Perspektiven 2014 / Afrikanischer Heimatkalender 2014, von Henning Melber et al.

Perspektiven 2014 / Afrikanischer Heimatkalender 2014, von Henning Melber et al.; Deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche in Namibia DELK; Windhoek, Namibia 2014; ISBN 9789991686820 / ISBN 978-99916-868-2-0

Perspektiven 2014 / Afrikanischer Heimatkalender 2014, von Henning Melber et al.; Deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche in Namibia DELK; Windhoek, Namibia 2014; ISBN 9789991686820 / ISBN 978-99916-868-2-0

Perspektiven 2014, ehemaliger Afrikanischer Heimatkalender, bietet aktuelle Beiträge, Gesellschaft und Zeitgeschehen in Namibia.

Henning Melber  

Junges Land Namibia. Junge Bevölkerung - alte Politik

[...] Noch immer dominiert so die erste Generation der antikolonialen Avantgarde, während nicht nur die sogenannten „struggle kids" ein gesellschaftliches Randdasein führen, sondern auch die anderen jüngeren Generationen nur relativ wenig an der politischen Ausgestaltung des Landes teilhaben. Die Annahme, dass bei der SWAPO-Jugendliga das Durchschnittsalter bei deutlich über 30 Jahren (und vermutlich näher an 40 Jahren) liegen dürfte - zumindest was die politischen Ämter betrifft - ist keinesfalls übertrieben. Trotzdem gelten sie nach wie vor als die „youngsters", was nicht nur ihrem zeitweilig höchst pubertären und infantilen Gebaren und ihrer politischen Unreife geschuldet ist. Vielmehr repräsentiert diese Sichtweise die dominante Perspektive einer Gesellschaft, in der in vielen Regionen noch immer eine, in einer traditionellen Kultur verankerte Sichtweise gegenüber Herrschenden, Alter mit Autorität und Macht in eins setzt und respektiert. Der„Tatekulu" (wie auch dessen Pendant in anderen ethnisch-regionalen Kulturen) ist eine einflussreiche Führungsperson, männlich und gebieterisch. Wir finden ihn in der namibischen Politik mehr als jeden anderen Prototyp politischen Einflusses. Das verspricht nichts Gutes für eine lebendige, innovative und zukunftsorientierte demokratische Kultur. Dass in Namibia noch immer die politische Deutungshoheit von den Senioren des Befreiungskampfes auszugehen habe, bekräftigte Präsident Hifikepunye Pohamba in einer an die Adresse der SWAPO-Jugendliga gerichteten geharnischten Rede Anfang März 2012. Er warf dieser vor, sich revolutionär gebärden und damit seiner Generation den Verdienst streitig machen zu wollen, die Unabhängigkeit erkämpft zu haben. Unter Verweis auf den Ausschluss der um Julius Malema gescharten Jugendliga-Führung durch den ANC in Südafrika bekräftigte der erboste Präsident, dass sich seine Partei nicht davor scheue, ähnliche Disziplinarmaßnahmen zu ergreifen. Er erinnerte daran, dass es seine Altersgruppe gewesen sei, die den Befreiungskampf geführt habe. Diese würde nicht hinnehmen, dass ihre Meriten von übereifrigen und aufmüpfigen Elementen der jüngeren Generation („young Turks") streitig gemacht würden. Der Gebrauch der neuen Informationsmedien (Facebook, Twitter) durch den Nachwuchs auch in der politischen Diskussion wurde bereits mehrfach scharf von der SWAPO-Führung kritisiert, die solche ihr nach wie vor fremde Kommunikation als Bedrohung zu empfinden scheint. Seither wurde die aktive Rolle, mit der die Führung der Jugendliga die Nachfolge des amtierenden Präsidenten Im Vorfeld des Parteikongresses Ende November 2012 zu beeinflussen suchte, drastisch abgestraft. Eine öffentliche Entschuldigung für das als unbotmäßig erachtete Verhalten wurde durch eine außerordentliche Sitzung des Zentralkomitees der Partei im Juni 2013 in Swakopmund unter Androhung von Ausschlussverfahren erzwungen. Nicht zu vergessen sind jenseits dieser aktuellen Zeichen deutlicher Intoleranz gegenüber einer wenn schon nicht jungen, dann doch zumindest jüngeren in parteiinterne Machtkämpfe verstrickte Generation die zumindest teilweise noch im kollektiven Gedächtnis verhafteten traumatischen Erfahrungen zu Mitte der 1970er Jahre. Seinerzeit ging die SWAPO-Führung im Exil erbarmungslos gegen jüngere „Quertreiber" vor - was in vielen Fällen für diese einen langen Leidensweg, oftmals mit tödlichen Folgen hatte. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Perspektiven 2014 / Afrikanischer Heimatkalender 2014, von Henning Melber et al.

Buchtitel: Perspektiven 2014 (Afrikanischer Heimatkalender 2014)
Herausgeber: Informationsausschuss der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Namibia DELK
Windhoek, Namibia 2014
ISBN 9789991686820 / ISBN 978-99916-868-2-0
ISSN 2026-7010
Broschur, 17x24 cm, 140 Seiten, zahlreiche Abbildungen

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