Verschollen im Land der Ahnengeister. Eine wahre Abenteuergeschichte aus Namibia, von Dirk Schäfer.

Verschollen im Land der Ahnengeister. Eine wahre Abenteuergeschichte aus Namibia, von Dirk Schäfer. Glanz & Gloria-Verlag. Windhoek, 2010. ISBN 9789994571406 / ISBN 978-99945-71-40-6

Verschollen im Land der Ahnengeister. Eine wahre Abenteuergeschichte aus Namibia, von Dirk Schäfer. Glanz & Gloria-Verlag. Windhoek, 2010. ISBN 9789994571406 / ISBN 978-99945-71-40-6

Bildauszug aus 'Verschollen im Land der Ahnengeister. Eine wahre Abenteuergeschichte aus Namibia' (ISBN 9789994571406 / ISBN 978-99945-71-40-6)

Bildauszug aus 'Verschollen im Land der Ahnengeister. Eine wahre Abenteuergeschichte aus Namibia' (ISBN 9789994571406 / ISBN 978-99945-71-40-6)

In seinem Reisebericht 'Verschollen im Land der Ahnengeister. Eine wahre Abenteuergeschichte aus Namibia' rekapituliert Dirk Schäfer die Fehlentscheidungen, die ihn und seine Reisebegleiter dem Dursttod im Damaraland nahebrachten.

Dirk Schäfer  

[...] Etwa auf halbem Weg zum Wagen spendet ein größerer Strauch am Rand ein wenig Schatten. Wir legen eine Pause ein. In der Zwischenzeit hat Jörg uns erreicht und macht sich auf den Weg, die Reifen zu holen. Als er mit dem Transport gleich beider Pneus beginnt, ziehen wir weiter. Mit jedem Schritt dörrt die Mundhöhle deutlich spürbar aus. Ich versuche, bewusst durch die Nase einzuatmen und die aus der Lunge angefeuchtete Luft durch den Mund ausströmen zu lassen. Die gewünschte Wirkung bleibt allerdings aus. Es fühlt sich an, als würde der trockene Luftstrom aus einem Haartrockner an den Innenseiten der Wangen vorbei und über die Zunge streichen. Jörg hat zwar deutlich mehr Energiereserven als wir übrigen, aber die schweren Reifen zwingen ihn öfters zu kurzen Pausen. Ein Aufatmen der Erleichterung ist fast hörbar, als wir mit unseren Habseligkeiten den „Condor" erreicht haben. Das Ganze war wieder eine enorme Kraftanstrengung, alle Muskeln sind schlaff, der Mund mittlerweile trockener als das strohige Gras am Wegrand. Ein sparsamer Schluck vom „Gazellenbräu" gibt spürbare Erleichterung für die Schleimhaut. Das Wasser ist immer noch verhältnismäßig kühl und auch dadurch eine Wohltat. Mir fällt auf, dass ich selbst nach körperlicher Anstrengung so gut wie gar nicht schwitze. Regelrechten Durst verspüre ich erstaunlicherweise immer noch nicht. Und über Hunger hat sich bisher ebenfalls noch niemand beklagt. Wir ruhen uns noch ein paar Minuten im Wagen aus. Durch den ständigen Betrieb der Klimaanlage ist es jetzt auszuhalten. Wieviele solcher Kräfte zehrenden Aktionen stehen uns noch bevor? Irgendwann wird keiner mehr die Kraft haben, einen Koffer überhaupt noch hochzuheben, geschweige, das Fahrzeug erneut leerzuräumen, wieder aus dem Sand zu schieben und das Gepäck noch einmal durch die Wüste zu schleppen. Wie oft werden wir den „Condor" noch aus dem Sand befreien müssen? ... können? Eigentlich müssten sich Durst und Hunger längst massiv bemerkbar machen. Die letzte richtige Mahlzeit liegt mehr als zwei Tage zurück. Bis auf eine Hand voll Kekse und ein paar Bonbons hat seitdem niemand mehr etwas gegessen. Sollten wir uns tatsächlich doch noch auf der Strecke nach Twyfelfontein befinden, müsste dies nach meiner Erinnerung das letzte große Rivier gewesen sein. Ein wenig Hoffnung zerstreut wieder meine Zweifel. Diese Kraftanstrengung muss doch irgendwie belohnt werden. Ich lasse die erste Nachtfahrt noch einmal Revue passieren. Wir sind mindestens einmal eine längere Strecke durch einen Trockenfluss gefahren. Am Ende hätten wir beinahe die Kurve zum Ufer verpasst, im letzten Augenblick hat Jörg das Lenkrad noch in die richtige Richtung herumgerissen. Ich hoffe, dass es an dieser Stelle gewesen ist. Es muss hier gewesen sein! Wir setzen die Fahrt schweigend fort. Jetzt müssen wir bald die ersehnte Gabelung erreichen, so endlos kann diese Wüste doch nicht sein. Jeder starrt wieder konzentriert auf den Rand der Pad, um den Hinweis in die richtige Richtung ja nicht zu übersehen. Der Wunsch, die Abzweigung zu erreichen, dann endlich die Gewissheit zu haben, auf der richtigen Strecke zu sein, nährt zunehmend die Ungeduld. Die Felsen in der Umgebung werden höher, die Hügellandschaft verschwindet zusehends und wird von zusammenhängenden Felsformationen mit zackigen Graten verdrängt, die an Reste von Kraterrändern erinnern. Ein ähnliches Bild haben wir vor knapp zwei Tagen während der ersten Stunden unserer Fahrt durch diese Einöde vor Augen gehabt. Riviere haben jetzt nur noch die Ausdehnung von Rinnsalen. Geringe Bodenvertiefungen, flache und schmale Rillen stellen selbst für unseren angeschlagenen „Condor" zurzeit kein Problem dar. Aber wo bleibt, verflixt nochmal, die Abzweigung? Der Blick auf die Tankanzeige bereitet mir Missbehagen. Der Zeiger hat seine Position mittlerweile bedrohlich nahe an der Leerstandsmarke eingenommen. Die Fahrt in diesem Gelände verbraucht offensichtlich mehr Sprit als erwartet, auch wenn wir teilweise einen Durchschnitt von zehn Kilometern in der Stunde nicht überschritten haben. Ob wir die Klimaanlage für den Rest der Fahrt lieber ausschalten sollten, um Benzin zu sparen? Meine Gedanken werden jäh unterbrochen. Jörg hat den „Condor" gestoppt. Vor uns türmen sich Felsmassen steil zu einem höher gelegenen Plateau auf. Unsere weitere Umgebung habe ich während der letzten Minuten gar nicht mehr wahrgenommen, zu konzentriert haben sich meine Blicke wohl ohne Unterbrechung am Rand der Pad entlanggetastet. Eine Schlucht zerschneidet die riesige inselbergartige Erhebung. Die senkrecht abfallenden Wände an beiden Seiten, sicherlich weit über 100 Meter hoch, wirken geradezu bedrohlich. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Reisebericht: Verschollen im Land der Ahnengeister. Eine wahre Abenteuergeschichte aus Namibia, von Dirk Schäfer.

Titel: Verschollen im Land der Ahnengeister. Eine wahre Abenteuergeschichte aus Namibia
Genre: Reisebericht
Autor: Dirk Schäfer
Glanz & Gloria-Verlag
Windhoek, 2010
ISBN 9789994571406 / ISBN 978-99945-71-40-6
Broschur, 15 x 21 cm, 128 Seiten, zahlreiche Abbildungen

Schäfer, Dirk im Namibiana-Buchangebot

Verschollen im Land der Ahnengeister. Eine wahre Abenteuergeschichte aus Namibia

Verschollen im Land der Ahnengeister. Eine wahre Abenteuergeschichte aus Namibia

Der selbstkritische Reisebereicht 'Verschollen im Land der Ahnengeister' beschreibt ein wahres Erlebnis, das sich in Namibia ereignet und beinahe tödlich verlaufen ist.