Leo Graf von Caprivi

Der preußische Offizier Georg Leo Graf von Caprivi (1831-1899) war der Nachfolger Otto von Bismarcks als Reichskanzler (1890-1894).

Der preußische Offizier Georg Leo Graf von Caprivi (1831-1899) war der Nachfolger Otto von Bismarcks als Reichskanzler (1890-1894).

Rittergut Rittergut Skyren im Landkreis Crossen (Oder) in der Provinz Brandenburg. Altersitz und Sterbeort des Leo Graf von Caprivi. (Ansicht von 1914)

Rittergut Rittergut Skyren im Landkreis Crossen (Oder) in der Provinz Brandenburg. Altersitz und Sterbeort des Leo Graf von Caprivi. (Ansicht von 1914)

Reste des Grabmals von Leo Graf von Caprivi (1831-1899) werden vor der Restaurierung begutachtet (2014). Foto: Wochenblatt

Reste des Grabmals von Leo Graf von Caprivi (1831-1899) werden vor der Restaurierung begutachtet (2014). Foto: Wochenblatt

Der preußische Offizier Georg Leo Graf von Caprivi (1831-1899) war der Nachfolger Otto von Bismarcks als Reichskanzler (1890-1894).

Graf von Caprivi wurde am 24. Februar 1831 als Sproß eines preußischen Adelsgeschlechtes in Berlin geboren, dessen vollständiger Titel Graf von Caprivi de Caprara de Montecuculi lautete. Er durchlief die militärische Laufbahn bis zum Generalsrang, war am Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 als Chef des Generalstabes des 10. Corps beteiligt und war Träger des Orden Pour le Mérite. Am 20.03.1890 ernannte ihn Kaiser Wilhelm II. zum Nachfolger des entlassenen Reichskanzler Otto von Bismarck und zum preußischen Ministerpräsidenten. Obwohl Graf von Capivi bis dahin ein kolonialpolitischer Skeptiker gewesen war, betonte er in seiner Antrittsrede vor dem deutschen Reichstag, der status quo in den Kolonien müsse wirtschaftlich entwickelt und ausgebaut werden. Darunter verstand er keine Ausweitung des deutschen Besitzes in Afrika, sondern die Konsolidierung und verwaltungsmäßige Erschließung der bereits erworbenen Kolonien. So wurde für das Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika bald eine Schutztruppe geschaffen, die laufend verstärkt wurde. Wegen der zunehmenden politischen Spannungen mit Rußland suchte Graf von Caprivi eine Annäherung an die Kolonialmacht England und schloß mit dieser am 01.07.1890 ein Abkommen über die Grenzen zwischen den beiderseitigen Interessensphären. Dabei wurde, unter anderem, dem Deutschen Reich der später nach dem Reichskanzler benannte Caprivizipfel als geographischer Zugang zu der Kolonie Deutschsüdwestafrika zugestanden und im sogenannten Helgoland-Sansibar-Vertrag geregelt. In einer Denkschrift zu diesem Ereignis heißt es: "Die Periode des Flaggenhissens und des Vertragschließens muß beendet werden, um das Erworbene nutzbar zu machen. Es beginnt jetzt die Zeit ernster, unscheinbarer Arbeit". Sein außen- sowie innenpolitischer Kurs stieß jedoch bald auf wachsenden politischen Widerstand und gegen ihn gerichtete Intrigen. Am 26.10.1894 sah sich der Kaiser Wilhelm II. gezwungen, Leo Graf von Caprivi aus dem Amt zu entlassen. Danach lebte dieser zurückgezogen einige Zeit in Frankfurt a. d. Oder, dann, auf Einladung seiner Nichte, auf dem Rittergut Skyren (Landkreis Crossen, Oder, in der Provinz Brandenburg), wo er am 06.02.1899 verstarb und bestattet wurde. Eine Steinpyramide mit einem zwei Meter hohen Marmorkreuz wurde als Grabmal errichtet. Der Ortsname Skyren wurde 1930 in Teichwalde umbenannt, die heutige polnische Bezeichnung lautet Skórzyn. Sein Verwandter Leopold von Caprivi (1906-1984) war mit Anna Helene von Lindequist (1910-?), der Tochter des ehemaligen Gouverneurs von Deutsch-Südwestafrika, Friedrich von Lindequist verheiratet. Nach Gesprächen zwischen der örtlichen Gemeinde, dem Verband der deutschen Minderheit in Polen und dem Preußeninstitut e.V. im Jahr 2014, soll die mittlerweile stark verfallene Grabstelle restauriert werden. Das Schloß exisitert schon viele Jahre nicht mehr und das Gelände ist verwildert.

Ausführlicher Beitrag über Leo Graf von Caprivi:

  • de.wikipedia.org/wiki/Leo_von_Caprivi

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