Bana Uleia. Ein Lebenswerk in Afrika. Aus den Tagebüchern eines alten Kolonialpioniers, von Otto Schloifer

Bana Uleia. Ein Lebenswerk in Afrika. Aus den Tagebüchern eines alten Kolonialpioniers, von Otto Schloifer. Verlag von Dietrich Reimer u. Andrews & Steiner. Berlin, 1939

Bana Uleia. Ein Lebenswerk in Afrika. Aus den Tagebüchern eines alten Kolonialpioniers, von Otto Schloifer. Verlag von Dietrich Reimer u. Andrews & Steiner. Berlin, 1939

Bana Uleia. Ein Lebenswerk in Afrika. Aus den Tagebüchern eines alten Kolonialpioniers, von Otto Schloifer. Aus dem Kapitel "Nach Bagamoyo"

Nachdem uns in den achtziger Jahren, dank der Initiative und der Tatkraft bedeutender Männer, ein schönes Kolonialreich beschert worden war, gingen die Wogen der Begeisterung hoch. Zu dieser Zeit, im Herbst 1891, wurde ich als junger Leutnant nach Berlin kommandiert. Durch Zufall geriet ich in die Kreise der Deutschen Kolonialgesellschaft. Namentlich der Verkehr mit den damals schon sehr bekannten Wißmann-Offizieren Rochus Schmidt und von Ramsay, sowie dem berühmten Afrika-Forscher Paul Reichard beeindruckte mich so, daß ich beschloß, selbst Afrikaner zu werden. Schon stand ich auf der Schutztruppen-Anwärterliste, als eine neue Verordnung herauskam, wonach man mindestens drei Jahre Offizier sein mußte, um sich melden zu dürfen. Ich wurde infolgedessen mit verschiedenen Leidensgefährten wieder gestrichen, da uns noch fast ein Jahr an dem vorgeschriebenen Alter fehlte. Während die andern sich entschieden zu warten, fuhr ich nach Ablauf meines Kommandos kurz entschlossen nach Koblenz, dem Sitz des Deutschen Antisklaverei-Komitees, um diesem meine Dienste anzubieten. Das Komitee, heute kaum noch dem Namen nach bekannt, unter dem Vorsitz des Fürsten zu Wied und des Fürsten zu Hohenlohe-Langenburg, war zu dem Zweck gegründet worden, den Sklavenjägern und Sklavenhändlern im Innern Afrikas zu Leibe zu gehen. Man hatte durch Sammlungen und durch eine Lotterie etliche Millionen zusammengebracht und beschlossen, je einen stählernen Dampfer, in Stücke zerlegt, nach dem Victoria-Nyansa und dem Tanganyika zu schaffen, um das zentralafrikanische Seengebiet, von wo die meisten Sklaven kamen, besser kontrollieren zu können. Wißmann war mit einer großen Expedition unterwegs, um den „Hermann von Wißmann" nach dem Tanganyika zu bringen, während der „Dr. Carl Peters" nach Bagamoyo gesandt und dort zunächst in einem Schuppen gelagert wurde. Ich kam nur noch für die Peters-Dampfer-Expedition in Frage. Meine Bewerbung wurde nicht ungünstig aufgenommen. Mir wurde allerdings bedeutet, daß ich nur als Freiwilliger (ohne Gehalt) engagiert werden könnte, womit ich mich einverstanden erklärte; anscheinend waren die Mittel damals schon knapp. Ich war kaum ein paar Monate in meinem Hagenauer Regiment, als ich die telegrafische Anfrage erhielt, ob ich bereit wäre, in acht Tagen von Hamburg auszureisen. In größter Eile wurde ein zweijähriger Urlaub unter Stellung a la suite meines Regiments betrieben, und ich war unendlich glücklich, als ich am 22. Juni 1892 an Bord des S.S. „Admiral" die erste meiner zehn Afrikareisen antreten konnte. Das Schiff war zwar klein; es hatte nur 3.000 t, während die neuen Dampfer der Deutschen Afrikalinien 17.000 t haben; aber wir waren alle stolz auf den Steamer. Dies war übrigens der erste „Admiral"; später gab es noch einen bedeutend größeren. Es ging nun auf dem üblichen, oft beschriebenen Wege über Amsterdam, Lissabon, Neapel, Port-Said, Suez-Kanal, Rotes Meer, Aden, um das Kap Guardafui herum in den Indischen Ozean. Am 25. Juli ankerten wir im Hafen von Tanga, der nördlichsten Station Deutsch-Ostafrikas, am nächsten Tage auf der Reede von Sansibar und am 27. in dem schönen Hafen von Daressalam. Die Stadt, obwohl noch im Anfangsstadium ihrer Entwicklung als Residenz begriffen, machte schon einen sehr netten Eindruck mit den sauberen, weißen Häusern zwischen Palmen und Mangobäumen unter tiefblauem Himmel. Allerdings heulten damals noch die Hyänen nachts am Strand und auf den Straßen, worauf oft ein heftiges Geschieße aus den Fenstern erfolgte. Hochinteressant war mir die Unterhaltung mit den alten Afrikanern, mit dem Adjutant Frhr. von Schrenck von Notzing, dessen Gast ich war, und insbesondere mit dem Kompanieführer Langheld, der im Sommer 1890 mit Emin Pascha und Dr. Stuhlmann zusammen nach dem Victoria-Nyansa marschiert und jetzt von dort zurückgekehrt war, um auf Urlaub zu fahren. Zu dem, was er und sein tadelloser Feldwebel Kühne, der gleich nach seiner Rückkehr vom Urlaub in einem Gefecht an der Küste fie, erzählten, paßte nicht recht, was mir der Gouverneur Frhr. von Soden erklärte: daß man jetzt schon ohne Askaris durch Afrika wandern könnte. Nach dreitägigem Aufenthalt ging ich von Bord des „Admiral" auf den kleinen Küstendampfer „Emin" über, der mich am 30. Juli nach Bagamoyo brachte. Beide Schiffe sollte ich nicht wiedersehen: der „Admiral" scheiterte an der spanischen Küste, der „Emin" ging in einem Sturm im Indischen Ozean mit Mann und Maus unter. In Bagamoyo hatte ich mich bei dem Vertreter des Antisklaverei-Komitees, Herrn Wyneken, zu melden. [...]

Dies ist ein Auszug aus: Bana Uleia. Ein Lebenswerk in Afrika. Aus den Tagebüchern eines alten Kolonialpioniers, von Otto Schloifer.

Titel: Bana Uleia
Untertitel: Ein Lebenswerk in Afrika. Aus den Tagebüchern eines alten Kolonialpioniers
Autor: Otto Schloifer
Verlag: Dietrich Reimer; Andrews & Steiner
1. Auflage, Berlin 1939
Original-Leineneinband, 16 x 24 cm, 345 Seiten, 93 sw-Fotos, 2 Kartenskizzen und 1 Faltkarte

Schloifer, Otto im Namibiana-Buchangebot

Bana Uleia. Ein Lebenswerk in Afrika. Aus den Tagebüchern eines alten Kolonialpioniers

Bana Uleia. Ein Lebenswerk in Afrika. Aus den Tagebüchern eines alten Kolonialpioniers

Bana Uleia. Ein Lebenswerk in Afrika. Aus den Tagebüchern des Kolonialpioniers Otto Schloifer der als Offizier und Unternehmer in Deutsch-Ostafrika wirkte.