Titel: Die Hottentottin
Untertitel: Das kurze Leben der Zara Schmelen (ca. 1793–1831). Missionsgehilfin und Sprachpionierin in Südafrika
Autorin: Ursula Trüper
Rüdiger Köppe Verlag
Köln, 2000
ISBN 978389645316 / ISBN 978-3-89645-316-7
Broschur, 16 x 24 cm, 195 Seiten, 1 Karte, 30 s/w-Fotos, Personen- und Ortsregister
Sehr gut, wie neu.
Im Jahre 1814 heiratet ein 36jähriger deutscher Missionar auf einer Erkundungsreise in den Süden des heutigen Namibia eine etwa 20jährige Frau aus seiner afrikanischen Gemeinde, die er wenige Monate zuvor kennen gelernt und getauft hatte. Sie hilft ihm bei der Übersetzungsarbeit, gebärt ihm vier Kinder und stirbt im Jahre 1831. Aus dieser kleinen Geschichte hat Ursula Trüper ein interessantes Buch gemacht, indem sie die wenigen bekannten Daten über die Afrikanerin und ihren deutschen Mann zusammengestellt hat. Der Missionar, Johann Hinrich Schmelen, der 1811 im Auftrag der Londoner Missionsgesellschaft nach Südafrika gekommen war, gilt in Nachschlagewerken als Pionier der Erforschung der Nama-Sprache sowie der Missionierung Namibias; seine Frau Zara wurde bisher hingegen kaum erwähnt. Es wird hier deutlich, wie leicht der afrikanische Beitrag zur missionarischen Unternehmung sowie der Beitrag von Frauen zur Afrikaforschung im 19. Jahrhundert übersehen worden sind.
Wenn afrikanische Christen überhaupt, auch im frühen 20. Jahrhundert, thematisiert wurden, dann geschah das meist in der Form relativ stereotyper Hagiographien, weil diese gerne in Europa gelesen wurden. Zugleich führten die Konventionen des Buchwesens meist dazu, dass bis zum 20. Jahrhundert die Afrikaforschung eine weitgehend männliche Domäne blieb. Auch wenn die in einem Buch enthaltenen Kenntnisse z.T. von einer Frau entdeckt wurden, stand in den meisten Fällen nur der Name ihres Ehemannes auf dem Titelblatt. Zweitens erkennt man hier die besondere Problematik missionarischer Quellen, die für eine klar definierbare Leserschaft und mit einem klaren Ziel geschrieben wurden. Welche verzerrende Wirkung der hagiographische Ansatz haben konnte, zeigt sich zum Beispiel wenn man die fromme, für die Öffentlichkeit bestimmte Darstellung des Todes von Zara Schmelen durch ihren Ehemann mit anderen Quellen vergleicht, die nicht mit der Absicht einer Veröffentlichung geschrieben wurden.
Schließlich erfahren wir etwas über die Missionarsfamilie. Im Vordergrund der Diskussion über Frauen und Mission stand bis vor kurzem die Frage, ob Missionen den „Export eines europäischen Frauenideals" gefördert hätten. Vergessen wurden dabei oft jene Missionare, die schon im 19. Jahrhundert - trotz der Warnungen ihrer Landsleute - eine „nicht-weiße" Frau geheiratet haben. Ursula Trüper hat die relevanten Archivquellen in London, vor allem jene der London Missionary Society (heute Teil des Archivs des Council for World Mission) sorgfältig ausgewertet. Die Anhänge enthalten ausführliche Auszüge aus gedruckten und ungedruckten Primärquellen, die es ermöglichen, die Geschichte Zaras und ihres Mannes im zeitgenössischen Kontext zu sehen. Hier haben wir ein Stück afrikanischer Sozialgeschichte, ein Stück deutsch-britischer Missionsgeschichte, aber vor allem einen Beweis, dass beide unzertrennbar sind. Adam Jones Universität Leipzig
Vorwort
Karte: Die Kapkolonie zu Beginn des 19. Jahrhunderts
Einführung
Missionare als Chronisten der vorkolonialen
Geschichte Namibias
Eine Gesellschaft im Umbruch
Missionare als Experten für europäisches Know-How
Eine neue afrikanische Elite im Umfeld der Mission
Frauen als Missionsgehilfinnen
Zara Schmelen in ihrer Zeit - eine Chronik
Einige Anmerkungen zur Sprachregelung
Und darum haben ihnen die Holländer den Namen
„Hottentott" gegeben - Die Sprache der Khoikhoi
Die unsichtbare Frau
„Basters", Orlam, Nama - die Bevölkerung des Klein-Namalandes
Die „Basters"
Die Orlam
Die San
Die Nama
Dama und Herero
Klein-Namaland zu Beginn des 19. Jahrhunderts
Die „Afrikaner"
Beginn der Mission im heutigen Namibia
Johann Hinrich Schmelen
Schmelen beginnt seine Missionstätigkeit
„Jedes Rad ist in Bewegung für die Bekehrung der unsterblichen Seelen..."
Missionsgehilfen und die ersten Taufen
Chiefs und Missionare: Jager Afrikaner, John Campbell, Robert Moffat
Wäre ich geblieben, wie ich war, ich wäre in Gefahr gewesen - Schmelens Reise nach Groß-Namaland und Heirat
Die Londoner Missionsgesellschaft und die Khoikhoi
Über die Notwendigkeit für einen Missionar zu heiraten und über die Vorzüge einer Hottentotten-Schwester als Ehefrau
Die Missionsstation Bethanien
„Ihre Ohren sind verstopft und ihre Herzen sind verhärtet - Konflikte
Ein Angriff auf Zara Schmelen
Die Auseinandersetzungen spitzen sich zu
Schmelen versucht, nach Bethanien zurückzukehren
Ende der Übersetzungsarbeiten und Zara Schmelens Tod
Elisabeth Bam
Anhang
1. Die Geschichte der Gemeinde zu Steinkopf
2. Missionar Albrecht schildert Groß-Namaland
3. Die Plünderung der Missionsstation Warmbad durch Jager Afrikaner
4. Missionar Ebner schildert eine Reise im Ochsenwagen
5. Alltag auf einer Missionsstation
6. Schmelen zieht Missionsgehilfen heran und tauft eine Frau namens Zara
7. Schmelens Reise nach Groß-Namaland
8. Johann Hinrich Schmelen teilt seinen Vorgesetzten in London seine Verheiratung mit
9. Robert Moffat: Reise mit Jager Afrikaner nach Kapstadt
10. Ein Angriff auf Zara Schmelen
11. „Da meine Frau von Anfang an meine Assistentin war, hat sie nun mehr Wissen über die Sprache als jeder andere." - Beginn der Übersetzungsarbeiten
12. Fortsetzung der Übersetzungsarbeiten
13. Bericht Schmelens über seine Reise nach Walvis Bay
14. Brief des Missionars Schmelen an seinen Kollegen Kitchingman
15. Schmelen zieht Bilanz
16. Tod von Zara Schmelen
Quellenhinweise
Bildnachweis
Bibliographie
Namens- und Ortsregister