Hans Kisker

Hans Kisker (1888-1972) war ein deutscher Farmer in Südwestafrika und Angola. Im Bild links, 1929.

Hans Kisker (1888-1972) war ein deutscher Farmer in Südwestafrika und Angola. Im Bild links, 1929.

Hans Kisker (1888-1972) war ein deutscher Farmer in Südwestafrika und Angola. (August 1966, privates Foto)

Hans Kisker (1888-1972) war ein deutscher Farmer in Südwestafrika und Angola. (August 1966, privates Foto)

Hans Kisker (1888-1972) war ein deutscher Farmer in Südwestafrika und Angola.

Hans Kisker wurde am 22.02.1888 in Bielefeld geboren. Sein Vater, Wilhelm Kisker, Mitinhaber der dortigen Leinen- und Tischzeugfabrik A. W. Kisker. Hans, der zweite Sproß von sieben Geschwistern, besuchte das Bielefelder Gymnasium und legte 1906 das Abitur ab. Im selben Jahr nahm er das Studium der Kunstgeschichte in Halle an der Saale auf, unterbrach das Studium 1908, um seinen Militärdienst in Landsberg zu absolvieren. Wieder Zivilist, unternahm Hans Kisker 1910 eine mehrmonatige Wanderung, die er in der Hoffnung auf Sinnfindung für seine weitere Lebensplanung angetreten hatte, von Koblenz nach Paris. In der französischen Hauptstadt lebte er, entspannt und ohne festes Ziel vor Augen, unter bescheidenen Verhältnissen. Ein Brief, in dem sein Freund, der Kunststudenten Friedrich Plugge, ihm die bevorstehende Auswanderung nach Deutsch-Südwestafrika eröffnete, brachte die Wende in Kiskers Lebensplanung. Er beabsichtigte, seine Doktorarbeit abzuschließen und ebenfalls in die deutsche Kolonie zu gehen. Die Fertigstellung der Doktorarbeit schaffte Hans Kisker nicht und gab, mit Zustimmung seines Vaters, das Studium Anfang 1912 auf. Mit der finanziellen Unterstützung seiner Familie, begleitete er Ende April 1912 Friedrich Plugge, der zwischenzeitlich mit Heiratsabsichten nach Deutschland gekommen war, nach Deutsch-Südwestafrika zurück. Als Gast lebte er bei den Plugges auf deren Farm bei Rehoboth und durchzog, auf der Suche nach einer eigenen geeigneten Farm, die Region zu Pferde. Dabei lernte er Ada Cramer und Ludwig Cramer auf Otjisororindi kennen. Im April 1913 schloß Hans Kisker einen Pachtvertrag auf die Regierungsfarm Büllsport ab. Als Helfer engagierte er den ehemaligen Schutztruppler aus der 1893er-Generation, Wilhelm Eickmeyer, der diesen Ort von den Gefechten gegen die Nama von 1894 her kannte. Die Gruppe bezog die Ruine der mittlerweile verfallenen Station und richtete sich ein. Durch den Aufbau eines bescheidenen Einzelhandels konnte Kisker seine Existenz sichern, auch die Dürre von 1913 überstand er dank seiner Tatkraft bei der Wassersuche und -speicherung. Bei der Mobilmachung anläßlich des Ausbruch des Ersten Weltkrieges, wurde Hans Kisker zur Schutztruppe eingezogen, kam, nach der Kapitulation der Schutztruppe bei Khorab, im Juli 1915 ins Kriegsgefangenenlager Otawifontein, von wo aus er bereits Ende Juli wieder entlassen wurde. Auf seine Farm Büllsport zurückgekehrt, fand er diese von den feindlichen Truppen und Eingeborenen geplündert und zerstört vor, ein Neuanfang war unter den gegebenen Umständen nicht möglich. Bis Ende 1916 schlug er sich als Farmhelfer durch, fand dann eine Anstellung als Hauslehrer in Rehoboth, die er bis Mitte 1918 hielt. Im September, kaum von der grassierenden Grippewelle genesen, die in Südwestafrika und in anderen Teilen der Welt viele Tote gefordert hatte, wurde er von der im Jahr zuvor gegründeten deutschen Farmwirtschafts-Gesellschaft (FWG) in Windhoek angestellt, heiratete am 14.12.1918 die Tochter eines Polizeiwachtmeisters, Charlotte Ulrich (1891-1923). Um sein schmales Gehalt aufzubessern, unterrichtete Hans Kisker die Grundschulklassen der deutschen Realschule in Windhoek. Von der massiven Deportationswelle im Jahr 1919 blieben er und seine Familie, die jedoch wirtschaftlich stets von der Hand in den Mund lebte, verschont. Auch als Hans Kisker Geschäftsführer der Farmwirtschafts-Gesellschaft (FWG) wurde, war sein Gehalt für den Unterhalt der Familie in den schweren Nachkriegsjahren nicht auskömmlich und bewog ihn, im Juli 1922 mit seiner Frau und der 1920 geborenen Tochter Rotraud, nach Deutschland und Bielefeld zurückzukehren, wo Charlotte Kisker im April 1923 starb. Der Witwer zog nach Kleinenberg in Westfalen, wo er versuchte als Selbstversorger zu leben. Im März 1925 heiratete er Emmi Vogt aus Witten, die ihm im April seine zweite Tochter Irmela schenkte. Als sich seine Lebensperspektive in Deutschland nicht erfüllte, wanderte Hans Kisker im August 1926 erneut nach Südwestafrika aus, wo er durch das Deutsche Auswärtige Amt und die Deutsche Kolonialgesellschaft als Geschäftsführer des Deutschen Bundes eingesetzt wurde. Zugleich trug ihm die Allgemeine Zeitung in Windhoek die Chefredaktion an, die er bis Ende 1927, als er wegen fortwährender politischer Richtungsstreitigkeiten mit dem Herausgeber der Zeitung, John Meinert, entlassen wurde, innehielt. Am 30.01.1928 wurde sein Sohn Werner Kisker geboren und am Tag darauf trat Hans Kisker eine neue Stelle als Lehrer an der Realschule in Windhoek an. Zum Ende des Jahres verfaßte er, auf das Bitten des Schriftstellers Hans Grimm hin, mit dem er seit 1922 in brieflichem und persönlichem Kontakt stand, seine Autobiographie. Diese sollte als das Kapitel Hans Kiskers Anfang in Südwest in Das Deutsche Südwester-Buch, das Grimm 1929 in Lippoldsberg herausgab, eingehen. Im Mai 1931 brach Hans Kisker erneut seine Zelte in Südwestafrika ab und ließ sich mit zwei Cousins im Süden Angolas in der Nähe von Benguela nieder. Der Wandel war gut vorbereitet: Der angolaerfahrene Paul Ritter hatte die Kiskers über die landwirtschaftlichen Möglichkeiten in der portugiesischen Kolonie beraten und Hans Kisker Portugiesisch erlernt. Die drei Cousins bauten eine erfolgreiche Sisalplantage auf und errichteten Wohn- und Fabrikgebäude, die zum Teil heute noch stehen. Ende 1934 kam seine dritte Tochter Holle zur Welt, die jedoch bereits im März 1936 an einer fiebrigen Erkrankung starb. Für die rund 500 Deutschen in Angola wurde Hans Kisker Mitte der 1930er Jahre, der Landeskreisleiter der NSDAP, pflegte intensive Kontakte innerhalb der deutschen Gemeinschaft und hielt in Deutschland Vorträge vor überwiegend kolonialrevisionistischem Publikum seiner Generation. Während eines solchen Deutschlandaufenthaltes wurde seine vierte Tochter, Hadumod, im Mai 1938 in Bielefeld geboren. Den Verlauf der folgenden Kriegsjahre verbrachte das Ehepaar Kisker mit Tochter Hadumod in Angola, während die Schulkinder Werner und Irmela und die seit 1930 bei Verwandten lebende Rotraut in Deutschland blieben und erst 1949 nach Angola zurückkehren konnten. Die Jüngste, Hadumod war stark geprägt vom Zusammensein mit den Kindern der einheimischen Bevölkerung und sprach fließend deren Sprache Umbundu. Sie wurde von einem Schwarzen schwanger und gebar Anfang 1957 eine Tochter, um die sich Hans Kisker rührend kümmerte. 1948 war die Familie auf eine neue Farm, Bumbo, gezogen, um den Wirtschaftsbetrieb zu erweitern und fand darin für die nächsten Jahrzehnte, trotz natürlicher Rückschläge und gelegentlichen Käpfen mit der portugiesischen Bürokratie, ein zufriedenstellendes wirtschaftliches Auskommen. Hans Kisker, der in der Entlegenheit seiner Farmen Cubal und Bumbo der Einsamkeit mit Lesen und regelmäßiger Korrespondenz begegenete, verstarb am 12.12.1972 auf Cubal. Er ist dort, neben den Gräbern seiner Tochter Holle und seines Sohnes Werner, der 1973 bei einem Unfall ums Leben kam, bestattet. Nach Ausbruch des Bürgerkrieges in Angola im November 1975, flohen Emmi und Hadumod Kisker nach Namibia. Emmi Kisker kehrte 1977 nach Deutschland zurück, wo sie bis zu ihrem Lebensende im Jahr 1985 bei der Tochter Irmela lebte. Hans Kisker hinterließ zehn Enkel, die allesamt in Deutschland leben. Sein Farmhaus in Angola steht noch, die drei Gräber werden von den dortigen Anwohnern erhalten und gepflegt.

Literaturhinweis zu Hans Kisker:

Im 93. Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg (Bielefeld 2008) haben Barbara Frey und Frigga Tiletschke unter dem Titel "Afrika ruft. Hans Kisker, ein kolonialer Lebenslauf im Kontext seiner Zeit" eine ausführliche, hochinteressante Biographie Hans Kiskers und seiner Familie verfaßt.


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