Überlebenskampf in der Namib. Erlebnisse des Frachtfahrers Adriaan Esterhuizen, von Willem Esterhuizen

Überlebenskampf in der Namib. Erlebnisse des Frachtfahrers Adriaan Esterhuizen, von Willem Esterhuizen.

Überlebenskampf in der Namib. Erlebnisse des Frachtfahrers Adriaan Esterhuizen, von Willem Esterhuizen.

Der 1924 geborene Willem Esterhuizen beschreibt die Erlebnisse seines Vaters Adriaan Esterhuizen als Frachtfahrer und seinen Überlebenskampf in der Namib.

Willem Esterhuizen  

Adriaan Pieter van Niekerk Esterhuizen, geboren am 17. Mai 1887 in Mesklip, Namaqualand, musste schon als kleiner Bub zusammen mit seinem älteren Bruder Willem die Kleinviehherden im Veld hüten, und weil es in diesem Landstrich vor 1900 kaum Zugang zu Schulunterricht gab, war er schon ein abgehärteter Bursche, ehe er zur Schule kam. Als General Manie Maritz durchs Namaqualand zog und um Rekruten für den Krieg gegen die Engländer (Anglo-Burenkrieg 1899-1902) warb, konnte der Vierzehnjährige diesem Ruf nach Abenteuer nicht widerstehen. Nach dem Friedensschluss 1902 gab es Gerüchte, dass die Engländer alle Rebellen des Kaplandes hinrichten wollten. Nach den vielen unmenschlichen Erfahrungen dieses Krieges musste Adriaan den Gerüchten Glauben schenken; er wusste nicht, dass die Burengeneräle die Schonung der „Kolonialen" als eine der wichtigsten Bedingungen des Friedensschlusses ausgehandelt hatten. Darum zog er nordwärts und erreichte unentdeckt den Garieb (Oranjefluss), wo er am anderen Ufer Tiere friedlich weiden sah. Er fand einen Durchgang durch den Fluss und erreichte als Sechzehnjähriger Deutsch-Südwestafrika, als einzige Habe sein Pferd mit Sattel und Zaumzeug, ohne jeglichen Proviant, ohne Hilfsmittel oder eine besondere Ausbildung. Nahe des Oranje, ritt Adriaan zu den dahinziehenden Schaf- und Ziegenherden und stieß auf einen weißen Wächter, den Besitzer der Herden, der sich ihm als Karel Engelbrecht von der Farm „Breekbeen" vorstellte. Als sie kurz vor Sonnenuntergang Onkel Kareis Bleibe erreichten und Adriaan von seinen Erlebnisssen berichtet hatte, bot ihm der Farmer eine Unterkunft für die nächsten sechs Monate an. Er musste als Schafwächter die Herden hüten gegen freie Verpflegung und jeweils drei Schafe für die Arbeit von zwei Monaten. Während er die Schafe hütete verstrichen Tage, Wochen und Monate und immer hielt er Ausschau nach Reisenden, die er in nördlicher Richtung zu entdecken hoffte. Er erinnerte sich an Onkel Tielman van Lill aus der Gegend von Van Rhynsdorp (im Kapland), der vor dem Krieg mit seiner Familie auf dem Weg nach Deutsch-Südwestafrika zehn Tage auf der elterlichen Farm „Zilverfontein" im Namaqualand Rast gemacht hatte.

Zu gerne würde Adriaan jetzt mit ihnen in Verbindung treten. Ab und zu hörte man von ihnen; sie waren anscheinend weit in das große Land nördlich des Oranje gezogen. Alles deutete daraufhin, dass die van Lills sich ihren Uebensunterhalt als Frachtfahrer im sich schnell entwickelnden Deutsch-Südwestafrika verdienten. Auch er wollte sich nun aufs Frachtfahren in Deutsch-Südwestafrika verlegen und sich Wagen und Zugtiere von der elterlichen Farm beschaffen. Als seine Zeit als Schafwächter verstrichen war und er zu seinem Vater Andries nach „Zilverfontein" zurückging, musste er erfahren, dass sein Vater, der zugleich Magistrat von Garies war, die Farm bei einem finanziellen Geschäft mit Bertus Roux verloren hatte.

Da in Deutsch-Südwestafrika keine Frachtfahrerlaubnis an Unmündige erteilt wurde beschloss Vater Andries, sich um eine Genehmigung zu bemühen und ebenfalls um ein Darlehen auf Wagen, Ausstattung und Zugtiere. Unvermeidlich war die damit verbundene Bürokratie und die Bürgschaft für seinen Sohn, und es lief darauf hinaus, dass sein Sohn Adriaan vom „Kaiserlichen Gouvernement" als „Kondukteur" registriert werden konnte. Nach anfanglichen Schwierigkeiten mit den Gespannen, vor allem mit den ungelernten Zugochsen, kam sein Transportunternehmen mit zwei Helfern schließlich in Schwung und so erreichten sie über Bethanien und Aus die Küstenstadt Lüderitzbucht, das Herz des pulsierenden Geschäftes.

In diesen Jahren war eine Fahrt vom Inland zur Küste nach Lüderitzbucht in jeder Hinsicht ein waghalsiges Unternehmen, da die Wege streckenweise kaum überwindbar schienen. Auf den Ebenen sanken die Eisenräder der Ochsenwagen tief in den Sand ein, und beschwerlicher war es in den Dünen, wo es nur wenige Durchfahrten gab. Oft staken die Wagen bis zu den Achsen im Sand. In Küstennähe war der harte, felsige Boden teilweise von Wanderdünen bedeckt, die sich je nach den vorherrschenden Winden in der Richtung verschoben. Nicht weniger als 16 Paar Ochsen mussten eingespannt werden, um die im Sand steckengebliebenen Wagen durch den Dünensand zu schleppen; teilweise ging es mit der schweren Last über unerwartet hohe Sandberge hinweg. (...)

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Überlebenskampf in der Namib. Erlebnisse des Frachtfahrers Adriaan Esterhuizen, von Willem Esterhuizen.

Buchtitel: Überlebenskampf in der Namib
Untertitel: Erlebnisse des Frachtfahrers Adriaan Esterhuizen
Autor: Willem Esterhuizen
Verlag: Kusieb-Verlag
Windhoek, Namibia 2012
ISBN 9789994576067 / ISBN 978-99945-76-06-7
Broschur, 15x21 cm, 128 Seiten, zahlreiche sw-Fotos

Esterhuizen, Willem im Namibiana-Buchangebot

Überlebenskampf in der Namib. Erlebnisse des Frachtfahrers Adriaan Esterhuizen

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Überlebenskampf in der Namiba ist die Biografie von Adriaan Esterhuizen, einem Frachtfahrer in Südwestafrika in der Zeit nach 1900.

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