Und immer wieder Afrika, von Margit Schankweiler

Und immer wieder Afrika, von Margit Schankweiler. Missionsverlag Bielefeld

Und immer wieder Afrika, von Margit Schankweiler. Missionsverlag Bielefeld

Als Ehefrau eine Missionars der Rheinischen Mission, lebte die Autorin, Margit Schankweiler, viele Jahre in Namibia. In Ihrem Buch Und immer wieder Afrika berichtet sie aus dieser Zeit.

Margit Schankweiler  

[...] „Die Tuindorp van die Noorde", das Gartendorf des Nordens, so nannte man in Südwestafrika Omaruru. Und in der Tat bot es mit seinen großen Eukalyptusbäumen und hohen Palmen, den relativ gepflegten Citrus- und Orangenanlagen und den bunten Blumengärten in der sonst trockenen Steppenlandschaft ein wohltuendes, grünes Bild. An der Straße, die mitten durch den Ort führt, befindet sich das Grundstück der Rheinischen Mission. Es reicht von der Straße bis hin zum Omaruru-Fluss, der allerdings in der längsten Zeit des Jahres - und wenn der Regen ganz ausgeblieben ist, auch jahrelang! trocken liegt. Das ebenerdige langgestreckte Missionshaus wurde von hohen Eukalyptusbäumen beschattet. An seiner Nordfront, also zur Sonne hin gelegen, zog sich eine Veranda entlang, auf deren Brüstung das ganze Jahr über in üppiger Fülle dunkelrote Geranien blühten. Die Mitarbeiter der Rheinischen Mission in Südwestafrika fühlten sich wie eine große zusammengehörende Familie, Man redete sich an mit „Bruder" oder „Schwester", die Jüngeren nannten die Älteren vertrauensvoll „Onkel" oder „Tante". Bruder Esslinger und seine Frau Ria nahmen uns freundlich und liebevoll zu ihren sieben Kindern in ihr Haus und ihre Familie auf. Rolf begab sich unter die fachkundige Leitung des älteren, erfahrenen Missionars, während ich mich von Schwester Esslinger in die Kunst der südwestafrikanischen Haushaltsführung einweisen ließ. In Anbetracht der großen Esslinger-Familie und der zudem in einem Missionshaus ständig beherbergten Gäste waren Rolf und ich glücklich, dass wir ein großes Zimmer als unser „erstes eigenes Heim" zugewiesen bekamen! Für die Dauer eines ganzen Jahres sollte uns dieser eine Raum alles sein: Schlafzimmer, Wohnzimmer, Studierstube, Wasch- und Ankleideraum! Vermisst jemand bei der Aufzählung die Toilette? Sie befand sich draußen, ca. 20 Meter vom Haus weg auf dem weitläufigen Hof. Dort stand das „Häuschen", versehen mit einem großen Eimer, einem Brett mit der entsprechenden Öffnung darüber und auf dem Boden ein Kästchen mit zurechtgeschnittenem Zeitungspapier! Zweimal in der Woche irrlichterte es spätabends über den Hof. Man hörte ein eigenartiges Klappern und Scheppern und dann sah man sie, die dunklen Gestalten. Die Eimer geschultert, zogen sie durch die Nacht und wechselten die Gefäße aus! Einige Wochen nach unserer Ankunft in Omaruru und nach sehnsüchtigem Warten trafen endlich die in Deutschland gepackten Seekisten mit unserem Hausrat ein. Wir durften unser Schlafzimmer, das einzige Mobiliar, das wir hatten mitnehmen können, auspacken, aufbauen und ein wenig streicheln! Ja, wir waren glücklich - und sogar ein wenig stolz auf unseren eigenen Schrank und die eigenen Betten und dass alles so gut übergekommen war und so schön aussah! Das musste gefeiert werden! Wir trommelten die ganze große Esslinger-Familie zusammen, und sie freute sich von Herzen mit uns. Allein der weise, ältere Bruder meinte denn doch wohl, unseren „Hochmut" ein bisschen dämpfen zu müssen: „Hängt aber nicht euer Herz daran!", gab er uns mit auf den Weg! Die mitgebrachten Bücher mussten zuerst einmal an der Wand entlang auf dem Fußboden platziert werden, bis Rolf uns aus den Brettern der Seekisten ein Regal zimmern konnte. Eines schönen Morgens traute ich meinen Augen nicht. Was war denn da über Nacht aus den Fugen des Steinfußbodens geschossen?? Kleine Pflänzchen standen plötzlich da! Wie konnte das geschehen, mitten im Zimmer? Esslingers mussten wieder her! Und wir lernten dazu: Wir waren in Südwest mitten in der Regenzeit. In der Regenzeit wird vieles lebendig, woran in der Trockenzeit nicht zu denken ist. Raupen, Käfer, mancherlei Gewürm kommen ans Tageslicht; es krabbelt, kriecht und flattert. Ja, und bei uns waren es die Termiten, die uns in unserem Allzweckgemach heimgesucht hatten! Im Dunkeln, über Nacht, hatten sie sich emporgearbeitet. Als ich ein wenig später eins der Bücher in die Hand nahm, sah ich, dass sie auch da gute Arbeit geleistet hatten: Durch mindestens acht aufeinander gestapelte Bände haben sie sich hindurchgefressen! [...]

Dies ist ein Auszug aus den Memoiren: Und immer wieder Afrika, von Margit Schankweiler.

Und immer wieder Afrika
Autorin: Margit Schankweiler
Missionsverlag Bielefeld
Bielefeld, 2004
ISBN 3929602768 / ISBN 3-929602-76-8
ISBN 9783929602760 / ISBN 978-3-929602-76-0
Kartoneinband, 14x21 cm, 280 Seiten, etliche sw-Fotos

Schankweiler, Margit im Namibiana-Buchangebot

Und immer wieder Afrika

Und immer wieder Afrika

Und immer wieder Afrika sind die Memoiren einer Missionarsehefrau über drei Jahrzehnte in Südwestafrika.

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