Weiß oder Schwarz. Lehr- und Leidensjahre eines Farmers in Südwest im Lichte des Rassenhasses, von Ada Cramer

Weiß oder Schwarz. Lehr- und Leidensjahre eines Farmers in Südwest im Lichte des Rassenhasses, von Ada Cramer. Verlag: Deutscher Kolonialverlag

Weiß oder Schwarz. Lehr- und Leidensjahre eines Farmers in Südwest im Lichte des Rassenhasses, von Ada Cramer. Verlag: Deutscher Kolonialverlag

Die Ehefrau Ludwig Cramers, Ada Cramer, berichtete über die Vorfälle auf der Farm Otjisororindi, die 1913 als der "Fall Cramer" vor dem Windhoeker Amtsgericht verhandelt wurde. Ihre Sicht der Dinge stellte sie in ihrem Buch, Weiß oder Schwarz. Lehr- und Leidensjahre eines Farmers in Südwest im Lichte des Rassenhasses, das im selben Jahr in kleiner Auflage erschien, dar.

Adelheid 'Ada' Cramer  

[...] Setzt nun der Regen spät ein, so muß Hals über Kopf das Land bestellt werden, denn Weihnachten soll die Saat in der Erde sein, wenn man eine sichere Ernte haben will. Wir haben Ende März, Anfang April zuweilen schon starke Fröste, und was nach Weihnachten in die Erde kommt, läuft Gefahr vom Frost kurz vor der Reife vernichtet zu werden. Mein Mann (Anm.: Ludwig Cramer) hatte seit einigen Wochen wieder einen Farmgehilfen und einen Volontär. Er wartete mit seinen weißen Hilfskräften sehnsüchtig auf Regen und freute sich schon darauf, seine teuren landwirtschaftlichen Maschinen in Tätigkeit zu setzen. Wie schwer hat der Sommer 1911 die Farmer enttäuscht! Die Weihnachtszeit kam heran, Neujahr ging vorüber, unverändert in reiner Bläue strahlte der Himmel, keine Hoffnung auf Regen. Mutlos und trübe schaute der Farmer in das sonnige Blau und dann auf die trockne, dürre Weide, voller Unruhe ging er täglich an seine Wasserstelle, der Wasserstand fiel von Woche zu Woche. Er dachte nicht mehr an Säen und Ernten und fröhliches, sicheres Vorankommen, dunkel wurden die Bilder der Zukunft. Die dürre Weide, das mangelnde Wasser drohten seinen Viehstock zu gefährden, anstatt vorwärts, drohte es rückwärts zu gehen. Von Windhuk aus den Bergen kamen traurige Nachrichten, das Vieh verhungerte. Auf einer Farm fielen 70 Stück Großvieh, auf andern 39, 49, 12 Stück, fast keine Farm um Windhuk blieb vor Verlusten bewahrt. Sonderbar war das Verhalten der Hereros dabei, sie freuten sich und sprachen es offen aus. Ein Weib fagte zu mir: „Wenn der Regen ausbleibt, werden die Weißen alle aus dem Lande gehn, das Land wird wieder unser eigen sein. Wenn die Weißen fort sind, wird der Regen wieder kommen, und wenn wir auch wenig Vieh haben, es wird bald wieder viel werden." Dieser selbe Gedanke wurde auf vielen Farmen dem Weißen gegenüber ausgesprochen. Er läßt tief blicken. Das Volk träumt noch von der Wiederkehr der Herrschaft über dies Land. Da mein Mann doch nichts schaffen konnte, fuhr er Neujahr nach Gobabis, um sich persönlich beim Distriktschef nach den versprochenen Eingeborenen zu erkundigen. Was er dort zu hören bekam, war höchst merkwürdig. Der Diftriktschef sagte: „Er hätte vor Weihnachten eine Anzahl ordentliche, an Arbeit gewöhnte Eingeborene zu vergeben gehabt und dabei auch an uns gedacht. Es wäre ihm aber berichtet worden, mein Mann könnte keine Eingeborenen behandeln, und deshalb hätte er uns keine Leute geschickt." Mein Mann frug: „Wer denn so freundlich gewesen wäre, ihm etwas derartiges zu berichten?" Der Distriktschef wollte erst nicht recht mit der Sprache heraus, dann sagte er: „Der Wachtmeister unsrer Polizeistation." Wir hatten diesen Wachtmeister besonders gern und hätten auf seine Aufrichtigkeit geschworen; nun der Distriktschef dies meinem Mann sagte, waren wir ob solcher Hinterlist tief empört. Unsere Empörung vermischte sich mit Trauer, daß wir uns in einem Menschen so getäuscht hatten. Mein Mann bat noch einmal dringend um Leute und kehrte nach Otjisororindi zurück. Hier kam es zwischen ihm und dem Wachtmeister zu einem erregten Wortwechsel. Der Wachtmeister erklärte zornig und tief gekränkt: „Es wäre nicht wahr, er hätte niemals, weder schriftlich noch mündlich nach Gobabis gemeldet, daß mein Mann Eingeborene nicht zu behandeln verstünde." Ein schweres Zerwürfnis war die Folge. Es ist uns später versichert worden, daß wir dem Wachtmeister unrecht taten, daß der Wachtmeister ein aufrichtiger Mann ohne Falsch sei. Aber man kann uns wohl verzeihen, wenn wir unter diesen Umständen irre wurden. Jetzt hatten wir es mit dem Distriktschef und mit der Polizei verdorben. Es heißt: „Der grade Weg ist der beste." Wohin aber führt der grade Weg den ehrlichen Mann in Süd-West? Ich war allein. Das Jahr 1911 fing nicht gut für uns an. Am Neujahrstage zog sich unser Volontär eine Blutvergiftung an der Hand zu; die Hand schwoll unförmig an, der Arm wurde dick, Schüttelfrost und Fieber stellten sich ein. Ich schickte einen reitenden Boten nach dem Arzt, obwohl ich wußte, daß der Arzt zu spät kam, wenn sich die Sache nicht schon vorher zum Guten wendete. Da ich glücklicherweise von Wundbehandlung etwas verstehe, griff ich felbst ein. Als der Bote zurückkam mit der Nachricht, daß der Arzt verhindert sei, war mein Patient durch. Der Arzt hatte genaue Verhaltungsmaßregeln gegeben, und ich freute mich, daß ich aus eigener Initiative in jeder Beziehung nach dem Sinne des Arztes gehandelt hatte. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Weiß oder Schwarz. Lehr- und Leidensjahre eines Farmers in Südwest im Lichte des Rassenhasses.

Titel: Weiß oder Schwarz
Untertitel: Lehr- und Leidensjahre eines Farmers in Südwest im Lichte des Rassenhasses
Autorin: Ada Cramer
Verlag: Deutscher Kolonialverlag
Berlin, 1913
Halbleineneinband, 16x24 cm, 150 Seiten, Schrift: Fraktur

Cramer, Adelheid Ada im Namibiana-Buchangebot

Weiß oder Schwarz. Lehr- und Leidensjahre eines Farmers in Südwest im Lichte des Rassenhasses

Weiß oder Schwarz. Lehr- und Leidensjahre eines Farmers in Südwest im Lichte des Rassenhasses

Die Verteidigungsschrift im Fall Cramer: Weiß oder Schwarz. Lehr- und Leidensjahre eines Farmers in Südwest im Lichte des Rassenhasses.

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