Die Welt der Kxoe-Buschleute im südlichen Afrika Teil 1

Die Kxoe-Buschleute und ihre ethnische Umgebung
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Die Welt der Kxoe-Buschleute im südlichen Afrika Teil 1

Untertitel: Die Kxoe-Buschleute und ihre ethnische Umgebung
Autor: Oswin Köhler
Dietrich Reimer Verlag
Berlin, 1989
Leineneinband mit Schutzumschlag, 21x30 cm, XLVIII und 605 Seiten, 19 farb., 3 sw-Abb., 7 Tabellen, 3 Karten


Beschreibung:

Der erste Band umfaßt den Teil I von Oswin Köhlers Kxoe-Dokumentation. Den Kxoe-Texten geht eine ausführliche Einleitung über die Geschichte der Buschmann-Forschung und über das Ziel und die Methoden der Textsammlung voraus.

In ihr nimmt das Kapitel „Darstellung der oralen Texte in der Schrift" einen breiten Raum ein.

In den Texten dieses Bandes wird die Geschichte und Gegenwart des Kxoe zum erstenmal aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen dargestellt.

Auf den originalen Wortlaut des Sprechers der Informanten folgt dabei jeweils die deutsche Übertragung mit zahlreichen Anmerkungen.

Die Textsammlung beginnt mit der Beschreibung der endogen und exogen gebrauchten Namen, unter denen die Kxoe bekannt sind. Da das Heimatland der Kxoe in Buma in Angola auf allen Karten eine terra incognita ist, wurden die Informanten aus Buma nach Namen und Lage ihrer verlassenen Wohnplätze befragt. In mühsamer Arbeit rekonstruierte der Autor eine Karte des früheren Lebensraumes der Kxoe.

Texte über benachbarte Buschmann-Ethnien führen zum Kapitel der Kontakte der Kxoe mit den Bantu. Durch die orale Tradition gewinnt der Historiker u. a. Einblick in die Landnahme von Buma durch die Mbukushu und in den Sklavenhandel, in dem Kxoe von den Mbwela und Mbari geraubt oder von den Kxoe selbst an sie gegen Waren der Weißen verkauft wurden.

Der Kxoe-Mann Ndö lernte beim Autor Kxoe zu schreiben, führte 1978 eine Befragung des ehemaligen Sklaven Amku durch und protokollierte die Befragung, die in einem der Texte wiedergegeben wird. Die Textsammlung schließt mit aufschlußreichen Texten über „Die Begegnung mit den Weißen und ihren Einrichtungen".
Aus dem Vorwort:

Mit der Veröffentlichung des vorliegenden ersten Bandes der Textsammlung "Die Welt der Kxoe-Buschleute im südlichen Afrika" erfülle ich die Aufgabe, das Vermächtnis afrikanistischer Forschung nach dem oben zitierten Verständnis meines verehrten Lehrers DIEDRICH WESTERMANN am Beispiel der Buschmann-Forschung an die kommende Generation weiterzugeben und zum besseren Verständnis aller Menschen und ihrer Kulturen beizutragen.

Um mich diesem Ziel zu widmen, fand ich um die Mitte unseres Jahrhunderts in keiner Region des in schnellem Wandel begriffenen Kontinents ein Thema, das unter den Forschungsprioritäten an der gleichen hohen Stelle stand wie das Studium der als Jäger und Sammler noch traditionell lebenden letzten Buschleute in ihrer eigenen Welt. Mit der Prähi-torie des Menschen in Afrika offenbar enger verbunden als die Nachfahren zahlreicher anderer Völker des "Dunklen Kontinents", waren sie es, die Eigenheiten und Geheimnisse von Sprachen und Kulturen in lebendiger Fülle bewahrten und uns als Erbe aus grauer Vorzeit überbrachten.

Viele ihrer Sprachen und Kulturen sind nach den spärlichen Nachrichten, die wir besitzen, seit dem Vordringen der Khoekhoe-Hirten in den Süden Afrikas und seit der Zeit der Einwanderung der Bantu in den Lebensraum der autochthonen Saaiden in einem allmählichen, aber unaufhaltsamen Prozeß der Verdrängung und Mischung geschwunden.

Als in einer neuen Epoche der Geschichte Afrikas weiße Menschen nach ihrer Landung am Kap der Guten Hoffnung seit dem 17. Jh. nach und nach große Gebiete im Süden und später auch im Norden des Oranje in Besitz nahmen, zog sich eine Generation nach der anderen der gelbbraunen Jäger und Sammler vor den besser bewaffneten fremden Jägern und Siedlern in kaum zugängliche Gebiete zurück, wo Kargheit und Ungunst der Natur ihr Überleben erschwerten und wo sie schließlich ihren Verfolgern unterlagen.

Artefakte oder Gravierungen und Malereien auf Fels sind oft die einzigen Spuren, die uns an ihre Existenz erinnern, die - am Horizont der Zeit gemessen -, in eine Jahrtausende lange Vergangenheit führt, in der die heute in Sprache und Kultur gegebene Identität der Buschmann-Ethnien erst in der Entstehung war.

Der wachsende zivilisatorische Einfluß der Europäer zwischen dem Kap und den Drakensbergen hat vor allem seit Beginn des 19. Jh. den Verfall und Untergang von Buschmann-Kulturen und der Sprachen der Träger dieser Kulturen beschleunigt, wie uns ergreifende Berichte von Zeitzeugen etwa am Beispiel der IXam-Buschleute der Kapkolonie oder der Maluti-Buschleute der Drakensberge vor Augen führen. In diesem historischen Ablauf ließ der Umfang der Fremdeinflüsse den traditionellen Wildbeutern zu wenig Zeit zur Anpassung.

So zeigte das Buschmanntum bereits gegen Ende des 19. Jh. deutliche Zeichen seines Verfalls, bis es im ersten Viertel des 20. Jh. bei den IXam ganz schwand. Um diese Zeit näherte sich auch das Ende der in der südlichen Namib lebenden Buschmann-Gruppen, über deren Sprache keine Aufzeichnung vorliegt. Nur eine überkommene Bilddokumentation6 läßt vermuten, daß es sich - nach dem Biotyp zu urteilen - um Buschleute handelt, die aus der Südregion kamen und sprachlich vermutlich der IWI-Familie angehörten.

Kein besserer Beobachter als WILHELM BLEEK hat den Untergang der Kultur der IXam-Buschleute bereits um die Mitte des 19. Jh. vorausgesehen, als er sich dem Studium des IXam widmete. Der südafrikanische Historiker MCCALL THEAL, der BLEEKS Begeisterung für dieses Studium und WILHELM BLEEK persönlich kannte, bemerkt:

"in 1870 a favourable opportunity of studying the Bushman language occurred, of which Dr. Bleek at once availed himself, knowing that in the few wild people left he had before him the fast dying remnant of a primitive race, and that if any reliable record of that race was to be preserved, not a day must be lost in securing it."

Nicht überall verliefen der Verfall und Untergang von Kulturen und Sprachen der Buschleute gleich schnell. Es gab und blieben unwegsame Rückzugsgebiete, in denen traditionelle oder quasitraditionelle Kulturen überlebten und sich behaupteten, bis geländegängige Fahrzeuge auch in die Gegenden vordrangen, die in der ersten Hälfte des 20. Jh. nur auf Fußpfaden zu erreichen waren.

Gab es Tauschhandel zu allen Zeiten, so nahm er mit den Wanderarbeitern zu, die auf abgelegenen Buschpfaden in ihre Heimat zurückkehrten. So lernten die Buschleute schließlich manche neue Dinge kennen, die aus der Welt der Weißen kamen. Die Wanderarbeiter hatten gegen "Geld", das den Buschleuten in ihren Rückzugsgebieten unbekannt war. Decken, Becher, Schüsseln aus Blech, Kattun für ihre Frauen und metallene Löffel als Geschenk für die Großen gekauft, was nicht nur die Neugierde der Jäger und Sammler aufsich zog.

Es löste auch ihre Bindung zu den Dingen, die die Buschleute mit den Mitteln ihrer natürlichen Umgebung und mit eigenen Kräften zu ihrer materiellen Ausrüstung herstellten. So verließen sie Familie und Heimat und zogen, um durch Lohnarbeit in den Besitz von "Geld" zu gelangen und es im "Store" gegen Kleidungsstücke der Welt der Weißen und gegen Gebrauchsgegenstände, vor allem nichtzerbrechliche Gefäße, aber auch gegen Glasperlen "einzutauschen".

Auf diese Weise entstand in den letzten Rückzugsgebieten eine neue Mobilität, in der durch Lohnarbeit die Fellkleidung durch Kattun, Kalebassen allmählich durch Blechgefäße und bei den Jagdwaffen Teile aus Hom, Knochen oder Holz durch Eisen ersetzt wurden. Aber all diese Vorgänge verliefen bei den noch traditionell lebenden Buschmanngruppen je nach ihrem Kontakt mit der Außenwelt verschieden. [...]