Überleben in Namibia

Überleben in Namibia. 'Homelands' und kapitalistisches Weltsystem, die sozio-ökonomische Wirklichkeit Namibias der 1980er Jahre. Interessante Vergleichsmöglichkeit nach 30 Jahren Unabhängkeit.
Vesper, Michael
05-0712
3-921614-08-2
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Titel: Überleben in Namibia
Untertitel: "Homelands" und kapitalistisches Weltsystem
Autor: Michael Vesper
Reihe: ISSA-Wissenschaftliche Reihe, Band 17
Verlag: Informationsstelle Südliches Afrika
Bonn, 1983
ISBN 3921614082 / ISBN 3-921614-08-2
Originalbroschur, 15 x 21 cm, 273 Seiten

Zustand:

Noch gut. Einband mit Druckstelle und Lagerspuren. Bindung einwandfrei, inwendig sauber.
Selten.

Über: Überleben in Namibia

"Überleben in Namibia" will die sozio-ökonomische Wirklichkeit Namibias, wie sie in der Literatur üblicherweise gesehen wird, "vom Kopf auf die Füße stellen". Michael Vespers Interesse gilt den vergessenen Menschen, die in den offiziellen "Homelands" weitab vom "modernen" Geschehen, weitab von sozialwissenschaftlichen Analysen, arbeiten und produzieren. Seit Beginn der hundertjährigen Fremdherrschaft über Namibia verfolgen die jeweiligen Machthaber mit unterschiedlichen Mitteln stets das Ziel, die einheimischen Ressourcen, Boden, große Viehherden, Diamanten und Erze, vor allem aber die Menschen, optimal auszubeuten, in welchen Arbeitsverhältnissen auch immer. Das gilt noch heute.

Wie überleben die Menschen in den "Homelands" und in welcher Beziehung steht ihre Überlebensarbeit zur Akkumulation in der namibischen Gesamtökonomie? Eine Antwort ist weder einseitig auf Seiten der Subsistenzproduktion noch auf der der Warenproduktion zu finden; nur durch die Kombination verschiedenster ökonomischer Aktivitäten können die Menschen in den "Homelands" überleben. Geldeinkommen ist für sie zwar lebensnotwendig, weil die meisten Lebensmittel in den "Homelands" nicht direkt hergestellt werden (können); es wird jedoch nicht nur aus den Löhnen der Wanderarbeiter gespeist, sondern weit stärker aus kleiner Warenproduktion und Kleinhandel. Im Haus der namibischen Ökonomie sind Lohneinkommen keinesfalls dominierend.

Die Bedingungen der Lohnarbeit - in Form der Wander- und Kontraktarbeit - sind in Namibia besonders unmenschlich: das wirft die Frage auf, warum dennoch Lohnarbeitsverhältnisse auch in den "Homelands" als das ökonomische Modell schlechthin angesehen werden. Michael Vesper spricht auch Perspektiven und Alternativen an: für das Überleben in Namibia ist nicht der industriell organisierte Sektor entscheidend, sondern das scheinbar unproduktive, kleinbäuerliche, handwerkliche und Hausarbeitspotential. Wer diese lohnunabhängigen Menschen - die Mehrheit der Bevölkerung Namibias - bei Strategien zur Veränderung des schlechten Status quo ausblendet, läuft letztlich ins Leere.

Inhalt: Überleben in Namibia

I. Einleitung: Die Problemstellung
II. Die Homelands, ein „weißer Fleck" auf der Landkarte der Sozialwissenschaft
1. Die Homelands in der Sicht der Konstrukteure
2. Politische Legitimation und immanente Kritik

Ein Chief-Minister nimmt Stellung
Zweifel an wirtschaftlicher Lebensfähigkeit
3. Die Homelands in der Sicht ihrer Gegner
... bei Gefahr des Verhungerns
Dualistisches Modelldenken
Die Funktion der Homelands: Reservoir für Lohnarbeitskraft
„Entwicklungshilfe" für die Homelands
Die Arbeiter, das revolutionäre Potential
III. Koloniale Eroberung und Integration in die Weltwirtschaft
Zur Entstehung der Homelands
1. Die Anfänge der Fremdherrschaft: Handel, Viehraub und Vertreibung
Erste Schritte zur kolonialen Kontrolle: „divide et impera"
Die Besiedlung beginnt nur schleppend
Aber die Enteignung funktioniert: Bildung der ersten Reservate und Entwicklung zum großen Aufstand
2. Namibia wird Siedlungskolonie
Die Weißen nehmen das Land in Besitz
Die „Arbeiterfrage" und ihre Lösung
3. Der Raubbau an Rohstoffen und die Einführung der Homelands
Wirtschaftlicher Aufschwung
Internationaler Konflikt um Namibia
Zehn Homelands werden geschaffen
Widerstand
IV. Zur Wirtschaftsstruktur Namibias: Abhängigkeit und Segregation
1. Arbeitsmarkt und Beschäftigung

Wie viele Menschen leben in Namibia?
Die Erwerbsbevölkerung
Zu den Arbeitsbedingungen der Schwarzen
2. Die Wirtschaftssektoren
Landwirtschaft
Bergbau
Verarbeitende Industrie
Dienstleistungen
3. Zur außenwirtschaftlichen Abhängigkeit Namibias
Der Außenhandel
Ausländisches Kapital in Namibia
Fremde Verwaltung, abhängige Infrastruktur
V. Homeland-Produktion und Kapitalakkumulation
1. Die Homelands in Namibia

Ovamboland
Hereroland
Namaland
Damaraland
2. Überleben in den Homelands
Lohneinkommen
Einkommen aus Warenproduktion und Kleinhandel
Einkommen aus Subsistenzproduktion
Transfer- und Renteneinkommen
3. Zum Verhältnis von entlohnter und nicht-entlohnter Arbeit
4. Die Homelands: das „Haus" der namibischen Ökonomie

VI. Literaturverzeichnis
VII. Anhang

1. Die Schutzverträge — drei Beispiele
2. Die politische Entwicklung der letzten Jahre in Stichworten

Tabellen
1. Landverteilung in Namibia (111904)
2. Heutige Landverteilung in Namibia
3. Bevölkerung Namibias (1977)
4. Regionale Verteilung der Bevölkerung (1977)
5. Verteilung der weißen Erwerbsbevölkerung (1977)
6. Verteilung der schwarzen Erwerbsbevölkerung (1977)
7. Arbeitsformen der schwarzen Erwerbsbevölkerung (1977)
8. Die schwarze Erwerbsbevölkerung außerhalb der Landwirtschaft (1977)
9. Das Bruttoinlandsprodukt Namibias in jeweiligen Preisen (1970-1979)
10. Strukturschema zum landwirtschaftlichen Produktionsbereich
11. Vermarktete landwirtschaftliche Produkte (1977/78)
12. Wert des namibischen Warenexports (1977—1980)
13. Einkommensstruktur der Haushalte in den Homelands
Schaubilder
1. Phasen kolonialer Herrschaft in Namibia
2. Strukturdiagramm der namibischen Ökonomie
3. Subsistenz- und Warenproduktion als Paradigma