Jan Gaerdes: Ein Märchen vom Quagga. Erlebnisse am Kunene, von Jan Gaerdes

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Jan Gaerdes. Abenteuer-Berichte aus dem reichen Leben des „poor old man“ in Südwestafrika - Ein Märchen vom Quagga. Erlebnisse am Kunene, von Jan Gaerdes.

Dies ist ein Auszug aus dem Buch: Jan Gaerdes. Abenteuer-Berichte aus dem reichen Leben des „poor old man“ in Südwestafrika - Ein Märchen vom Quagga. Erlebnisse am Kunene, von Jan Gaerdes.

Auf seinen abenteuerlichen Streifzügen in die entlegensten Regionen Südwestafrikas legte Jan Gardes hunderte, sogar über 1000 Kilometer beritten und zu Fuß zurück und kehrte manches Mal ausgezehrt und fiebergeschüttelt heim. Immer wieder zog ihn die Abenteuerlust oder ein Mythos in die Wildnis. Dieser Bericht über Erlebnisse am Kunene erzählt unter anderem, wie Jan Gaerdes dem landesweit erzählten Märchen vom Quagga nachpürte.

Jan Gaerdes  

Ein Märchen vom Quagga. Erlebnisse am Kunen erschien erstmalig in der „Allgemeinen Landeszeitung", Windhoek 1927, wurde nachgedruckt im „Afrikanischen Heimatkalender", Windhoek 1947, unter dem Titel „Am Kunene" sowie anlässlich der Vollendung des 87. Lebensjahres des Autors (1976) als Beilage zu den „Mitteilungen der S.W.A. Wissenschaftlichen Gesellschaft - Nr. XVII, 1976", Windhoek.

Zwischen düsteren Felsen, die kahl und zerklüftet im Sonnenbrand glühen, glitzert ein breiter Strom. Uralte Omimborombonga und gewaltige Anabäume spiegeln sich drinnen; hohes Riet säumt Ufer und Insel mit grünem Gürtel. Stolze Fächerpalmen schneiden scharfe Silhouetten in den Himmel, aus dessen blauer Schale Glut und Licht in unermesslichen Fluten niederbranden. Murmelnd und glucksend rinnt kristallklares Wasser über hellen Sand und glatte Kiesel; schäumt um blankgewaschene Klippen, und schießt in rauschender Fahrt dahin, daß Kraut und Riet erzittern. Seit Stunden schon murrt vom Westen her dumpfes Tosen. Unaufhörlich, als käme es aus der Erde, und immer lauter. Einmal noch springen die Berge zurück, bevor sie in jähem Satz den Kunene zwischen ihre Felsenarme pressen, für viele Meilen. Einmal noch tobt der Riese gegen die drohende Umklammerung. Dann zerstäubt sein brüllender Schwall an den schwarzen Mauern des Epupa. Aus engem Schlund kocht eine blinkende Säule von Wasserdampf viele Meter empor. Tief unten gischen rasende Wirbel - bäumen sich Wellenstrudel wieder und wieder in wütendem Kampf. Und dann gleitet die Smaragdgrüne Flut dahin, bis sie vor gleißenden Klippenwänden zu stehen scheint - und zu verdampfen, in dieser höllischen Flimmerglut. Fern im Westen zackt ein riesenhafter Gebirgsklotz in jähem Fall zum Lauf des Kunene hinab. Mein Ziel. Die Baynesberge [Jan Gaerdes stieß 1922 in den Baynesbergern noch auf Ur-Dama, die noch eine eigene, der Wissenschaft unbekannte Sprache sprachen]. Vorgestern früh bin ich vom Rio dos Alphantes aufgebrochen. In seinem Uferdickicht, nahe der Okamuhengue-Drift, steht mein Lager. Karre und Ochsen blieben dort unter Obhut von „Langpaul", dem Freund aus Humpata. Er weilt hier im Jagdveld; und von ihm hörte ich zuerst das Märchen vom Quagga. Eines Abends am Lagerfeuer erzählte es Langpaul. Vor Jahren hätten ein paar wagemutige Jäger aus Humpata auf der Suche nach Elefanten sich weit im Westen über den Kunene ins Kaokoveld gewagt. Viele Driften gibt es zwischen Tjimuhaka und Eisentor; spärlich und weit verstreut sind die Ovatjimbawerften unterhalb Okamuhengue. Da wären sie auf eine Hochfläche mit steilen Rändern gekommen und auf ihr hätten sie die Tiere gefunden. Aus der Ferne hätten sie wie Esel ausgesehen, so daß die Jäger sie anfangs nicht schießen mochten. Später natürlich - man braucht doch Kost für die Kaffern! Felle? Langpaul selbst hatte keins gesehen. Die hätte man wahrscheinlich doch liegen lassen! Ja-doch: angeblich hätte einer der Jäger sich aus dem enggestreiften Kopfteil einen Tabaksbeutel gemacht. Die Erzählung hatte mir keine Ruhe gelassen. Einige Tage später bin ich trotz Langpauls Abraten losgezogen. Nun lagern wir am Epupa, im Schatten riesiger Affenbrotbäume. Weit und breit, auf Meilen in der Runde, steht keiner aus ihrem Geschlecht. Wie kommt es, daß gerade hier eine kleine Familie dieser seltsamen Pflanzengeschöpfe sich angesiedelt hat? Unförmige, plumpe und glattwandige Gesellen sind es, deren gewaltige Leiber aus grauer Vorzeit zu stammen scheinen, wie die Dickhäuter im Tierreich. Und merkwürdig: mein Gastfreund trägt ein üppiges, zartgrünes Laubdach, während sein Nachbar noch kahl und nackt die knolligen Würste seiner Äste in die Luft reckt. […]

Die ist ein Auszug aus dem Buch: Jan Gaerdes. Abenteuer-Berichte aus dem reichen Leben des „poor old man“ in Südwestafrika - Ein Märchen vom Quagga. Erlebnisse am Kunene, von Jan Gaerdes.

Buchtitel: Jan Gaerdes
Untertitel: Abenteuer-Berichte aus dem reichen Leben des „poor old man“ in Südwestafrika
Herausgeber: Arno Ziegler
Verlag: Swalit
2. geänderte Auflage, Zetel 2002
ISBN 3980788601 / ISBN 3-9807886-0-1
Broschur, 15x21 cm, 80 Seiten, 4 sw-Abb., 1 Kartenskizze

Gaerdes, Jan und Ziegler, Arno im Namibiana-Buchangebot

Jan Gaerdes

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Die Biographie des Jan Gaerdes: Abenteuer-Berichte aus dem reichen Leben des „poor old man“ in Südwestafrika.

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