Kalahari, von Henry Kolarz

Kalahari, von Henry Kolarz. Sonderausgabe des Tigris Verlag.

Kalahari, von Henry Kolarz. Sonderausgabe des Tigris Verlag.

Kalahari. Roman von Henry Kolarz. Sonderausgabe von Naumann & Göbel

Kalahari. Roman von Henry Kolarz. Sonderausgabe von Naumann & Göbel

Kalahari (Henry Kolarz), Wolfgang Krüger Verlag. ISBN 381051005X / ISBN 3-8105-1005-X

Kalahari (Henry Kolarz), Wolfgang Krüger Verlag. ISBN 381051005X / ISBN 3-8105-1005-X

Kalahari, von Henry Kolarz. Lizenzausgabe des Deutschen Bücherbundes, 1977.

Kalahari, von Henry Kolarz. Lizenzausgabe des Deutschen Bücherbundes, 1977.

Henry Kolarz' Spannungsroman Kalahari ist das Musterbeispiel eines deutschen Thrillers. Das Buch ist politisch aktuell, gut informiert und recherchiert.

Henry Kolarz  

»Du brauchst mir nur ein Zeichen zu geben, Jan, und ich drehe ab auf Westkurs.« Der Pilot dämpfte die Stimme, so daß nur der hinter ihm sitzende Jan Feuchtenbeiner, aber keiner der anderen Passagiere ihn verstehen konnte. »Der Sprit würde bis Südamerika reichen, und wir hätten fürs ganze Leben ausgesorgt.« Der Pilot streifte mit einem diskreten Seitenblick die beiden Aluminiumkoffer, die mit stählernen Armbändern und Ketten an Feuchtenbeiners Handgelenke geschmiedet waren. Es gehörte zu den Regeln ihres Spiels, daß Jan Feuchtenbeiner die Anspielung ignorierte und der Pilot sich hütete, danach zu fragen, ob die Koffer an diesem Tag mit Diamanten oder nur mit Kieselsteinen gefüllt waren. Natürlich wußten beide, daß eine Erörterung dieser Frage, auch nur im Spaß, sie ihre hochbezahlten Jobs gekostet hätte, den Piloten der firmeneigenen Cessna King Air ebenso wie den Sicherheitschef der Diamantenmine von Orapa. Die Direktion der De Beers Botswana Mining Company, die Scherze auf Kosten der Sicherheit nicht schätzte, hatte lange Ohren. Zwei dieser Ohren gehörten Philip de Swaert, dem technischen Direktor von Orapa, der heute den Flug in die Hauptstadt Gaborone begleitete, auf dem Weg nach Johannesburg, wo er dem Aufsichtsbeamten über die sehr erfreuliche Ergiebigkeit der Mine berichten sollte. Auf dem hinteren Sitz hatte es sich Ewald bequem gemacht, ein deutscher Schlosser, dem ein Stahlsplitter ins Auge geflogen und der zur Nachuntersuchung in eine Johannesburger Klinik bestellt war. Die Republik Botswana verfügte über keine Spezialisten, es gab hier nur sieben praktische Ärzte - gerade einen für je hunderttausend Einwohner. Die anderen vier Plätze der achtsitzigen Cessna King Air waren leer geblieben. In Orapa lief die Produktion auf Hochtouren, das Management konnte im Augenblick keinen Mann entbehren. Feuchtenbeiner streckte seine Beine aus und schaute auf die Uhr. In neunzig Minuten würden sie auf dem kleinen Flugplatz in Gaborone landen; ein Landrover hätte zwei Tage gebraucht, um die fünfhundert Kilometer zwischen Orapa und der Metropole zurückzulegen. Sie flogen über dem Ostrand der Kalahari mit seinen verdorrten Dornenbüschen. Ein Rudel Antilopen flüchtete in einer ockerfarbenen Staubwolke vor dem Lärm der Motoren. Im Umkreis eines der wenigen Brunnen, die noch etwas Wasser gaben, hatten die durstigen Rinder das gelbe Savannengras bis auf den letzten Halm niedergetreten. Ein schwarzer Hütejunge reckte seine Arme und rannte der Cessna ein paar Schritte hinterher. Seit acht Monaten hatte es hier nicht mehr geregnet. Wenige Minuten später erreichte der Pilot den fruchtbaren Landstreifen am östlichen Saum Botswanas, entlang der Eisenbahnlinie, die Rhodesien und Südafrika miteinander verbindet. Er steuerte die Cessna in einem sanften Bogen auf Südkurs. Jetzt brauchte er nur noch eine halbe Stunde dem schnurgeraden Schienenstrang zu folgen, um die Hauptstadt Gaborone anzufliegen. Links und rechts auf die Sitze neben sich hatte Feuchtenbeiner die Metallkoffer gestellt, hochkant. Auf dem Flughafen in Gaborone würde er die kostbare Fracht an die Sicherheitsbeamten der Zentrale übergeben und sie dann auf dem direkten Weg zum Tresor im Verwaltungsgebäude der Holding, der Anglo-American-Corporation, begleiten. Im Laufe der Zeit hatte Feuchtenbeiner sich abgewöhnt, über die stets gleichbleibende Akribie der Prozedur zu lächeln, die er als lästig, aber unvermeidlich empfand. Über den Nutzen von Sicherheitsmaßnahmen wurde bei De Beers ohnehin nicht diskutiert. Immerhin hatte das martialische Ritual seine innere Logik. Niemand in Gaborone wußte, ob Feuchtenbeiner an diesem Tag in den beiden Aluminiumkoffern die Monatsausbeute von Orapa oder wieder nur, wie fast immer, einen und einen halben Zentner Kieselsteine in die Tresore der Anglo-American bringen würde. [...]

Dies ist ein Auszug aus dem Roman: Kalahari, von Henry Kolarz.

Titel: Kalahari
Autor: Henry Kolarz
Verlag: Tigris Verlag
o. O., o. J.
ISBN: keine
Original-Kartoneinband, Original-Schutzumschlag, 13x21 cm, 414 Seiten

Kolarz, Henry im Namibiana-Buchangebot

Kalahari

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Spannender Roman um Diamantenschmuggel und Geheimdienste zwischen Namibia, Botswana und Südafrika.

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