Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste, von Henno Martin

Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste, von Henno Martin. ISBN 9783935453004 / ISBN 978-3-935453-00-4

Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste, von Henno Martin. ISBN 9783935453004 / ISBN 978-3-935453-00-4

Henno Martins Erinnerungen 'Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste' ist ein Klassiker der Südwestafrika-Literatur.

Henno Martin  

Wir haben nie feststellen können, ob der Name »Gramadulla«, die Bezeichnung für unwegsame, wildzerschluchtete Gegenden, dem Portugiesischen oder einer Eingeborenensprache entlehnt ist. Mir schien es immer ein sehr passender Name. Die nackte Trostlosigkeit düster getürmter, unübersichtlicher Felsmassen und die labyrinthische Wirrnis unzähliger Klüfte und Schluchten scheint mir darin zum Ausdruck zu kommen. Wir wurden in dieser Unterwelt allmählich heimisch; wir lernten den Verlauf der leicht erreichbaren Wildwechsel, der größeren Schluchten und der Hauptwasserscheiden kennen. Das Unbekannte verlor dadurch nichts von seiner Verlockung. Konnte doch die häßlichste Schlucht eine herrliche Quelle, ein großes Bienennest oder einen Erzgang mit edlen Kristallen bergen. Es war zwar ziemlich unwahrscheinlich, und wir wußten es, aber die Hoffnung blieb. Wie bedeutungslos können Hunger, Durst und kalte Nächte werden, wenn es gilt, eine wilde, unbekannte Landschaft zu enträtseln! Ja, im Grunde ist es so, daß sich gerade diejenigen Erlebnisse mit gestochener Schärfe dem Geist einprägen, die nur durch den letzten Einsatz des Willens und aller Körperkräfte erkämpft werden konnten. Wie soll man die Fülle der Bilder in Worte fassen? Ich denke an einen Abend auf dem Südwestplateau. Ungebrochen und tischeben erstreckte sich die blendende Kalkfläche, eine uralte, versteinerte Flußebene, bis zum Horizont. Als an jenem Abend die Sonne sank, traten plötzlich alle Wildwechsel - schmale, flache Rinnen im harten Kalkschutt - als bläuliche Schattenlinien hervor. Von allen Seiten strebten sie den wenigen Pfannen zu, die wie kleine, flache Krater auf dem Plateau lagen. Ein paar knorrige alte Bäume und Büsche machten die Pfannen zu trockenen Oasen in der kahlen Weite. Welch herrliches Feuer lieferte uns ein großer abgestorbener Witgatbaum! Als wir schon in den Schlafsäcken lagen, jagte der rote Schein das silberne Mondlicht noch in groteskem Koboldtanz an den gewundenen Stämmen und den knorrig verdrehten Ästen vor dem dunklen Nachthimmel auf und ab. Am folgenden Morgen glich der Sonnenaufgang einer bedrohlichen Feuersbrunst vor einem roten, dunstigen Horizont. Warme Nordwindstöße kamen aus einem graublauen Himmel, der von Stunde zu Stunde schwerer wurde. Er verschluckte die Horizonte und verwischte die Konturen der fernen Berge; am Mittag war selbst der Rotstock nicht mehr zu sehen. Es war wohl so, daß die weite Grassteppe im Norden brannte und daß der Nordwind die feinen Rauchschwaden als bleigrauen Dunst in die Wüste sandte. Endlos zogen sich die Stunden, endlos dehnte sich die kahle, weiße Ebene vor unseren Blicken und floß mit dem milchfarbenen Horizont zusammen. Selbst die Tiere nahmen unwirkliche Formen an. Ein Trupp von Springböcken kreuzte unseren Weg. Gespenstischen Schemen gleich tänzelten sie durch das flimmernde Licht, von heißen Luftschwaden zu dämonischen Traumgestalten verzerrt. Gegen Abend schien es, als ob der Canyon uns narren wollte; es sah aus, als hätte er sich in heimlichen Schlangenwindungen davongemacht und als könnten wir seine Wasserkolke nie mehr erreichen. Der nackte, felsgerippte Berg, der jenseits liegen mußte, schien zum Greifen nah, und doch vermochten wir keine Spur von dem Einschnitt zu entdecken. Wir waren verwirrt und wurden unruhig. […]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste, von Henno Martin.

Buchtitel: Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste
Autor: Henno Martin
Verlag: Two Books
9. Auflage, Hamburg 2011
ISBN 9783935453004 / ISBN 978-3-935453-00-4
Kartoneinband mit Schutzumschlag, 13x21 cm, 362 Seiten, 14 sw-Fotos, 2 Karten

Martin, Henno im Namibiana-Buchangebot

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