15.01.2014

Die Damara-Sequenz: bedeutsamste geologische Einheit Namibias

Die Damara-Sequenz ist die bedeutsamste geologische Einheit Namibias. Auch bei Brandberg-West sind damarazeitliche Glimmerschiefer aufgeschlossen.

Die Damara-Sequenz ist die bedeutsamste geologische Einheit Namibias. Auch bei Brandberg-West sind damarazeitliche Glimmerschiefer aufgeschlossen.

Die Damara-Sequenz ist die bedeutsamste geologische Einheit Namibias. Mächtige Glimmerschiefer-Serien, sind auch im Gebiet um die Hauptstadt Windhoek weitverbreitet. Ein Beispiel dafür ist die Heinitzburg, die auf so einem ehemaligen Tiefsee-Sediment errichtet wurde.

Die Damara-Sequenz ist die bedeutsamste geologische Einheit Namibias. Mächtige Glimmerschiefer-Serien, sind auch im Gebiet um die Hauptstadt Windhoek weitverbreitet. Ein Beispiel dafür ist die Heinitzburg, die auf so einem ehemaligen Tiefsee-Sediment errichtet wurde.

Gesteinsablagerungen des Zeitabschnitts Damara-Sequenz sind zusammen mit den geologisch verwandten und zeitgleich gebildeten Gariep- und Nama-Gruppen in den meisten Landesteilen zu finden. Sie zählen geologisch und wirtschaftlich zu den wichtigsten Gesteinsabfolgen des Landes.

Ein geologischer Beitrag von Nicole Grünert:

Zu Beginn der damarazeitlichen Entwicklung vor etwa 900 Millionen Jahren waren die Urbausteine Namibias, der Kalahari- und der Kongo-Kraton, Teil des sogenannten Rodinia-Kontinents. Dieser Superkontinent, welcher von ca. 1200 bis 900 Millionen Jahren existierte, war der Vorläufer des bekannten Gondwana-Kontinents. Auch schon zu dieser Zeit waren alle damals existierenden Kontinente zu einer großen Landmasse zusammengeschlossen. Da der Rodinia-Kontinent jedoch sehr kurzlebig war, zerfiel er sehr schnell wieder in kleinere Einheiten. Dazu bildeten sich im zentralen Bereich des heutigen Namibias zwei kontinentale Grabenbrüche aus. Die Entstehung dieser Gräben (Rifts) vollzog sich in ähnlicher Weise, wie wir es heutzutage vom Ostafrikanischen Rift her kennen. Für mehrere Millionen Jahre dienten diese kontinentalen Senken als Sammelbecken für unterschiedlichstes Sediment-Material, wie Flussablagerungen oder Sande, aus denen sich später Konglomerate, Sandsteine oder Quarzite bilden konnten. Zusätzlich trat an den Grabenschultern lokal Vulkanismus auf. Schon vor ca. 730 Millionen Jahren wurde die Welt von einem katastrophalen Ereignis, der ersten sogenannten Schneeball-Erde-Periode, erschüttert. Während dieser Zeit soll für mehrere Millionen Jahre die gesamte Erde komplett vergletschert gewesen sein. Nach dem Abschmelzen der alles bedeckenden Gletscher kam es durch die enormen Mengen an Schmelzwasser zu großräumigen Überflutungen, im Zuge dessen Karbonate und weitere Sedimente in tiefen Meeresarmen gebildet wurden. Kaum 100 Millionen Jahre später, vor ca. 635 Mio Jahren, erfasste eine weitere weltweite Eiszeit das Gebiet des heutigen Namibias, deren Ablagerungen auch noch an vielen Stellen des Landes zu finden sind. Nicht zuletzt haben die namibischen Gesteinsvorkommen aus dieser weltweiten Eiszeit wesentlich zur Entwicklung der Schneeball-Erde-Theorie beigetragen. Vor etwa 625 Millionen Jahren brach schließlich die dünn gewordene kontinentale Kruste im Bereich des südlichen Grabens komplett auf. Mit fortschreitender Entwicklung und anhaltender Absenkung bildete sich dort, im sogenannten Khomas-Trog, ein basaltischer Ozean-Boden aus und das Gebiet wurde vom Khomas-Meer überflutet. Auf dem Meeresboden lagerten sich im Laufe der Jahrmillionen kilometerdicke Tiefsee-Sedimente ab, die später, während der Damara-Gebirgsbildung, zu Glimmerschiefern umgewandelt wurden. Noch heute bauen die mächtigen Glimmerschiefer-Serien, die auch im Gebiet um die Hauptstadt Windhoek weitverbreitet sind, zahlreiche Landstriche Zentral-Namibias auf. Selbst der alte Ozean-Boden ist noch an einigen Stellen rund um Windhoek erhalten. So steht zum Beispiel die Windhoker Feuerwache auf diesem alten vulkanischen Untergrund. Ebenso sind die Erzvorkommen der nahegelegenen und im Abbau befindlichen Matchless und Otjihase-Minen an diese alten vulkanischen Ereignissen gebunden. Auch im nördlichen Graben wurde die kontinentale Kruste durch die anhaltenden Rifting-Prozesse so weit ausgedünnt, dass sich dort ein weiterer Ozean, das Outjo-Meer ausbreiten konnte. Aufgrund hoher Absenkungsraten des Meeresbodens konnte auch dort ein Sedimentstapel von bis zu 4000 m Mächtigkeit gebildet werden. Zusammen mit dem südlich gelegenen Khomas-Meer werden diese beiden Einheiten als Damara-Meer zusammengefasst. Dieses erstreckte sich in etwa vom heutigen Walvis Bay bis zum Katanga-Kupfergürtel in Sambia. Am Nordrand des Damara-Meers entwickelte sich eine stabile Schelfplattform, auf der mächtige Schelf-Karbonate zur Ablagerung kamen. Diese bauen die noch heute bis zu 2000 m hohen Kalk-Berge des Otavi-Berglands auf. Auch in diesem Teil des Landes befinden sich zahlreiche Erzvorkommen wie zum Beispiel die heute stillgelegte, aber weltberühmte Kupfermine von Tsumeb. Noch ein weiteres Meer, der sogenannte Adamastor-Ozean, formte sich als Ergebnis des Auseinanderbrechens des Rodinia-Kontinents zwischen den Kratonen des südlichen Afrikas sowie den Kratonen Südamerikas. Auch dieser Vorläufer des Atlantischen Ozeans fungierte als Sediment-Sammelbecken. Dort wurden die Ablagerungen gebildet, aus denen sich später die Gebirgszüge des Kaokoveldes- bzw. des Gariep-Gürtels in Südnamibia zusammensetzten. Die Erdkrusten-Dehnung hielt insgesamt für ca. 300 Millionen Jahren an. Durch eine Umkehr in der tektonischen Plattenbewegung vor etwa 595 Millionen Jahren begannen die Kongo- und Kalahari-Kratone nun aufeinander zu zudriften. Der Ozeanboden des Khomas-Meeres wurde in nordwestlicher Richtung unter den Kongo-Kraton geschoben (subduziert), wodurch der Gebirgszug des Damara-Faltengebirges in Zentral-Namibia emporgestemmt wurde. Wo sich vorher noch die Wassermassen der diversen Meere ausbreiteten, erhob sich nun in Zentral-Namibia ein Hochgebirge, das den heutigen Alpen in keiner Weise nachstand. Die schon vorher einsetzende Schließung des Adamastor-Ozeans hatte zusätzlich die Faltung des Kaoko-Belts im Nordwesten, sowie des Gariep-Belts im Südwesten zur Folge. Auch dort erstreckten sich mächtige Gebirgszüge, deren erodierte Überreste noch heute die wilden Berglandschaften des Kaokoveldes kennzeichnen. Durch die Ozeanschließung kam es zudem zur Kollision der Kratone des südlichen Afrikas und des südlichen Amerikas. Die gefalteten Gesteinsserien, ebenso wie Teile des ehemaligen Ozeanbodens, dienten somit als Bindeglieder, um die vormals unabhängigen Kratone miteinander zu verschweißen. Sofort einsetzende Erosionsprozesse resultierten in Molasse-Ablagerungen, die sowohl auf der Nördlichen Plattform, als auch auf dem tiefgründig verwitterten Kalahari-Kraton, im sogenannten Nama-Meer sedimentiert wurden. Unter Molasse werden Sedimente verstanden, die sich im Vorland eines sich hebenden Gebirges bilden. Dorthin werden sie meist von Flüssen in flachmarine Ablagerungsräume, wie z.B. dem Nama-Meer transportiert. Nahe am Gebirgsrand herrschen Sandsteine und Konglomerate vor, in größerer Entfernung vom Gebirge dagegen feinkörnigere Ablagerungen wie z.B. feine Sande und Tone. So zeugen die roten Sedimente Südnamibias vom erodierten Gesteinsschutt des ehemals mächtigen Damara-Hochgebirges. Während und unmittelbar nach der Gebirgsbildung, in einem Zeitraum von ca. 580 bis 470 Mio. Jahren, stiegen unzählige Granit- und Pegmatit-Körper auf, die heute in der Namib-Wüste, in Zentral-Namibia oder aber auch an der Skelettküste verbreitet sind. Dazu zählen zum Beispiel die bekannte Blutkuppe, oder der Vogelfederberg in der Namib, aber auch die Granit-Kuppen südlich von Otjiwarongo. Neben der landschaftlichen Attraktivität sind auch zahlreiche Erz- und Mineralvorkommen an das Auftreten dieser Intrusiv-Gesteine und weiterer damarazeitlicher Ablagerungen geknüpft z.B. die Rössing Uran-Mine in der Namib-Wüste, die Navachab Goldmine bei Karibib sowie Halbedelstein-Fundstellen im Gebiet zwischen Karibib, Usakos und Omaruru. In einem letzten regional-tektonischen Vorgang kam es vor etwa 510 Mio. Jahren zur Verfrachtung der Naukluft-Decken. Die Gesteine dieses komplexen Gebirges wurden ursprünglich im Bereich des Gamsbergs abgelagert und sind auf dem Höhepunkt der Damara-Gebirgsbildung in einem Stück weit nach Süden transportiert worden. Dort wurden sie vor etwa 495 Mio. Jahren auf jüngere Sedimente der Nama-Gruppe überschoben. Zusammen mit weiteren Gesteinsgürteln, die sich im gleichen Zeitraum, dem sogenannten Neoproterozoikum bildeten, gehört das Damara-Gebirge zu einem Netzwerk von Faltengebirgszügen, welche die alten Kratone Afrikas und Südamerikas zusammenfügten. Mit der Schließung der Ozeane entstand in diesem Bereich der Welt der bekannte Gondwana-Kontinent, dessen Geschichte die weitere geologische Entwicklung Namibias bestimmten sollte. Auch wenn mit diesen Ereignissen die so bedeutsame Damara-Sequenz zu Ende gegangen ist, ist die weitere geologische Entwicklung des Landes vom damarazeitlichen, strukturellen Erbe weiterhin nachhaltig beeinflusst geblieben. Während des Jura wurden alte Störungszonen der Damara-Zeit reaktiviert. Zum Beispiel die Waterberg-Störung und auch die Position der zahlreichen Vulkane und Plutone, wie der Spitzkoppe, des Erongos oder des Brandbergs vor ca. 130 Mio. Jahren wurde durch damarazeitliche Strukturen maßgeblich bestimmt. Letztendlich erfolgte sogar das Auseinanderbrechen des Gondwana-Kontinents und somit die Entstehung des Atlantischen Ozeans entlang alter Nähte, die einst durch die Subduktion des Adamastor-Ozeans entstanden waren.

Mit freundlicher Genehmigung der Allgemeinen Zeitung in Windhoek (Namibia), veröffentlicht das Namibiana Buchdepot die Pressemeldung: Die Damara-Sequenz - bedeutsamste geologische Einheit Namibias.

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