Kameraden in Südwest, von Karl Angebauer

Kameraden in Südwest, von Karl Angebauer.

Kameraden in Südwest, von Karl Angebauer.

In dem Tatsachenroman Kameraden in Südwest berichtet Karl Angebauer von seinen Erlebnissen zu Zeiten von Deutsch-Südwestafrika.

Karl Angebauer  

[...] Ohne zu ahnen, daß in dem zweiten Store die Leute auch bereits ermordet seien, lief Sergeant Rademacher mit Graf Dohna dorthin, um sich gemeinsam mit den Deutschen zu verteidigen. Er fiel schon unterwegs, durchbohrt von sechs aus dem Hinterhalte abgefeuerten Kugeln. Graf Dohna war nur verwundet und wurde mit dem Kirri erschlagen. Es waren im ganzen zwölf Weiße, die man auf Waterberg niedermachte. Männer, Frauen und Kinder, ungefähr hundertsechzig an der Zahl, waren der heimtückischen Mordbande innerhalb kurzer Frist zum Opfer gefallen. Nicht aber, daß man diese Unglücklichen elend gemeuchelt hatte, war das Schlimmste, sondern die viehische Grausamkeit, mit der es geschehen war. Da gab es abgehackte Hände, abgeschnittene Ohren, Nasen und Lippen, der Unterleib war vielfach aufgeschlitzt, von Messerschnitten zerfetzt, der Brustkorb aufgehackt, der ganze Schädel von Beilhieben zertrümmert, von Schändungen scheuslichster Art ganz zu schweigen. Ein Schrei nach Vergeltung, nach härtester Strafe für die Täter, die dies vollbracht und für die Häuptlinge, die dies angeordnet und gutgeheißen hatten, klang durch das ganze Land. Klang hinweg über den Ozean, hinüber nach Deutschland. Zugleich der Ruf um Hilfe. Die Lage im Lande war ernst. Was es an Farmen, kleinen Handelsniederlassungen, Stationen mit wenigen Mann Besatzung gegeben hatte, war zum größten Teil ausgeraubt und zerstört. Nur größere Stationen, wie Windhuk, Okahandja, Karibib, Omururu, Outjou, Grootfontein usw., zu denen sich alles, was noch lebte, geflüchtet hatte, bestanden noch. Ob die sich aber würden halten können? Einem gemeinsamem Ansturm der Hereros gegenüber gewiß nicht. Aktives Militär gab es ungefähr 700 Mann im Schutzgebiet. Der größte Teil davon war zum Bondelsaufstand nach dem Süden ausgerückt, der jedoch inzwischen erledigt war. Gegen achthundert Mann hatten aus der Bevölkerung eingezogen werden können, damit war aber auch schon über das Waffenfähige hinaus alles erfaßt. Niemand jedoch im Lande verlor den Mut. Nur Wut, Haß und Grimm über die an den Volksgenossen verübten Nichtswürdigkeiten und Greuel beherrschte die Gemüter. Das Volk der Hereros lebte im Jubel. Ach, war es schön, Orlog zu machen. Und wie einfach! »Der Löwe, welcher schläft, merkt keine Gefahr", lautet ein altes Hererosprichwort. So war es auch den Deutschen ergangen. Die Taktik, die man gegen sie angewandt, hatte sich vollkommen bewährt. Man schlachtete die Nichtsahnenden, und nahm, was sie besaßen. An 20.000 Rinder hatte man erbeutet, viele Pferde, Waffen und Munition, in Johann-Albrechtshöhe ein ganzes Ausrüstungsdepot, so daß hunderte von Hereros in Truppenuniformen einherstolzierten. Wer einen Säbel erwischt hatte, ließ sich Herr Leutnant, Herr Hauptmann oder Herr Major titulieren. Hoch loderten am Abend die Feuer. Gellend kreischender Sang ertönte zu wilden Tänzen. Alle Orlogmänner saßen herum, prahlten mit ihren Heldentaten und denen, die sie noch ausführen wollten, und in dickbäuchigen Töpfen brodelte das Fleisch geraubter fetter Ochsen. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Kameraden in Südwest, von Karl Angebauer.

Titel: Kameraden in Südwest
Autor: Karl Angebauer
Genre: Tatsachenroman
Deutsches Verlagshaus Bong & Co
5.-7. Tsd. Berlin, 1936
Originalleinen, 15x20 cm, 349 Seiten, 35 Zeichnungen von Moritz Pathe, 22 Fotos, 1 Karte

Angebauer, Karl im Namibiana-Buchangebot

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Kameraden in Südwest ist eine Erzählung auf Grundlage der Erlebnisse des Autors in Deutsch-Südwestafrika.

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