Zurück aus Afrika: Briefe und Tagebücher 1938-1948, von Nora von Steinmeister, Karl Wulff und Monika Schotten

Zurück aus Afrika: Briefe und Tagebücher 1938-1948, von Nora von Steinmeister, Karl Wulff und Monika Schotten. Diplomica Verlag. Hamburg, 2015. ISBN 9783959345439 / ISBN 978-3-95934-543-9

Zurück aus Afrika: Briefe und Tagebücher 1938-1948, von Nora von Steinmeister, Karl Wulff und Monika Schotten. Diplomica Verlag. Hamburg, 2015. ISBN 9783959345439 / ISBN 978-3-95934-543-9

2013 veröffentlichten Karl Wulff und seine Tochter, Monika Schotten, die Briefe seiner Eltern aus den ehemaligen deutschen Kolonien Südwestafrika und Ostafrika. 'Zurück aus Afrika: Briefe und Tagebücher 1938-1948' folgt diesem zwei Jahre später und basiert auf einem Text, den seine Mutter, Nora von Steinmeister, wahrscheinlich in den frühen 1950er Jahren anhand ihrer Tagebücher verfasste. Ergänzt wird unsere Darstellung mit Auszügen aus noch erhaltenen Briefen.

Karl Wulff  Monika Schotten  

[...] Mein Vater hatte im südöstlichen Hochland von Tanganjika, im Iringa-Distrikt, eine Kaffee-Plantage mit 65.000 Kaffee-Bäumen und einigen Hektar Pyrethrum aufgebaut. Die Pflanzung tmg noch keine Ernte. Dort lebten seine Mutter und Schwester, während mein Vater und sein Bmder Hans in der Küstenregion Tanganjikas als Angestellte tätig waren und Mutter und Schwester regelmäßig Geld schickten, um die Farm weiter zu entwickeln. Meine Eltern lebten in Tanga relativ bescheiden. Mein Vater war kleiner Angestellter im Laden der Firma Hausmann & Kaiser, einem Import-Geschäft mit angeschlossener Lebensmittel-Abteilung und Apotheke. Wirtschaftlich ging es ihnen erst besser, als meine Mutter auf die Idee kam, Landschaftsbilder zu malen. (Sie hatte in ihrer Jugend eine Malschule besucht und seitdem als Hobby gemalt.) Die Bilder verkaufte sie über den Laden von Frau Tarne, die sie auf einer früheren Schiffsreise kennen gelernt hatte und mit der sie seitdem befreundet war. Frau Tarne nahm für den Bilderverkauf keine Provision. Mein Vater durchlitt im Laufe der Zeit in immer kürzeren Abständen immer heftigere Malaria-Ausbrüche. Der dortige deutsche Arzt riet ihm dringend zu einem mehrmonatigen Deutschland-Aufenthalt, um die Malaria auszukurieren. So beschlossen meine Eltern, gegen Jahresende 1938 nach Deutschland zu fahren, um dort bis Herbst 1939 zu bleiben. Mein Vater hatte zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre in Tanganjika verbracht, ohne auch nur einmal in Europa gewesen zu sein. Sein Bruder Hans, inzwischen auch verheiratet, lebte zu dieser Zeit auf der Insel Mafia, der Küste Tanganjikas vorgelagert, und verwaltete dort als Angestellter eine Plantage. Mein Großvater, der Vater meines Vaters, starb als seine Kinder noch klein waren. Die Brüder des Großvaters fungierten als Vormünder. Diese Verantwortung wollten sie so rasch es ging wieder loswerden. So überredeten sie meinen Vater, mit dem „Einjährigen" die Schule zu verlassen und eine kaufmännische Lehre anzutreten. Er lernte in Bremen im Weinhandel. Nach seinem Militärdienst ging er als kaufmännischer Angestellter für die Woermann-Linie zu deren Büro auf der Insel Sansibar. Dort überraschte ihn der Kriegsausbruch. Gemeinsam mit anderen Deutschen mietete er eine arabische Dhau und segelte zur Küste, um der Schutztruppe beizutreten. Er verbrachte den Ersten Weltkrieg als Vizefeldwebel, verantwortlich für ein wassergekühltes Maschinengewehr, im Kampf um die deutsche Kolonie „Deutsch-Ostafrika". Bei jahrelangen und ausgedehnten Fußmärschen lernte er das Land kennen und lieben. Unter dem Eindruck der katastrophalen Lage in Deutschland der frühen Zwanziger ging er als einer der ersten Deutschen wieder nach Ostafrika und begann die Farm aufzubauen, beginnend mit der Rodung eines Buschgeländes und, zusammen mit anderen Siedlern, dem Bau einer 35 km langen Stichstraße zur Hauptverkehrsader. In dem hier vorliegenden Büchlein schildern wir nun anhand der Tagebücher meiner Mutter und Auszügen aus diversen Briefen, wie es meinen Eltern erging, nachdem sie hoffnungsvoll wieder in der alten Heimat angekommen waren. Vor allem glauben wir, dass die authentische Schilderung des Bombenkrieges und der ersten Nachkriegsjahre den heutigen Leser, nachdem diese Zeit weitgehend in Vergessenheit geraten ist, interessieren könnte. Abgesehen von der kurzen Tätigkeit im Laden von Hausmann & Kaiser hatte mein Vater, seit er im April 1925 wieder nach Ostafrika kam, seinen Beruf als Kaufmann nicht mehr ausgeübt. Als er nun zu Beginn des Jahres 1939 versuchte, in Deutschland eine adäquate Stellung zu finden, war das, verständlicherweise, von geringem Erfolg gekrönt. Die Lage entspannte sich erst, als sich ihm die Möglichkeit bot, der Wehrmacht beizutreten. Er wurde noch wenige Tage vor Kriegsbeginn als aktiver Offizier übernommen und konnte auch - lange nach Kriegsende - seinen Pensionsanspruch durchsetzen. Besonders interessant an den hinterlassenen Dokumenten sind die lebhaften Schilderungen des Kriegsalltags im von den alliierten Bombern heimgesuchten Berlin. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch 'Zurück aus Afrika: Briefe und Tagebücher 1938-1948', von Nora von Steinmeister, Karl Wulff und Monika Schotten.

Titel: Zurück aus Afrika
Untertitel: Briefe und Tagebücher 1938-1948
Autorin: Nora von Steinmeister
Bearbeitung: Karl Wulff; Monika Schotten
Verlag: Diplomica Verlag
Hamburg, 2015
ISBN 9783959345439 / ISBN 978-3-95934-543-9
Broschur, 15 x 22 cm, 160 Seiten

von Steinmeister, Nora und Wulff, Karl und Schotten, Monika im Namibiana-Buchangebot

Briefe aus Afrika 1932-1938

Briefe aus Afrika 1932-1938

Briefe deutscher Siedler aus den ehemaligen Kolonien Deutsch-Südwestafrika und Deutsch-Ostafrika aus der Zeit von 1932 bis 1938.

Zurück aus Afrika: Briefe und Tagebücher (1938-1948)

Zurück aus Afrika: Briefe und Tagebücher (1938-1948)

Der Zeitzeugenbericht vom Ostafrika-Heimkehrern, 'Zurück aus Afrika,' basiert auf Briefen und Tagebüchern Nora von Steinmeisters aus der Zeit von 1938 bis 1948.