Anni Eichhoff-Sohrada

Anni Eichhoff-Sohrada (1923-1997) war eine Kampwitwe auf den Farmen Okamatangara und Otjomasso in Südwestafrika.

Anni Eichhoff-Sohrada (1923-1997) war eine Kampwitwe auf den Farmen Okamatangara und Otjomasso in Südwestafrika.

Anni Eichhoff-Sohrada (1923-1997) war eine Kampwitwe auf den Farmen Okamatangara und Otjomasso in Südwestafrika.

Die folgende Lebensbeschreibung von Anni Eichhoff-Sohrada wurde von Hans-Volker Gretschel verfaßt und stammt aus seinem Buch Von Kampwitwen und -waisen: Berichte aus den Internierungsjahren in Südwestafrika 1939-1946. Anni Eichhoff-Sohrada wurde am 26. September 1923 als jüngstes Kind von drei Geschwistern und als einzige Tochter des Landwirts und Hauptmanns a.D. Wilhelm Eichhoff und seiner Frau Emilie, geb. Fenchel, im Elisabethhaus in Windhoek geboren. Ihre Mutter, Tochter des Missionarsehepaars Fenchel in Keetmanshoop und ältestes lebendes weißes Kind dieses Städtchens, war gut drei Wochen vor der erwarteten Geburt mit dem Ochsenwagen, dem älteren Bruder, dem schwarzen Tauleiter, dem, auch schwarzen, Ochsentreiber und einer Kuh mit Kälbchen zur Entbindung nach Windhoek getreckt. Die Kuh lieferte die tägliche Milch für Kleinkind und Kälbchen auf dem Wagen. Der Vater hatte für den Treck seiner Frau in Abständen von ca. 100 Kilometern Versorgungsstationen mit frischen Ochsen und einer weiteren Kuh mit Kalb angelegt. Anni Eichhoff wuchs auf der Farm Okamatangara (eine Zusammensetzung von Otjihererowörtern, die in der deutschen Übersetzung ungefähr die Bedeutung haben: der Platz, an dem die Rinder dicke Bäuche haben, aber nie fett werden) ca. 250 km nordöstlich von Windhoek und außerhalb der Roten Linie (Veterinärgrenze) auf. Ihr Vater, Wilhelm Eichhoff aus Uelzen, war 1905 als Abenteurer und Offizier a.D. mit dem Segelschiff oder Kanonenboot „Habicht" in Lüderitzbucht gelandet und bei seiner Ankunft sofort in die Schutztruppe eingezogen worden. Nach der Niederschlagung des Nama-Aufstands im Süden der deutschen Kolonie stellte die Landesverwaltung dem Schutztruppler die 15.000 ha große Farm Geibis bei Keetmanshoop zur Verfügung. 1908 heiratete Wilhelm Eichhoff die Missionarstochter und Lehrerin an der Namaschule Keetmanshoops Emilie Fenchel und wurde von der Firma Braus, Mahn und Co. als Verwalter seiner Nachbarfarm Garineis angestellt. Im selben Jahr entschied das belgisch-argentinisch-hamburgische Konsortium, eine Rinderranch und -zucht nach argentinischem Muster im Norden des Landes zu gründen, und beauftragte den Verwalter Eichhoff mit der Suche nach geeignetem Farmland.

Nach ausgedehnten Ritten im Norden Deutsch-Südwestafrikas entdeckte er ein Gebiet mit offenen Quellen, großen Pfannen und ausgezeichneter Weide in der Omaheke (Otjiherero für Sand). 1910 treckte er mit Frau, dem ein Jahr vorher geborenen Sohn Hans Harald und dem gesamten Besitz auf dem Ochsenwagen, einer Vollblutfriesen- und -trakehnerzucht auf die neu vermessene und 52.000 ha große Farm Okamatangara und nahm den unendlich schwierigen Aufbau des Farmbetriebs in Angriff. 1921 kaufte Wilhelm Eichhoff Okamatangara durch Vermittlung der belgischen und argentinischen Partner der Firma Braus, Mahn und Co. Die Mutter erteilte Anni Eichhoff in den ersten Jahren Farmunterricht, und es bot sich ihr die einmalige Gelegenheit, ein tiefes Verständnis für Fauna und Flora Okamatangaras zu erwerben und beim Spiel mit den Kindern der Farmarbeiter Otjiherero wie ihre zweite Muttersprache zu erlernen.

Während die beiden älteren Brüder die Deutsche Schule Swakopmund besuchten, unterrichtete die Hauslehrerin Margarete Timmermann das Mädchen von 1924 bis 1926 weiterhin auf der Farm, erst 1927 wurde sie in die Obertertia an der Deutschen Realschule Windhoek eingeschult. Der herrische Vater wollte und konnte für den Berufswunsch seiner Tochter, Veterinärmedizin zu studieren und Tierärztin zu werden, kein Verständnis aufbringen und holte sie 1929 nach der Obersekunda aus der Schule und auf die Farm zurück. Der Vater brauchte die Hilfe seiner drei Kinder zum weiteren Aufbau Okamatangaras, denn die harte Omaheke, hohe Viehverluste, unausgebildete Farmarbeiter und die Abgeschiedenheit der Farm hatten ihren Tribut gefordert und Wilhelm Eichhoff zermürbt.

Energisch, unermüdlich und selbstständig machte sich Anni Eichhoff an die Arbeit, baute in kurzer Zeit einen Melkbetrieb auf, der mit Sahnelieferungen die Betriebskosten der Farm deckte, inspizierte zu Pferd Posten und Wasserstellen, kontrollierte die Viehherden und schützte sie vor Raubwild, pflegte bei Krankheiten oder Unfällen die Farmarbeiter und deren Familien, baute Koppeln und Mangas (Laufgänge), legte Bohrlöcher an und errichtete Windmotore Wasserpumpen und -bassins. Täglich legte sie 60 km zu Pferd zurück, als Gehalt erhielt sie ein Pfund Sterling monatlich. Die wirtschaftlichen Erfolge Anni Eichhoffs mussten zu Spannungen zwischen dem starrköpfigen und stolzen Vater und seiner nicht minder eigensinnigen Tochter führen. Schon 1936 war die gerade 23-jährige Anni Eichhoff mit 40 eigenen Rindern nach Otjomasso, einem Außenposten Okamatangaras, gezogen, um dem Vater aus dem Weg zu gehen und unabhängig zu wirtschaften.

Doch auch diese Trennung konnte den weiteren Lauf des Schicksals nicht ändern, denn 1939 kam es zum endgültigen Zerwürfnis. zwischen Vater und Tochter. Anni Eichhoff verließ Otjomasso, ritt mit vier Pferden in zehn Tagen in die Nähe des Gamsbergs, wo sie sich auf der Farm Isabis der Familie Cranz für zwei Jahre als Farmelevin verpflichtete. Als aber 1940 ihr Vater und ihr Bruder Elfried interniert wurden, kehrte sie nach Otjomasso zurück. Das Verhältnis zwischen Wilhelm Eichhoff und seiner Tochter hatte inzwischen einen derartigen Tiefpunkt erreicht, dass er sie 1942 vom Kamp Andalusia brieflich aus der Familie verstieß. Er gewährte ihr jedoch auf Otjomasso Asyl mit dreimonatiger Kündigung, doch instruierte er im selben Brief seinen Sohn Hans Harald, sein gesamtes Eigentum auf Otjomasso zu konfiszieren und abzutransportieren. Einen Tag nach Erhalt des Briefs erschien der Bruder auf der Farm und baute alle väterlichen Farmgerätschaften und -maschinen ab.

Anni Eichhoff stand vor dem Ruin, denn sie besaß nur noch unerschlossenes Farmland, und es fehlten ihr Windmotore, Pumpen, Tränken, Zentrifugen und Sahnekannen. Trotz ihrer anscheinend ausweglosen Lage gab sie nicht auf, einige Nachbarn halfen ihr mit dem Allernötigsten beim Neuanfang, dem sie sich mit der ihr eigenen Tatkraft widmete. 1950 gelang es einem Bankangestellten, Wilhelm Eichhoff zu überzeugen, seiner Tochter Otjomasso zu überschreiben, nicht etwa als Erbteil, sondern für die in siebzehn Jahren geleistete Aufbauarbeit. Obwohl es nie zur Versöhnung kam, pflegte Anni Eichhoff ihren verwitweten Vater bis zu seinem Tod 1956. Ein Jahr später heiratete sie den österreichischen Elektriker Johann Sohrada. Aus dieser Ehe stammt die 1957 geborene Tochter Sylvia, die beiden Söhne Peter und Georg, 1942 bzw. 1947 geboren, hatte sie mit in die Ehe gebracht. Nach der Scheidung lebte Anni Eichhoff bis Ende 1996 auf Otjomasso und bewirtschaftete trotz ihres hohen Alters ihre Farm genauso selbstständig, energisch und erfolgreich wie 60 Jahre zuvor, als sie als junge Frau zum ersten Mal nach Otjomasso gezogen war. Anni Eichhoff verstarb am 9.6.1997 in Swakopmund.


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