| Autor: Helmut zur Strassen Verlag: Gamsberg Macmillan Windhoek o. J. Die erste Auflage erschien 1995 Broschur, 18x24 cm, dreisprachig (afrikaans, englisch, deutsch), 53 Seiten, 46 Abbildungen Vorstellung des Verlages zur dritten Auflage: Seit geraumer Zeit schon war die zweite Auflage dieser kleinen Spuren- und Fährtenfibel vergriffen. Nun aber hat während der gerade vergangenen Jahre eine stattliche Zahl von Farmern sich auf die Jagd zu Erwerbszwecken ein- und umgestellt. Die Gesetzgebung verlangt, daß solche Farmer eine Prüfung ablegen müssen bevor sie als Jagdführer oder Berufsjäger auftreten dürfen. Möge die hier vorliegende etwas verbesserte dritte Auflage weiterhin bei der Identifizierung der zahllosen Fußabdrücke und Fährtenbilder in Busch und Veld helfen. Vorwort von Volker Grellmann: Liebe Jagd- und Umweltfreunde, Vor vielen Jahren trat Helmut zur Strassen bei einer der ersten Veranstaltungen unserer Jägerschule als Gastredner auf. Das Thema war: "Spuren und Fährten". Er hielt seinen Vortrag in der ihm eigenen unnachahmlichen Weise und führte sehr viele von uns in die feineren Künste des Fährtenlesens ein. Dabei forderte er uns immer wieder auf, noch aufmerksamer im Buche der Natur zu lesen. Sein "Handbuch" hat vielen, wenn nicht allen Anwärtern der Jagdführer- und Berufsjägerprüfung geholfen, diesen Abschnitt der staatlichen Prüfung erfolgreich abzulegen. Es ist und bleibt das bedeutendste Nachschlagewerk auf diesem Gebiet. Im Umweltschutz und in der Wildnutzung findet das Spurenlesen heutzutage viele praktische Anwendungen. Tatsächlich gewinnt man erst durch das richtige Interpretieren der Fährten wirklich Einblick in das ungestörte natürliche Verhalten der wilden Tiere. Für alle, die gern in der freien Natur sind, ist es wichtig, ihre Zeichen erkennen zu können. Eines Tages hängt vielleicht ein Menschenleben davon ab, daß wir Spuren richtig lesen. Abgesehen davon, macht es sehr viel Spaß die Fährte eines individuellen Tieres verfolgen und deuten zu können. Diese überarbeitete Neuauflage ist lange überfällig und wird, wie vorige, allen, die sich gern in der Natur aufhalten, von grossem Nutzen sein. Eine Spur erfolgreich verfolgen zu können, erfordert sehr viel Übung. Diese Neuauflage ist ein zuverlässiger Begleiter bei den ersten Schritten in dieser Richtung. Einleitung des Autors: Durch Wälder und Wiesen, über Steppen und Savannen, durch lichtes Buschveld und fast undurchdringliche Dickungen zieht bei Tag und bei Nacht in aller Welt eine unfaßbare Vielfalt von Wildtieren ein Netz von Spuren und Fährten. Welch täglich sich erneuernde Freude ergibt sich daraus für den, der es versteht, im Fährtenbuch der Natur zu lesen wie in einem aufgeschlagenen Bildband! Welch ein Erlebnis, frühmorgens durch ein Revier zu pirschen, und an Hand der Spuren die Begebenheiten der Nacht, das Leben und Sterben der Tiere, das Töten und Geborenwerden nacherleben zu können! Doch was für den Naturfreund Erlebnis und Freude ist, wird für den weidgerechten Jäger zur unbedingten Notwendigkeit Er muß nicht nur über die Fährtenbilder alles im Revier stehenden Wildes genau Bescheid wissen, er muß an Hand der Schalen- oder Prankenabdrücke im Boden das Wild ansprechen, muß Schlüsse ziehen können auf Größe und Gewicht des Tieres. Er muß sich auf der Rotfährte eines angeschweißten Stückes genau über das Verhalten des Gesuchten orientieren können. Und das gilt vor allem dort, wo die Jagd auf wehrhaftes Großwild, wie Elefanten, Büffel oder Löwen, oft eine nicht zu unterschätzende Gefahr für den Jäger mit sich bringt, hier in Afrika! Nicht immer sind gute Fährtensucher oder geeignete Hunde bei der Hand. Gerade hier, im trockenen namibischen Klima, versagen oft selbst die besten Hunde. Wieviel angeschweißte Stücke Wild mögen jedes Jahr in aller Welt elend verludern nur weil der Jäger die Fährte nicht halten kann oder zu lesen versteht! Ich hatte das große Glück, jahrelang einen ausgezeichneten Buschmann-Fährtensucher auf der Pirsch zur Seite zu haben. Selbst dann, wenn die Temperaturen im Schatten auf 45 Grad Celsius anstiegen, wenn die ermüdete Meute sich hechelnd in den spärlichen Schatten der Dombüsche drückte, führte der Eingeborene mich meist zügig und sicher weiter. Er besaß nicht nur hervortagende Augen, sondern auch eine umfassende und genaue Kenntnis aller Spuren und Fährten. Wie oft hat mich der Buschmann durch seine Beobachtungen und Schlußfolgerungen in Erstaunen versetzt Wie unendlich viel habe ich von ihm während Hunderter von langen Pirschtagen gelernt, und doch wußte ich oft nicht weiter, wenn ich, völlig auf mich selbst angewiesen, einer Rotfährte folgen mußte! Darum beachtet meinen Ruf: "Jäger, seid färtengerecht!" Dieses Buch nun soll jedem, der in Namibia jagen und pirschen will, einen Eindruck vermitteln von der Vielfalt und Buntheit der Bilder im Färtenbuch der Natur. Zu den vorliegenden Fährten-Bildtafeln sind ein paar Erläuterungen notwendig. In jahrelanger, oft recht mühevoller Kleinarbeit ist es mir gelungen, eine fast vollständige Sammlung von Gipsabgüssen der Fährten und Spuren des namibischen Hoch- und Niederwildes zusammenzutragen. Die hier vorliegenden Zeichnungen sind natur- und größengetreue Kopien jener Modelle. Dem einen oder anderen mögen manche der Schalenwildfährten als zu groß dargestellt erscheinen. Der Kenner weiß, daß die Größe der Schalen abhängig ist von der Beschaffenheit des Bodens, auf dem das Wild steht In den Bergen mit hartem, steinigem Veld sind die Fährten naturgemäß kleiner als in Gebieten, in denen loser Sandboden überwiegt, wie zum Beispiel im Norden und Nordosten des Landes - im Sandveld. Dort ist die Abnutzung der Schalen nicht so groß. Und aus dem Sandveld stammen die meisten der obengenannten Gipsabgüsse. Die Fährten von Elefant, Nashorn und Flußpferd mußten in verkleinertem Maßstab abgebildet werden. Steppenzebras (Burchells Zebra), die in hartem Veld relativ kleine, runde Fährten hinterlassen, haben vor allem im Sand östlich der Etoschapfanne kaum Gelegenheit, den Hufkranz abzutreten. Ausgefranste Hufe mit seitlich aufgerollten oder auch abgebrochenen Hornspänen sind dort daher keine Seltenheit. Die glasharten Hufe der Bergzebras (Hartmann's Zebra) sind kleiner und zierlicher als die der Steppenzebras. Im allgemeinen zeigen die Fährten der Bergzebras keinen Hufstrahl. Jedoch stammt der Gipsabguß, nach dem die vorliegende Zeichnung angefertigt ist, aus einer Staubsuhle mit pulverfeinem Kalkstaub. Und diese Fährte zeigt deutlich einen Hufstrahl, der aus diesem Grunde hier mit eingezeichnet ist. Der Klippspringer, der beinahe auf den Spitzen seiner hartgummiartigen Schalen steht, hinterläßt im Boden nichts weiter als zwei länglich ovale, fast parallel liegende Vertierungen. Schalenwild, das über weichen, regennassen Boden wechselt, hinterläst mitunter auch Abdrücke der hochliegenden Afterklauen, häufig zu beobachten vor allem beim Warzenschwein (siehe Zeichnung), beim Streifengnu und der Kuhantilope. Beim Raubwild sind zu unterscheiden: Tiere, die nageln, das heißt, diejenigen, die ihre Krallen mit in den Boden eindrücken, und solche, die nicht nageln. Keine Kralleneindrücke zeigen die Fährten der Katzen und Schleichkatzen (u.a. Genetten). Die einzige Ausnahme macht der Gepard, der seine langen, gebogenen Krallen nicht einziehen kann. Erwähnt werden muß auch der Kapfuchs (Chama-Fuchs), der eine nur sehr schwach zu erkennende Fährte zieht, da er zwischen Ballen und Zehen dichte Haarbüschel trägt. Die abgebildete Spur der Schildkröte mag vielen eigenartig erscheinen. Im allgemeinen sieht man zur zwei parallel verlaufende Reihen von Vertiefungen im Boden. Die vorliegende Spur stammt aus allerfeinstem, feuchtem Schwemmboden am Rande eines Wassertümpel. Mitunter findet man auch Verformungen der Fährten oder artfremde Linien im Boden; der fährtengerechte Jäger weiß dann, daß das betreffende Wild irgendwann einmal eine Verletzung davongetragen hat. Zur Abbildung: Der Vorderlauf (unterhalb) und Hinterlauf eines Stachelschweins. Fährtenbild: Vorderlauf ist fast immer vom Hinterlaufbild zertreten. |