Land der wasserlosen Flüsse, von Giselher W. Hoffmann

Land der wasserlosen Flüsse, von Giselher W. Hoffmann. ISBN 0620142332 / ISBN 0-620-14233-2

Land der wasserlosen Flüsse, von Giselher W. Hoffmann. ISBN 0620142332 / ISBN 0-620-14233-2

Giselher W. Hoffmann erzählt von dem Gwi-Buschmann Katuma alias Nossob, der an der Bequemlichkeit unserer Zivilisation zerbricht, die deutsche Aussteigerin Syria Landtberg und der junge Bure Johan Ecksteen geraten in den Bann eines mysteriösen Berges. Kein Weißer hat den Berg je erblickt, doch ein Gerücht erzählt, daß er im Land der wasserlosen Flüsse, dem heutigen Namibia, verborgen liegt und einen unermeßlichen Reichtum birgt. Die Suche nach dem Schatz wird für die drei ungleichen Menschen zur Obsession, die keine Skrupel kennt.

Giselher W. Hoffmann  

Vor vielen, vielen Regenzeiten lebten die Gwi-Buschmänner in einem Tal, das in der Richtung der untergehenden Sonne von einem Berg versperrt wurde. Aber es war ein freundlicher Berg, denn abends, wenn der Wind aufkam, begann er zu singen und lockte die Gwi und alles durstige Getier in seinen mit Wasser gefüllten Bauch. Eines Tages jedoch weinte der Berg, und ein Gwi-Buschmann kletterte auf seine Schulter, um ihn zu fragen, warum er so traurig sei. Da sah er in der Ferne seltsame Wesen heranrücken, weiße und schwarze Riesen, die mit silbernen Fäden die Bäume fesselten, steinerne Hütten errichteten und das Antlitz der Großen Dürre von ihren zahmen Elenantilopen und krausköpfigen Gazellen zertrampeln ließen. Die Gwi und die wilden Tiere rannten in panischer Angst davon. Der Berg aber konnte nicht fliehen. Und so versteckte er sich unter dem Sand. Seither ist der Berg sehr einsam, und damit die weißen und schwarzen Riesen ihn nicht weinen hören, schluckt er seine Tränen hinunter - steinerne Tränen, in denen die Flammen längst erloschener Feuer brennen. Vor einem Jahr war der letzte Sturzregen über der Kalahari niedergegangen. Die Sonne brannte auf die rostbraunen, nur spärlich mit Gräsern und Akazienbäumen bewachsenen Dünen herab, und der Wind spielte lustlos in dem staubigen Flußbett des Auob. An den Biegungen waren entwurzelte Bäume in den ausgetrockneten Wasserlauf gestürzt; Zeugen einer Flut, die sich damals nach dem Wolkenbruch gen Südosten gewälzt hatte: tosend und weitaus schneller als Benjamin, der mühsam durch den angeschwemmten Sand im Flußbett stapfte und sich mit einem Packesel abmühen mußte. Benjamin war ein Hottentotte - besser: ein wandernder Händler, der für Wochen, oftmals Monate in der Kalahari verschwand, angeblich, um bei den Buschmännern die von Touristen begehrten Pfeil und Bogen gegen Glasperlen, Blechtassen, Tabak und Taschenmesser einzutauschen. In Wirklichkeit aber war er im Auftrag eines gewissen Hermanus Johannes Ecksteen auf der Suche nach der berühmt-berüchtigten Verlorenen Stadt, die im Jahre 1885 ein Amerikaner namens Farini in der Wüste entdeckt hatte. Bisher war es niemanden vergönnt gewesen, einen zweiten Blick auf die Ruine zu werfen, denn Farini hatte der Welt nichts als eine Landkarte und die Skizze eines runden Monuments inmitten halb im Dünensand vergrabener Bausteine hinterlassen. Und Benjamins Auftraggeber, der einen Gemischtwarenladen in Gochas besaß, wollte der erste Weiße sein, der die Verlorene Stadt wieder zu Gesicht bekam. Nur ist es so, daß die Buschmänner einem Fremden selten etwas anvertrauen, und dem mageren Hottentotten im beigefarbenen Overall und der leuchtendroten Pudelmütze auf dem Kopf verrieten sie gleich gar nichts, weil sein ewiges Lächeln die Herzen der Gwi-Mädchen verwirrte und in seinen Augen die Lüge wohnte. Erst als Ecksteen dem Hottentotten billigen Branntwein mit auf die Reise gab, gelang es Benjamin, der Kalahari ein Geheimnis zu entreißen, zwar nicht das der Verlorenen Stadt, doch immerhein eines, so glaubte er, das ihm viel Geld einbringen würde. Obwohl er Durst hatte und seine Füße in den kuduledernen Schuhen schmerzten, gönnte er sich und dem Packesel keine Rast, denn er wollte die kurz vor der Jahrhundertwende von Missionar Rust gegründete Station Gochas vor Einbruch der Dunkelheit erreichen. Zwei Stunden später verließ erden Auob und kletterte die steile Anhöhe zu einem Kalkplateau hinauf. Dort, am Rande des Abgrunds, lag Gochas, ein winziger Ort im Südosten Südwestafrikas. Im März 1908 hatte Hauptmann von Erckert hier seinen vernichtenden Angriff auf Simon Kopper, dem Kapitän der Fransmannhottentotten, gestartet. Benjamin humpelte an der Stelle vorüber, an der damals das Schutztruppenfort gestanden hatte, und bog in die Sandstraße ein, die breit und staubig den Ort in zwei Hälften teilte. An diesem späten Nachmittag war die Straße wie leergefegt. Er bleib stehen, wehrte die blutende Sonne mit einer Hand ab und musterte die lückenhafte Häuserreihe zur Linken. Sein Blick blieb an einem gelben, flachgestreckten Gebäude am Ausgang des Ortes haften. Er konnte nicht lesen, aber in Gochas wußte jedermann, daß - "ECKSTEEN-ALLGEMEENE-HANDELLAR"- auf dem vom Verandadach baumelnden Schild geschrieben stand, und der Hottentotte lächelte, als ersah, daß der Gemischtwarenladen noch geöffnet hatte. Er band den Packesel am Verandapfosten an, stieg unter dem Schild hindurch auf den mit Brettern ausgelegten Bürgersteig und trat, nachdem er kurz an die Holztür gepocht hatte, in den Laden. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Land der wasserlosen Flüsse, von Giselher W. Hoffmann.

Buchtitel: Land der wasserlosen Flüsse
Autor: Giselher W. Hoffmann
Verlag: Hoffmann Twins
Windhoek, Namibia 1989
ISBN 0620142332 / ISBN 0-620-14233-2
Originalbroschur, 14x21 cm, 303 Seiten

Hoffmann, Giselher W. im Namibiana-Buchangebot

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