Uhr von 386 Passagieren die Zeit zum Abendessen ankündigt, macht die Crew das Licht aus, und alle werden auf Diät gesetzt. Fragt man nach, so erfährt man, dass nicht genügend Platz zur Verfügung stehe, um noch mehr Essen mitzuführen. Fliegt man mit Austrian Air oder South African Airways, so haben dieselben Flugzeugtypen dreißig bis vierzig Sitzplätze weniger. Ich bin mir sicher, dass diese Fluglinien mehr Essen an Bord haben. Daher mein Rat: Solltest du die Strecke Sydney-Johannesburg fliegen, versorge dich mit zusätzlichem Proviant, denn in vierzehneinhalb Stunden - die üblichen Verspätungen ausgenommen - musst du mit einer Hauptmahlzeit und einem kleinen Snack auskommen. Der Grund für diese missliche Situation? Nun, es gibt keine Konkurrenz auf dieser Strecke. So einfach ist das. Johannesburg ist den Städten Australiens sehr ähnlich dieselben Geschäftsketten prägen das Straßenbild. Daher entscheiden sich viele Simbabwer bei der Wahl ihrer neue Heimat für Australien, vor allem diejenigen, die weniger auf Neues und Unbekanntes aus sind. Während des Fluges nach Johannesburg saß eine Frau neben mir, die in ihre Heimat flog, um ihre Mutter zu besuchen. Mit ihrem Mann und ihren drei kleinen Kinder hatte sie Südafrika verlassen, damit ihre Kinder in eine friedlicheren Umgebung aufwachsen können. Sie waren in die Nähe ihrer Schwester und deren Familie nach Brisban gezogen. Sie sagte, sie würde niemals zurückkehren, weil sie von der Gewalt, die in ihrem Heimatland herrschte endgültig genug hatte. [...]
Dies ist ein Auszug aus: Briefe aus Simbabwe, von Kara Benson.
Titel: Briefe aus Simbabwe
Autorin: Kara Benson
Übersetzung: Bettina Weiss
Original: Letters from Zimbabwe
Verlag: kalliope paperbacks
Heidelberg, 2006
ISBN 9783981079814 / ISBN 978-3-9810798-1-4
Broschur, 11 x 19 cm, 140 pages
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Briefe aus Simbabwe
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