Wilhelm Sander

Ernst Julius Wilhelm Sander (1860-1930) war ein deutscher Architekt und Bauunternehmer in Südwestafrika.

Ernst Julius Wilhelm Sander (1860-1930) war ein deutscher Architekt und Bauunternehmer in Südwestafrika.

Ernst Julius Wilhelm Sander (1860-1930) war ein deutscher Architekt und Bauunternehmer in Südwestafrika.

Wilhelm Sander wurde am 10.12.1860 als Sohn des Schmiedemeisters Julius Wilhelm Sander und dessen Ehefrau Friederike Dorothea Emilia Sander, geb. Zeitler, (1823-1903) in Berlin geboren. Er absolvierte bis 1886 das Baufach an der Baugewerbeschule in Höxter in Westfalen und war danach in Berlin-Lichterfelde tätig, wo er als bekennender Anhänger der altdeutschen bürgerlichen Städtearchitektur von 1892 bis 1895 ein eigenes Stadthaus und weitere Villen in der Villenkolonie plante und errichten ließ. Am 14.12.1889 heiratete Wilhelm Sander Pauline Therese Elisabeth Eck (1870-1910) in Berlin. Bald danach geriet Wilhelm Sander wegen der hohen Baukosten und Hypothekenbelastung in finanzielle Schwierigkeiten und verkaufte sein eigenes Haus am 29.2.1902 an den Berliner Geschäftsmann Paul Emisch, das seitdem weithin als „Paul-Emisch-Haus" bekannt ist. Das Haus, eines der schönsten und originellsten Häuser seiner Klasse in Berlin, wurde 1973 mit Hilfe der „Berliner Stadtpflege" restauriert und erhielt den ursprünglichen Anstrich und die von Wilhelm Sander entworfenen Außenmalereien. Am 22.09.1901 reiste Wilhelm Sander mit einem Arbeitsvertrag der Deutschen Kolonialgesellschaft auf dem Dampfer 'Somali' der Deutsche Ost-Afrika-Linie (Kapitän Birch) von Hamburg nach Swakopmund, wo er etwas vier Wochen später eintraf. Seine Ehefrau weigerte sich, ihm die deutsche Kolonie zu folgen und verblieb in Berlin, wo sie am 04.12.1910 verstarb. In Deutsch-Südwestafrika entfaltete der Architekt und Baumeister eine bis heute sichtbare reiche Planungs- und Bautätigkeit: Das Kaiserliche Bezirksgericht und der Bahnhof in Swakopmund wurden von dem Architekten Carl Schmidt geplant, nachdem diesem die Bauaufträge entzogen worden waren, von Wilhelm Sander vollendet. Das Elisabeth-Haus ("Storchennest") in Windhoek (1906 und 1914), der Erkrath-Gatheman-Kronprinz-Gebäudekomplex (1911/1913), die heutige Orban-Schule (1912), die Windhuker Stadtburgen, die Heinitzburg (richtig: Heynitzburg), die Schwerinsburg und die Sanderburg gehören zu seinen Werken. In vergleichbarem Stil schuf Wilhelm Sander von 1907 bis 1908 im Auftrag von Barons Hansheinrich von Wolf das sogenannte Schloss Duwisib südwestlich von Maltahöhe, ferner die Deutsch-Lutherische Kirche in Keetmanshoop (1928-1930). Das Windhuker Verwaltungsgebäude, den sogenannten „Tintenpalast“, errichtete er 1913 als Teilinhaber der Baufirma „Sander & Kock" nach Plänen des Regierungsbaumeisters G. Redecker. Wilhelm Sander lebte bis Oktober 1916 selbst in der Heynitzburg, die diesen Namen jedoch erst nach dem Verkauf an den Grafen Bogislav von Schwerin, der damit die Familie seiner Ehefrau, Gräfin Margarete von Schwerin, geb. von Heynitz, ehrte, erhalten sollte. Im Jahr 1921 ging Wilhelm Sander mit Else Fröbel seine zweite Ehe ein und lebte mit ihr, bis zum gemeinsamen Umzug nach Lüderitzbucht im Jahr 1922, in der von ihm in den Jahren 1917 bis 1919 erbauten 'Sanderburg'. In Lüderitzbucht verstarb der herzkranke Architekt am 27.11.1930. Im einem Nachruf würdigte ihn die „Allgemeine Zeitung":

„Willy Sander, der kurz vor Erreichung seines 70. Lebensjahres starb, er hätte am 10. Dezember das biblische Alter erreicht, kam vor mehr als einem Menschenalter aus Berlin, wo er als Architekt tätig war, nach Südwest und war bald einer der gesuchtesten Bauunternehmer, nicht nur wegen der gediegenen Ausführung der von ihm übernommenen Bauten, sondern besonders auch wegen des sicheren Geschmacks, den er beim Entwurf der Fassaden und des ganzen Äußeren seiner Bauten entwickelte. Sein allzeit freundliches und aufgeräumtes Wesen im Verein mit dem Charakter, an dem kein Falsch war, sicherte ihm in kurzer Zeit nicht nur die Achtung, sondern auch die aufrichtige Freundschaft vieler seiner Mitbürger. Das ursprüngliche Stadtbild Windhoeks, wie es noch vor wenigen Jahren bestand, war, was die Architektur anbelangt, in der Hauptsache seine Schöpfung. Er wußte seine Bauten der afrikanischen Landschaft anzupassen, ohne sich von der anfänglich auch hier eingedrungenen sogenannten afrikanischen Bauweise beeinflussen zu lassen; er verstand es vielmehr, reizvolle architektonische Motive aus der alten Heimat mit der afrikanischen Sonderart seiner Architektonik organisch zu verbinden: mit einfachen, und wenig kostspieligen Mitteln war er imstande, behagliche und geschmackvolle Innenräume zu schaffen."

Wilhelm Sander, Angehöriger der Kaiserlichen Schutztruppe während des Hereroaufstandes von 1904 und ehemaliger Stadtrat Windhoeks, verstarb offenbar kinderlos und wurde in Windhoek bestattet. Zahlreiche biographische Details seines Lebens sind der Recherche Dr. Nikolai Mossolows zu verdanken, der die erste Kurzbiographie Wilhelm Sanders im Afrikanischen Heimatkalender (1979) veröffentlichte.


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