15 Jahre Koloniales Bildarchiv, von Uwe Ulrich Jäschke et al.

15 Jahre Koloniales Bildarchiv: Entstehung und Entwicklung in der deutschen Periode 1884 bis 1914/15, von Uwe Ulrich Jäschke et al. Dresdener Kartographische Schriften, ISSN 1436-0004. Selbstverlag des Fachbereiches Vermessungswesen/Kartographie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (FH). Dresden, 2004
15 Jahre Koloniales Bildarchiv: Entstehung und Entwicklung in der deutschen Periode 1884 bis 1914/15, von Uwe Ulrich Jäschke et al.
Irmtraud Wolcke-Renk Uwe Ulrich Jäschke
Bestandsgeschichte des Kolonialen Bildarchivs
Im Zeitalter von Internet und digitaler Wissensvermittlung hat auch die Geschichtswis- senschaft die Photographie als Quellenmaterial zur Dokumentation historischer Lebensbe- dingungen und Ereignisse schätzen gelernt. Neben dem geisteswissenschaftlichen Aspekt solcher Photodokumente gibt es einen technisch-konservatorischen Aspekt. Photos werden in der Regel nicht durch tagtäglichen Gebrauch abgenutzt. Sie liegen meist, scheinbar wohl verwahrt, in Kästen und Photoalben an einem sicheren Ort. Trotzdem wird in der Regel der Erhaltungszustand von Photographien mit zunehmendem Alter immer schlechter. Im Gegensatz zu einem beliebigen Text, der kurz, bevor er endgültig unleserlich und zerstört wird, übertragen werden kann, ist ein Photo, dessen Bildinformation zerstört ist, unwiderruflich verloren. Mit beiden Problemkreisen, dem Zugang zu einer historischen Bildsammlung und den tech- nischen Aspekten der Archivierung, Sicherung und Verfügbarmachung einer solchen Samm- lung an der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main beschäftigen sich seit 1989 Wissenschaftler unterschiedlichster Fachrich- tungen. Im folgenden soll ein Überblick über die bisher geleistete Arbeit gegeben werden. Die photographische Dokumentation des täglichen Lebens und der geographischen-ethnographischen Besonderheiten auf Forschungsreisen und auf Missionsstationen war mit der Entwicklung einer handhabbaren Photoausrüstung schon in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts möglich geworden. Allerdings blieben die Aufnahmen im Besitz der jeweiligen Photographen, die sie zur Illustration ihrer Veröffentlichungen in Monographien und Zeitschriften benutzten. Mit dem Aufkommen der großen kolonial-agitatorischen Gesellschaften wurde das Bild zum Propagandamittel für die Werbung um deutsche Kolonien. Eine dieser Gesellschaften, die Deutsche Kolonialgesellschaft (DKG) war mit ihren bis zu 42.000 Mitgliedern der größte und einflußreichste Interessenverband der deutschen Kolonialbewegung. Sie bestand, wenn auch seit 1933 in den Reichskolonialbund eingegliedert, von 1882 bis 1943. Das wichtigste Mittel der Kolonial-Agitation war der Redevortrag, der schon in den 1880er Jahren gelegentlich wirkungsvoll durch private Glasplatten-Diapositive der Gastredner illustriert wurde. Dies veranlaßte die Gesellschaft 1891, mit zunächst rund 100 großformatigen Schwarzweiß-Diapositiven den Grundstock zu einer eigenen Bildsammlung zu legen. Nachlässe von Mitgliedern und Freunden der Gesellschaft sowie die Überlassung von Originalen oder Duplikaten aus heute größtenteils untergegangenen amtlichen, kommerziellen und privaten Sammlungen vergrößerten rasch den Bildbestand. Der durch die Bildsammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft abgedeckte Dokumentationszeitraum reicht von einzelnen Großplattenraritäten der 1860er Jahre bis zu den ersten Farbdias von Ende der 1930er Jahre. Die Hauptthemenbereiche sind Entdeckungs- und Forschungsreisen, Geologie und Bergbau, Vegetation und einheimische Landwirtschaft, Landschaften und Tierstudien, die Siedlungstätigkeit Einheimischer und Weißer, Schule und Mission, traditioneller Handel und Verkehr, Einführung moderner Verkehrsmittel (Hafenanlagen, Eisenbahnen, Straßen), die Wirtschaftsentwicklung durch Europäer, Schutztruppen und Aufstände. Die gleichen Themen werden beispielhaft auch für Kolonien anderer Staaten in Afrika, Asien, Australien und Ozeanien vorgestellt. Die Bildsammlung der DKG wurde gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in thüringische Bergwerke ausgelagert, dann dort von amerikanischen Truppen sichergestellt und schließlich, zusammen mit der aus etwa 15.000 Bänden bestehenden Bibliothek der Deutschen Kolonialgesellschaft (DKG), der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter ihrem damaligen Direktor Hanns Wilhelm Eppelsheimer übereignet. Die Gesamtzahl der Bilder beträgt nach vorläufigen Schätzungen etwa 55.000. Besonders wertvoll sind dabei die wenigen alten Großglasplatten-Negative, die handkolorierten Großdias und die frühesten Farbdias aus den überseeischen Gebieten. Durch Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Publikationen, der Tagespresse und im Internet wurde die Sammlung international bekannt. Privatpersonen und öffentliche Einrichtungen überließen kostenlos ihre Photobestände der Stadt- und Universitätsbibliothek zur Verfilmung und Veröffentlichung im Internet. Somit verfügt die Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt über eine breitgefächerte und wohl einzigartige kulturhistorische Bildsammlung der deutschen Kolonialaktivitäten, deren Sicherung und Erschließung ein hoher wissenschaftlicher Rang zukommt. [...]
Dies ist ein Auszug aus: 15 Jahre Koloniales Bildarchiv: Entstehung und Entwicklung in der deutschen Periode 1884 bis 1914/15, von Uwe Ulrich Jäschke et al.
Titel: 15 Jahre Koloniales Bildarchiv
Untertitel: Entstehung und Entwicklung in der deutschen Periode 1884 bis 1914/15
Herausgeber: Uwe Ulrich Jäschke
Reihe: Dresdener Kartographische Schriften, ISSN 1436-0004
Selbstverlag des Fachbereiches Vermessungswesen/Kartographie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (FH)
Dresden, 2004
Broschur, 26 x 32 cm, 66 Seiten, zahlreiche Abbildungen
Jäschke, Uwe Ulrich und Wolcke-Renk, Irmtraud und Schertler, Walter und Thiele, Kathleen und Moser, Jana und Lüthje, Uwe und Pietzsch , Eberhard im Namibiana-Buchangebot
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